Kultur-Highlight in Viersen Neue Pläne für die Skulpturensammlung

Exklusiv | Viersen · Schon auf der Autobahn nicht zu übersehen: Die Skulpturensammlung verschafft Viersen kulturelle Prominenz – mit Werken berühmter Künstler wie Anthony Cragg oder Wang Du. Jetzt gibt es neue Pläne.

Was die Skulpturensammlung in Viersen bietet
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Was die Skulpturensammlung in Viersen zu bieten hat

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Foto: Buschkamp

Die Skulpturensammlung, das Jazz-Festival und die Billard-WM: Dafür ist Viersen auch über die eigenen Grenzen und die der Region bekannt. Schon auf der Autobahn 61 weist ein braunes Schild auf den außergewöhnlichen Park mit 13 zeitgenössischen Plastiken namhafter Künstler hin. Genug Grund, um abzufahren und hinzufahren.

Seit 35 Jahren existiert dieses kulturelle Highlight, in vielen Listen mit Kultur- und Freizeittipps wird Viersen mit seiner bedeutenden Sammlung - etwa neben der Museumsinsel Hombroich oder Neersen - ganz vorne genannt. „Eigentlich sind 35 Jahre kein echtes Jubiläum“, sagt Beatrix Wolters vom Vorstand des „Vereins Heimatpflege Viersen“. Dieser hegt und pflegt die wertvolle Sammlung. Und schmiedet anlässlich des unechten Jubiläums neue Pläne.

 Florian Peters-Messer, Jutta Pitzen und Beatrix Wolters (r.) vom „Verein für Heimatpflege" haben neue Pläne für die Skulpturensammlung.

Florian Peters-Messer, Jutta Pitzen und Beatrix Wolters (r.) vom „Verein für Heimatpflege" haben neue Pläne für die Skulpturensammlung.

Foto: Buschkamp

Zwischen der Städtischen Galerie, dem Kreishaus und dem Casinogarten sind die unterschiedlichen Skulpturen angeordnet: mal monumental und ein beliebtes Fotomotiv wie der rote Stahl von „New Star“ von Mark di Suvero vor dem Forum des Kreishauses. 1992 wurde er aufgestellt, dazu kam der damalige NRW-Ministerpräsident Johannes Rau. Mal eher unscheinbar und dem Übersehen-werden ausgesetzt wie die Vogeltränke oder die unauffälligen Bänke aus Stein und Metall von Erwin Heerich. Stoff für Diskussionen haben die einzelnen Werke immer wieder geliefert - nicht jeder Viersener vermag sich dafür zu begeistern. Ein Foto von der jüngsten Skulptur, Gereon Krebbers „Zirbel“, kann harsche Redaktionen hervorrufen - Abscheu inklusive.

 Die Skulpturensammlung sorgt über die Stadtgrenzen hinaus für die Bekanntheit von Viersen.

Die Skulpturensammlung sorgt über die Stadtgrenzen hinaus für die Bekanntheit von Viersen.

Foto: Buschkamp

Diese Berührungsängste haben Beatrix Wolters, Jutta Pitzen, Florian Peters-Messer und Jörg Restorff nicht. Als Vorstand des „Vereins für Heimatpflege Viersen“ fungieren sie als die Hüter der Skulpturensammlung. Ernsthafte Beschädigungen habe es bei dem offen und kostenfrei präsentierten Kunstwerken noch nie gegeben, sagt Florian Peters-Messer. „Zum Glück“, betont er. Vielleicht auch ein Zeichen, dass den Werken mit Respekt begegnet werde. Für Peters-Messer ist diese Sammlung „zwar nicht die größte, aber eine der schönsten“. Deutschland sei nicht vergleichbar mit den USA, wo Skulpturenparks öfter anzutreffen seien, meint Peters-Messer.

Anlässlich des 35-jährigen Bestehens sind nicht nur Veranstaltungen wie Rundgänge, ein Vortrag und eine temporäre Installation von Christiane B. Bethke ab Montag, 17. Juni, im Park geplant. „Auf Facebook und Instagram haben wir eine kleine Serie zum Jubiläum auf die Schiene gesetzt“, erklärt Vorstandsmitglied Jörg Restorff. „Bislang sind zwei Beiträge erschienen: über Mark di Suveros ,New Star’ und Tony Craggs Plastik ,Wirbelsäule’“. Als nächstes sei ein Beitrag zu Günter Haeses Skulptur „Optimus II“ geplant.

Gegründet 1989 mit drei zeitgenössische Plastiken, die im Umfeld der Städtischen Galerie im Park aufgestellt wurden, begann die Geschichte der „Skulpturensammlung Viersen“. Es war eine Initiative des Vereins für Heimatpflege: Dessen langjähriger Vorsitzender Albert Pauly, unterstützt vom künstlerischen Berater Joachim Peter Kastner, trieb dieses Kunstprojekt im öffentlichen Raum beharrlich und mit Herzblut voran. Seitdem wächst die Sammlung stetig: Zuletzt kam im Jahr 2018 die Krebber-Bronze hinzu. Bis jetzt sind es ausschließlich Werke männlicher Künstler. Das soll sich im 35. Jahr des Bestehens ändern.

„Die nächste Skulptur soll von einer Künstlerin stammen“, wünscht sich der Vorstand des Heimatvereins. Neben dem Geschlecht seien weitere Kriterien zu berücksichtigen. So solle die neue Plastik sich harmonisch in das vorhandene, wenn auch lose Ensemble einfügen. Und: Es solle jemand mit einem gewissen Renommee sein, niemand vollkommen Unbekanntes.

„Wir stehen noch ganz am Anfang unserer Überlegungen“, erzählen die Vorstandsmitglieder. Um konkret an dem Vorhaben „neue Skulptur“ weiterzuarbeiten, habe man einen Arbeitskreis gegründet - einen offenen Arbeitskreis, betont Beatrix Wolters, offen für alle. Für Florian Peters-Messer beginnt jetzt die spannende Phase: die Suche nach einer möglichen Kandidatin, die ein solches Werk anfertigen könne, dazu seien intensive Recherchen, etwa auf Kunstmessen angesagt.

Erst, wenn diese Recherche erfolgreich abgeschlossen und eine Künstlerin gefunden sei, wolle man sich um die Finanzierung kümmern. Die Sponsorensuche funktioniere am besten, wenn man etwas Konkretes vorweisen könne, sind sich die Vorstandsmitglieder einig. Bisher sind die Skulpturen Stiftungen an die Stadt. Finanziert wurden sie auf unterschiedliche Weise: etwa durch Schenkungen oder durch Stiftungen wie der Sparkassenstiftung oder der „Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW“.

„Wir freuen uns auch auf alle, die sich mit einbringen möchten“, sagen die Vorstandsmitglieder. Sie sind sich mit Blick auf die gewachsene Sammlung einig: „Es ist Zeit für die erste Skulptur von einer Frau.“