Nach Rücktritt der Caritas als Bauherr für ein Altenheim in Süchteln

Bauprojekt : Doch ein Seniorenheim für Süchteln?

Die Caritas ist zwar von ihren Plänen für ein Heim an der Grefrather Straße zurückgetreten, dennoch könnte dort bald gebaut werden. Die Grundstückseigentümer führen „ernsthafte Gespräche“ mit möglichen neuen Trägern.

Steigende Baupreise, knapp bemessenes Budget: „Wir haben gemerkt, dass es immer enger und enger wird“, sagt Peter Babinetz. „Wir haben so schnell es geht reagiert“, ergänzt das Vorstandsmitglied des Caritasverbands für die Region Kempen–Viersen. In der Vorstandssitzung am 16. November sei beschlossen worden, kein neues Altenheim in Süchteln zu bauen. „Diese Entscheidung ist uns ungeheuer schwer gefallen, wir haben aber aus unserer Sicht nicht anders entscheiden können.“

An der Grefrather Straße hatte der Caritasverband eigentlich ein Haus mit 72 vollstationären Plätzen errichten wollen. Das Grundstück gehört den privaten Investoren Janissen und Zaum. „Es ist traurig, dass die Caritas das Projekt nicht mehr verwirklichen will“, sagt Hans-Wilhelm Janissen. „Bei den Baupreisen im Moment“ könne er die Entscheidung jedoch nachvollziehen. Die Unternehmer zumindest halten an ihren Plänen fest, an der Grefrather Straße ein Seniorenheim mit 80 Plätzen zu bauen. Janissen: „Wir sind in intensiven, ernsthaften Gesprächen mit möglichen Betreibern.“ In ein bis zwei Wochen seien sie so weit, Konkreteres bekannt zu geben. Mit Vertretern des Kreises Viersen hätten sie gesprochen, sagt Janissen. Aus der Verwaltung gebe es positive Signale.

Der Kreis ist dafür zuständig, für die einzelnen Kommunen den Bedarf an Heimplätzen zu ermitteln. Bis zum 28. November war festgelegt, dass Süchteln 80 Heimplätze zustehen. Derzeit gibt es dort 40, im Irmgardisstift der Caritas. Weil der Caritasverband nicht wie vorgesehen innerhalb der Frist weitere Plätze geschaffen hat, kann der Kreis nun die Bedarfsplätze einer anderen Kommune zuschlagen. „Der Caritasverband hat uns selbstverständlich informiert“, sagt Kreis-Sozialdezernentin Katarina Esser. „Daraufhin sind wir umgehend tätig geworden, haben bereits erste Gespräche geführt und arbeiten an einer Lösung. Ziel ist es, die pflegerische Versorgung der Süchtelner so wie bisher geplant sicherzustellen.“

Am Mittwoch hatte der Caritasverband bekanntgegeben, dass er seine Baupläne verwirft – genau am 28. November. „Das ist Zufall“, sagt Babinetz. Die Sitzung des Caritasrates, der sich wie zuvor schon der Vorstand für den Rücktritt als Bauherr entschied, sei eben am Dienstagabend gewesen.

Die CDU erklärte in einer Pressemitteilung am Donnerstag: „Die Entscheidung des Caritasverbandes ist ein schwerer Schlag.“ Lange, wie sich jetzt herausstellt zu lange, habe die CDU auf die Caritas gesetzt „in der Hoffnung, dass dieser Träger mit seiner Erfahrung und Werteinstellung zu Menschen auch weiterhin verlässlicher Partner unserer Senioren auch im letzten Lebensabschnitt sein wird.“ Diese Hoffnung sei bitter enttäuscht worden. 

„Es gilt nun, den Blick nach vorne zu richten“, sagt Wolfgang Genenger, Vorsitzender der CDU Süchteln. In enger Abstimmung mit dem Kreis müsse eine Lösung gefunden werden, die Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit zusammenbringe. „Wir dürfen uns allerdings nichts vormachen, die jetzt getroffene Entscheidung wirft uns weit zurück.“

Babinetz betont: „Wir haben als Verband immer darauf hingewiesen, dass wir das Projekt nur dann realisieren können, wenn sich die Kosten innerhalb des vom Land Nordrhein-Westfalen vorgegebenen refinanzierbaren Rahmen bewegen.“ Aktuell sehe das Land Investitionsausgaben von rund 105.000 Euro pro Pflegeplatz vor. „Daraus ergibt sich für die betriebsfertige Erstellung des vom Caritasverband konzipierten Altenheims mit 72 Plätzen ein Budget von rund 7,6 Millionen Euro.“

Früh sei deutlich geworden, „dass es eine große Herausforderung bedeutet, im Rahmen dieses Budgets das geplante Altenheim zu errichten“. Niemand könne derzeit sicher sagen, ob das Geld reichen würde. Der Verband gehe davon aus, dass dafür „erhebliche Abstriche an dem von ihm erarbeiteten Pflegestandard und der Betreuungskonzeption“ nötig wären. „Um diese Fragen verbindlich beantworten und Einsparpotenziale identifizieren zu können, müssten wir weitere rund 150.000 Euro an Planungskosten investieren.“

Auch Caritas-Vorstandsmitglied Christian Schrödter und der Vorsitzende des Caritasrates, Harald Jansen, betonen, dass die Entscheidung schwer gefallen sei. Beide Gremien seien zu dem Ergebnis gekommen, dass die wirtschaftlichen Risiken zu hoch wären, würde das Bauprojekt in Süchteln weiter verfolgt, sagt Babinetz. „Dies kann der Verband auch mit Blick auf seine bestehenden sozialen und pflegerischen Angebote in der Stadt und im Kreis Viersen nicht verantworten.“

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