Viersen: Neues Leben fürs Petershaus

Viersen: Neues Leben fürs Petershaus

Von der Kinderbewahrschule über eine Handelsschule bis zum Kinderhort beherbergte das Petershaus vor allem junge Menschen. Der neue Eigentümer Wolf E. Boshamer möchte wieder junge Menschen als Mieter gewinnen.

"Mir fehlt noch die zündende Idee. Aber vielleicht bringt mich ein Besucher beim Denkmaltag darauf!" Wolf E. Boshamer hat das "Petershaus" im Frühjahr 2012 aus einer Zwangsversteigerung erworben – weil er eine "Schwäche für denkmalgeschützte Häuser" hat. Doch was er mit dem Gebäude machen soll, weiß er noch nicht genau.

Viel Platz haben die neuen Bewohner im Petershaus: Die Räume sind zwischen 80 und 120 Quadratmeter groß. Foto: Busch, Franz-Heinrich sen.

Die meisten Viersener kennen das Haus mit dem Relief des heiligen Petrus über dem Eingang, das direkt gegenüber der Parkplatzausfahrt an der Petersstraße liegt. 1899/1900 wurde es als "Kinderbewahranstalt" der Pfarre St. Remigius errichtet. Heute würde eine Bewahranstalt wohl Kindergarten oder Kinderhort heißen – die baulichen Voraussetzungen waren die gleichen: Die Schulbauverordnungen der damaligen Zeit regelten Raumhöhe sowie Belichtung und Beleuchtung der Klassenräume. Das Petershaus überragt deshalb auch seine Nachbarhäuser, obwohl es wie diese zwei Geschosse hat, die lichte Raumhöhe beträgt zwischen vier und fünf Meter – und wer die Stufen hinaufsteigt, bleibt erst einmal überwältigt stehen.

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Die Räume sind nicht nur himmelhoch, sondern einfach riesig: zwischen 80 und 120 Quadratmeter groß. Da es lange leer stand, ohne Heizung und Nutzung, waren die Wände und Böden überall feucht. So riss Boshamer komplett die Böden raus und füllte sie auf Anraten von Denkmalpflegerin Ellen Westerhoff mit Glasschotter auf – ein totes Material, das keine Feuchtigkeit aufnimmt. Dann kam die Fußbodenheizung hinein und zum Schluss edle Blausteine in Form von Schieferplatten. "Es soll auch alles pflegeleicht sein", umreißt Boshamer die künftige Nutzung. Er kann sich vorstellen, die Räume an junge Künstler zu vermieten, die ihre Werke in einem entsprechenden Ambiente präsentieren wollen. Als Neu-Eigentümer freut er sich, dass er alle Fenster erhalten konnte, vor allem die mehr als hundert Jahre alten originalen Metallgriffe. Damit einerseits die Fenster geschützt sind, andererseits aber auch weder Kälte noch Lärm hindurchlassen, hat Boshamer entsprechende Doppelfenster anfertigen lassen – selbstverständlich aus Holz.

Auch sonst ist viel Holz in diesem Haus verbaut: die geradeläufige Treppenanlage vom Erd- zum ersten Geschoss, wo noch die originalen Dielen erhalten sind und von dort ins Dachgeschoss, das 1962 zu einer schönen Loftwohnung ausgebaut wurde. So wird die ehemalige Kinderbewahrschule, die 1901 vom Katholischen Kaufmännischen Verein zu Viersen (KKV) als Handelsschule eingerichtet und während des Ersten Weltkrieges ein katholischer Kinderhort für bis zu 70 Kinder von Soldaten wurde, hoffentlich wieder von jungen Menschen genutzt. Ob es einen, zwei oder drei Mieter künftig geben wird, lässt Boshamer offen. Er freut sich erst mal, dass er an der Erhaltung dieses aus wissenschaftlichen, architekturgeschichtlichen, kulturhistorischen und vor allem ortsgeschichtlichen Gründen geschützten Gebäudes mitwirken kann.

(flo)
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