Neue Parteispitze - CDU-Funktionsträger im Kreis Viersen machen sich für Mitgliederentscheid stark

Parteivorsitz : CDU-Spitze: Ruf nach Mitgliederentscheid

Viele CDU-Funktionsträger im Kreis Viersen wünschen sich eine Beteiligung der Parteibasis bei der Frage, wer Angela Merkel als CDU-Vorsitzende beerben soll. Die ersten haben sich bereits festgelegt, wen sie sich wünschen.

Wer soll die Nachfolge von Angela Merkel an der Spitze der Bundes-CDU antreten? Darüber gehen die Meinungen bei den Lokalpolitikern im Kreis Viersen durchaus auseinander. „In der augenblicklichen Situation halte ich den ehemaligen Unionsfraktionsvorsitzenden Friedrich Merz für die beste Wahl als Vorsitzender, um mit den beiden anderen und den weiteren Führungspersonen ein erfolgreiches Team zu führen“, sagt Nettetals Bürgermeister Christian Wagner, der auch Bezirksvorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU Niederrhein ist. „Bei so einer wichtigen Grundentscheidung wäre ein Mitgliedervotum eine gute Möglichkeit, die Mitglieder einzubeziehen.“

Bereits am Dienstag hatte Uwe Schummer (CDU), direkt gewähltes Mitglied des Bundestages aus dem Kreis Viersen, einen Mitgliederentscheid gefordert. Solch ein Mitgliederentscheid ist allerdings in der Satzung der CDU nicht vorgesehen – und die Zeit, diese Satzung bis zur Wahl am 7. Dezember noch zu ändern, ist knapp.

Nettetals Bürgermeister Christian Wagner würde gerne Friedrich Merz als nächsten CDU-Vorsitzenden sehen. Foto: Bauch, Jana (jaba)

Dennoch findet die Idee bei vielen CDU-Funktionsträgern im Kreis Viersen Anhänger: Auch Schwalmtals Bürgermeister Michael Pesch und der Viersener CDU-Fraktionsvorsitzende Stephan Sillekens halten einen Mitgliederentscheid für gut.  „Ich unterstütze die Idee Uwe Schummers, die Mitgliederschaft möglichst breit an der Findung der oder des Vorsitzenden zu beteiligen“, sagt Sillekens. Stefan Berger, Vorsitzender der CDU Schwalmtal, sieht es ähnlich: „Nach einer 18-jährigen Parteivorsitzphase ist es an der Zeit, die Mitglieder selbst über diese Frage entscheiden zu lassen.“ Personell haben sich Pesch, Sillekens und Berger noch nicht festgelegt: „Ich würde zunächst gerne wissen, was die Kandidaten inhaltlich wollen“, sagt Sillekens.

Brüggens Bürgermeister Frank Gellen hat nach der Absage von Armin Laschet einen klaren Favoriten für den CDU-Bundesvorsitz: Friedrich Merz. Foto: Knappe, Jörg (jkn)/Knappe, Jörg (knap)

Claudia Wolters, Vorsitzende der CDU in Brüggen, favorisiert Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, „da sie sich in ihrer relativ kurzen Zeit in diesem Amt wie auch schon bei ihren vorherigen Ämtern profiliert hat und für die Partei wertvolle Arbeit leistet sowie genug Erfahrung für das Amt mitbringt“. Brüggens Bürgermeister Frank Gellen findet Kramp-Karrenbauer ebenfalls „klasse“, sie sei aber Merkel zu ähnlich. Und da viele Bürger eine Alternative zu Merkel forderten, werde Kramp-Karrenbauer nicht zu einer „Aufbruchstimmung“ führen. Von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als CDU-Vorsitzender ist Brüggens Bürgermeister nicht überzeugt: „Ich weiß nicht, ob er das Zeug dazu hat.“ Friedrich Merz würde er zutrauen, „auch in Europa eine starke Führungsposition einnehmen zu können“. Die CDU brauche eine neue Klarheit, was ihr Markenkern ist, glaubt Reinhardt Lüger, Vorsitzender der CDU Niederkrüchten. Da helfe eine politisch versierte Führungskraft, die von außen auf die Partei schauen kann. „Und das ist für mich Friedrich Merz.“

Will mit vielen Mitgliedern im Kreis Viersen sprechen und sich dann entscheiden: der CDU-Kreisvorsitzende Marcus Optendrenk. Foto: Karth, Sven (Baugesellschaft Nettetal)

Marcus Optendrenk, Vorsitzender der Kreis-CDU, hat sich noch nicht entschieden. „Der Parteitag wählt am 7. Dezember“, sagt der Landtagsabgeordnete. „Ich will mir deshalb in Ruhe ein Bild machen über Konzepte, Ideen und Personen. Außerdem werde ich mit vielen Mitgliedern im Kreis Viersen sprechen. Danach werde ich mich entscheiden.“ Landrat Andreas Coenen würde gerne jemanden im Parteivorsitz sehen, „der die CDU als Volkspartei zusammenhalten kann“. „Was wir am wenigsten gebrauchen können, ist eine Zuspitzung auf ein Entweder-Oder.“ Die CDU habe christliche, soziale und liberale Wurzeln. Coenen: „Deshalb bringt die Zuspitzung auf die Frage wenig, ob die CDU weiter nach links oder nach rechts rücken sollte.“ 

Die Junge Union im Kreis Viersen will am Freitag, 2. November, 18 Uhr in der Geschäftsstelle, Goetersstraße 54 in Viersen, die Nachfolge-Frage bei einer offenen Vorstandssitzung mit den Mitgliedern diskutieren.

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