Niederkrüchten: Campingplatz-Mord - 90 Prozent der Daten ausgewertet

Prozess in Niederkrüchten : Campingplatz-Mord: 90 Prozent der Daten ausgewertet

Ursprünglich sollten die fehlenden Handydaten bereits im Januar ausgewertet sein. Neue Prozesstermine sind noch nicht angesetzt.

(eva) „Eine Hauptverhandlung ist grundsätzlich kein Ermittlungsverfahren, sondern dient der Prüfung der Frage, ob sich ein Tatverdacht bestätigt.“ Mit diesen Worten tat der Vorsitzende Richter im Prozess um den sogenannten Campingplatz-Mord, Lothar Beckers, seinen Unmut darüber kund, dass eine für diesen Verhandlungstag vorgesehene abschließende Auswertung von Datenmaterial nicht vorlag.

In dem Prozess vor der 1. Großen Jugendkammer des Landgerichts Mönchengladbach ist eine 52-Jährige wegen Mordes, ihr Sohn sowie zwei weitere Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Mutter und Sohn sollen die beiden Männer angestiftet haben, den Lebensgefährten der Frau zu verprügeln. Mit der Tat habe sich die Frau für vorangegangene Misshandlungen rächen wollen. Anfang Januar 2018 sei das Opfer von den beiden Männern in seinem Wohnwagen auf einem Campingplatz in Niederkrüchten zunächst mit Pfefferspray, dann mit Faustschlägen und einem Schlagstock attackiert worden. Anschließend soll die Angeklagte ihrem Lebensgefährten mit einem Pflasterstein auf den Kopf geschlagen haben. Um einen Überfall vorzutäuschen, habe sie einige Wertgegenstände aus dem Wohnwagen entfernt. Der Mann starb vor Ort an seinen schweren Verletzungen.

Im November 2018 war zu Tage gekommen, dass die Handydaten der Angeklagten bis zu diesem Zeitpunkt nicht vollumfänglich ausgewertet worden waren. Eine Spezialfirma stelle zunächst gelöschte Daten wieder her, seit Januar 2019 ist die Polizei mit der Auswertung beschäftigt. Dies sollte nach ursprünglicher Schätzung etwa vier Wochen andauern. Ein Polizeibeamter erklärte am Montag, dass die Auswertung zu mehr als 90 Prozent fertiggestellt sei. Bislang seien keine relevanten Inhalte gefunden worden. Zum Umfang erklärte der Zeuge, es handele sich um Tausende Seiten, etwa „einen Lkw voll“ Papier. Mit der Ankündigung verzögert sich der Prozess, der im September 2018 begann und für den ein Urteil ursprünglich im Frühjahr erwartet worden war, erneut. 

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