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Kreis Viersen: Neue Struktur für die Förderschulen

Kreis Viersen : Neue Struktur für die Förderschulen

Der Schulausschuss hat sich entschieden: Acht Förderschulen im Kreis werden aufgelöst. Stattdessen gründet der Kreis zwei neue Schulzentren für die etwa 1000 betroffenen Kinder. So soll es auch weiterhin Förderschulen geben.

Demnächst braucht der Kreis weniger Schulgebäude: Der Schulausschuss hat beschlossen, acht Förderschulen aufzulösen und zwei Förderzentren mit mehreren Nebenstandorten zu gründen. Die Entscheidung fiel am Mittwoch nach kurzer Diskussion. Ein Mitglied der Linken enthielt sich, alle anderen stimmten dafür. Am Donnerstag entscheidet der Kreistag endgültig. Bildungsdezernent Ingo Schabrich erklärte, der Beschluss sei den Alternativen vorzuziehen: "Wenn wir unser Haus heute nicht aufräumen, werden wir morgen keine Chance mehr dazu bekommen."

2009 trat in Deutschland eine UN-Konvention in Kraft, die Behinderten mehr Rechte einräumt — und unter anderem zur Folge hat, dass Kinder mit Behinderungen häufiger gemeinsam mit nicht behinderten Kindern zur Schule gehen können. Seitdem schicken immer mehr Eltern Kinder mit Förderbedarf auf Regelschulen.

Gleichzeitig setzte die Landesregierung eine Konzentrationswelle unter Förderschulen in Gang. Im Oktober hat sie die Mindestschülerzahl von 72 auf 144 Kinder für Hauptstandorte heraufgesetzt, für Nebenstandorte liegt sie bei 72. "Wer ein Förderschulsystem erhalten möchte, muss über diese Zahlen springen", sagte Schabrich.

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Leicht ist das nicht. Derzeit gibt es für Kinder mit unterschiedlichem Förderbedarf unterschiedliche Schulen. Ohne Veränderung der Schullandschaft müssten bald mehrere Standorte schließen. Kinder, die noch auf eine Förderschule gehen wollten, müssten weit fahren.

Der Kreis hat nun beim Unternehmen Komplan eine Analyse in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Die Franziskus-Schule als Förderschule für Geistige Entwicklung soll erhalten bleiben. Die übrigen acht Förderschulen im Kreis werden durch zwei Förderzentren ersetzt, die ab August von etwa 1000 Kindern besucht werden, die sprach- oder lernbehindert sind oder deren soziale und emotionale Entwicklung besonders gefördert werden sollte.

Das Förderzentrum Ost richtet sich an Kinder aus Alt-Viersen, Süchteln, Kempen, Tönisvorst, Willich und Grefrath. Der Hauptstandort entsteht in der heutigen Gereonschule in Viersen, dazu gibt es mehrere Nebenstandorte. Dauerhaft erhalten bleiben davon laut Komplan nur die Schule in Kempen-Klixdorf und entweder die Willicher Pestalozzischule oder die Kempener Johannes-Hubertus-Schule. Schließen würden unter anderem der Nebenstandort der bisherigen Gereonschule in Boisheim sowie die Diergardtschule in Viersen.

Das Förderzentrum West richtet sich an Kinder aus Nettetal, Brüggen, Schwalmtal, Niederkrüchten, Dülken und Boisheim. Es zieht in die heutige Schule an der Schwalm und erhält ebenfalls Nebenstandorte. Langfristig erhalten bliebe laut Komplan nur die Dependance in der Dülkener Overbergschule, schließen würde unter anderem die Comeniusschule in Hinsbeck.

Die Entscheidung zum neuen Konzept war umstritten: Mehrere Eltern sowie die Viersener SPD und FDP hatten gegen die Auflösung der Gereonschule protestiert. Im Schulausschuss des Kreises war von dieser Debatte wenig zu spüren. Die Politiker drängten auf Informationen und schimpften darüber, wie das Land die Inklusion vorantreibe — mit zu wenig Geld und Konzepten.

Viele Eltern von Kindern an der Gereonschule hatte Schabrich in der vergangenen Woche von der Notwendigkeit des neuen Konzepts überzeugt, auch, weil er erklärte, das heutige Gebäude bleibe als Förderschwerpunkt Sprache ebenso erhalten wie die Klassenverbände. Wie lange das so bleiben wird, ist allerdings offen.

(RP)