Neue Ideen gegen die Tauben-Plage in Viersen

Tauben-Problem in Viersen : Neue Ideen gegen die Tauben-Plage

Der Kampf gegen die Tauben in der Viersener Innenstadt ist wenig erfolgreich. Die Stadt wird im Ausschuss für Ordnung berichten, was nicht geht. Die CDU hat eine Idee, wie es gehen könnte. Eine andere hat ein Krefelder Verein.

Der Remigiusbrunnen in der Viersener Fußgängerzone ist ein Tauben-Treffpunkt. Was davon bleibt, ist Taubenkot – ein unappetitliches Ärgernis an markanter Stelle. Für die Viersener CDU müssen jetzt neue Lösungen her, um der Taubenplage endlich Herr zu werden. „Der Taubenkot und die Taubenplage haben an dieser Stelle ein bedenkliches Ausmaß erreicht“, stellen Fraktions-Chef Stephan Sillekens und der zuständige Ratsherr Ole Wiggers fest.

Warum besteht das Problem immer noch? Seit Februar 2019 wird das Thema erneut diskutiert. Die Stadtverwaltung vermag dazu bisher keine Lösung in Aussicht zu stellen. Zwar gibt es unterschiedliche Methoden, doch kaum eine verspricht dauerhaften Erfolg oder ist an dieser Stelle einsetzbar.  So schätzt es der Kreis Viersen als Untere Naturschutzbehörde etwa als bedenklich ein, wenn die Stadt Viersen Vergrämungsmittel nutzt, um einen Ort für die störenden Tauben unattraktiv zu machen und sie von dort zu vertreiben.

Die Eier in den Gelegen werden teilweise durch Gipseier ausgetauscht, um die Population zu verringern. Foto: Stadttauben Krefeld

Können Spikes helfen? Mit einer neuen Idee der Christdemokraten werden sich die Mitglieder im Ordnungs- und Straßenverkehrsausschuss in ihrer Sitzung am Donnerstag, 12. Dezember beschäftigen. Die CDU schlägt vor, dafür die Straßenlaternen rund um den betroffenen Remigiusbrunnen zu nutzen. Auf ihren glatten Oberflächen könnten Taubenspikes angebracht werden. Dabei handelt es sich um Leisten mit langen Metallspitzen. Werden sie montiert, können die Tauben dort nicht mehr landen. Für Sillekens und Wiggers eine gute Lösung: Die Taubenspikes seien auch einfach zu reinigen, denn: „Unsere Fußgängerzone muss immer in einem Top-Zustand sein“, fordern sie.

Ein Tauben-Küken sieht man selten. Ist das Tier einmal zahm, bleibt es im Schlag des Vereins. Foto: Stadttauben Krefeld

Gibt es andere Ansätze? Auf Integration statt Abwehrmaßnahmen basiert eine Idee, die zurzeit in Krefeld ausprobiert wird. In der dortigen Innenstadt leben geschätzt 500 Tauben. 200 von ihnen finden sich regelmäßig rund um den Neumarkt ein. Dort picken sie die Reste der Nahrung auf, die Menschen fallen lassen, suchen nach Weggeworfenem und werden zudem trotz Verbot gefüttert. Durch die schlechte Ernährung sind sie ungepflegt, struppig oder verletzt. Ihr schmieriger, weißlicher Kot verschmutzt Gehwege und Gebäude.

„Ja, die Tauben in der Stadt sind ein Problem“, bestätigt die Stadt Krefeld. Vor allem das Füttern der Tiere sei ein Ärgernis. „Dabei handelt es sich hier um eine Ordnungswidrigkeit gemäß des Ortsrechts.  Der Bußgeld-Katalog sieht Strafen von 50 bis 1000 Euro vor“, erklärt Stadtsprecher Manuel Kölker. Auch in der Stadt Viersen ist laut dem geltenden Ortsrecht von 2016 das Füttern von Tauben verboten.

Der Verein „Stadttauben Krefeld“ hat eine eigene Voliere. Foto: Stadttauben Krefeld

Was sagen Tierschützer zur Tauben-Plage? Auch aus Tierschutz-Sicht ist die Situation der Tauben in der Innenstadt ein Problem. „Aus der Not heraus fressen die Tiere Abfälle, die krank machen. Der schmierige Kot ist ein Anzeichen dafür. Tauben, die artgerecht ernährt werden, haben einen harten, trockenen Kot. Auch Brot schadet den Tieren“, sagt Anna Luisa Schulz. Die 27-Jährige ist die erste Vorsitzende des Vereins „Stadttauben Krefeld“, der im Januar 2019 neu gegründet wurde. Sein Ziel: das Miteinander von Mensch und Taube in Krefeld zu verbessern sowie mit Vorurteilen aufzuräumen.

Der Verein Stadttauben Krefeld kümmert sich seit einem Jahr um die Tauben. Foto: Stadttauben Krefeld

Sind Tauben für den Menschen gefährlich? „Es hält sich hartnäckig das Gerücht, das Tauben Krankheiten übertragen, die gefährlich für den Menschen sind. Das ist schon seit Jahren wissenschaftlich widerlegt. Tauben sind nicht gefährlicher als andere, frei lebende Tiere“, erklärt Schulz. Das bestätigen auch Untersuchungen der Stadt Krefeld. „Tests der Stadtverwaltung haben ergeben, dass die Krefelder Stadttauben keine gesundheitliche Gefahr darstellen, auch wenn grundsätzlich eine Gefahr besteht“, sagt Stadtsprecher Kölker.

Worin unterscheiden sich Stadttauben von Wildtieren? Ein großes Problem ist das Brutverhalten der domestizierten Vögel. Bis zu fünf Mal legen Stadttauben im Jahr Eier, Wildtauben dagegen brüten lediglich zweimal im Jahr. „Das häufige Brüten ist vom Menschen gewollt und angezüchtet worden. Stadttauben sind vielfach entflogene Brief- und Zuchttauben, die ein entsprechendes Verhalten zeigen. Sie sind es gewohnt, unter schwierigsten Bedingungen zu brüten“, erklärt Alica Rebecca Gebel, zweite Vorsitzende des Vereins „Stadttauben Krefeld“.

Welche Möglichkeiten werden in Krefeld ausprobiert? In Gesprächen mit der Stadt versuchen die Vereinsmitglieder das Tauben-Problem in Krefeld zu lösen. Bisher setzt die Stadt auf die Ansiedlung von Falken. Stadtsprecher Kölker berichtet: „Mit dem NABU werden zum Beispiel weitere Nistplätze für Falken eingerichtet, bislang gibt es davon zwei (Friedenskirche und Alte Kirche). Die Falken sollen die Tauben vergrämen.“ Falken, so die Erfahrung der Tauben-Freunde, seien jedoch meist nur eine kurzfristige Lösung. „Dadurch werden zwar Tiere verjagt und auch mal Tauben geschlagen. Diese werden aber schnell durch andere Tiere ersetzt, die sich neu ansiedeln“, sagt Anna Luisa Schulz.

Wie sieht die Integration der Tauben aus? Die Vereinsmitglieder setzen deswegen auf das „Augsburger Modell“, das in vielen Städten wie Moers, Düsseldorf oder Neuss bereits praktiziert werde. Bei diesem Ansatz wird die Standorttreue der Vögel ausgenutzt, die bevorzugt im Umkreis ihrer Nester bleiben. Dazu werden an Stellen, an denen sich Tauben gerne aufhalten, Taubenhäuser, -schläge oder -türme aufgestellt. Dort können die Tiere ungestört brüten und werden mit artgerechtem Futter versorgt. „Der Vorteil ist auch, dass man in einem solchen Haus die Eier gegen Gipseier austauschen kann und somit die Population viel besser im Griff hat und sie sogar auf Dauer reduzieren kann“, erklären Schulz und Gebel. Rund 7000 Euro würde ein Taubenhaus inklusive Erstausstattung kosten. Die Mitglieder betreuen einen Schlag auf dem Gelände einer großen Firma in Uerdingen. Mit Erfolg. Die Tiere haben, so die Expertinnen, die neue Unterkunft bisher sehr gut angenommen, sehen gesünder und gepflegter aus.