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Kreis Viersen: Naturschutzbund will Zaun erhalten

Kreis Viersen : Naturschutzbund will Zaun erhalten

Der Naturschutzbund (Nabu) Krefeld-Kreis Viersen hat aus naturschutzfachlicher Sicht erhebliche Bedenken gegen die Beseitigung des Zauns, der zurzeit noch das Naturschutzgebiet Brachter Wald (ehemaliges Depot) umgibt.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel hat verfügt, dass der Zaun im Frühjahr 2013 beseitigt werden muss und dass bis dahin der Damwildbestand im umzäunten Gebiet auf 100 Exemplare gesenkt werden muss.

Bundesweit einmalig

Das Gebiet Brachter Wald ist das mit Abstand größte Naturschutzgebiet im Kreis Viersen und eines der wertvollsten Heidegebiete im Land NRW. Die Bestandsdichte bestimmter Vogelarten, darunter beispielsweise der Gartenrotschwanz als Vogel des Jahres 2011 mit etwa hundert Brutpaaren, ist bundesweit einmalig. Das gilt nicht nur für die Heidebewohner, sondern auch für die Waldarten. Nur in diesem Gebiet wächst noch die Graue Glockenheide, die es bundesweit sonst nicht mehr gibt. Auch andere Bestände von Reptilien, Insekten, Pflanzen und Pilzen haben eine bundesweite Bedeutung.

Möglich ist dies nach Angaben des Nabu nur durch eine effektive Beweidung der Offenlandflächen und der Waldflächen. Sie verhindere, dass das Gebiet schnell zuwächst und so seine bundesweite Bedeutung verlöre. Bisher werde die Beweidung fast ausschließlich durch den Damwildbestand erbracht. Der Naturschutzbund habe die Damhirsche im ehemaligen Depotgelände anfangs sehr kritisch gesehen, da sie keine heimische Tierart seien. Ihr Bestand wurde zweifellos in den vergangenen Jahren erheblich überhöht, solche Auswüchse müssten unbedingt für die Zukunft verhindert werden.

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Der Nabu plädiert daher dafür, die Bejagung des Areals grundlegend neu zu organisieren. Statt einer revierweisen Bejagung sei ein flächendeckendes Wildtiermanagement erforderlich, das sich an den Zielen des FFH-Gebietes (Fauna Flora Habitat) orientiere und gleichzeitig den Anforderungen des Tierschutzes, beispielsweise durch ausreichendes Nahrungsangebot, gerecht werde.

Kreis soll seine Zusage einlösen

Der Nabu spricht sich dafür aus, die Beweidung durch andere Tierarten wie Rinder, Pferde und Schafe in angemessener Anzahl zu ergänzen, um ein vielfältiges Fraßbild zu bekommen. Sollte eine effektive Beweidung nur mit dem vorhandenen Außenzaun zu verwirklichen sein, sollte man sich im Sinne des Naturschutzes dazu klar bekennen. Der Naturschutzbund hält nichts davon, den Zaun zu beseitigen, um die anhaltende jagdliche Diskussion zu beruhigen. Denn der bundesweit einmalige Wert des Gebiets drohe damit verloren zu gehen. Der Naturschutzbund beharre deswegen darauf, dass der Kreis Viersen seine Zusage einlöse und ein schlüssiges und dauerhaftes Konzept vorlege, in dem Aussagen zur Erhaltung der Artenvielfalt und zur Neuregelung der Bejagung getroffen werden.

(RP)