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Nach Missbrauchsfällen in Tanzschule - CDU sorgt sich um die Sicherheit in Viersen

Kriminalität in Viersen : CDU sorgt sich um die Sicherheit in Viersen

Die Christdemokraten wollen nach Missbrauchsfällen an einer Tanzschule im Westkreis Betroffene selbst an Hilfseinrichtungen vermitteln.

Die Viersener CDU zeigt sich bestürzt über die jüngsten Missbrauchsfälle in einer Tanzschule im Westkreis und sorgt sich um die Sicherheit in der Stadt. Das erklärte der Parteivorsitzende Sebastian Achten. Die Christdemokraten wollen nun Eltern und betroffene Kinder, die Unterstützung benötigen, an Hilfseinrichtungen vermitteln.

Der Leiter einer Tanzschule aus dem Westkreis steht unter Verdacht, mindestens sechs Schülerinnen zwischen 13 und 18 Jahren sexuell missbraucht zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat konkrete Hinweise auf weitere Opfer. Ein Richter ordnete wegen akuter Wiederholungsgefahr Untersuchungshaft für den 36-Jährigen an.

„Aktuell erreichen uns immer mehr Anrufe von Betroffenen und grundsätzlich besorgten Bürgern, die uns betroffen machen“, erklärte Achten. „Dabei sind wir zutiefst bestürzt über die Stimmung, die sich in Bezug auf das Sicherheitsgefühl in unserer Stadt breit macht.“ Der Vorsitzende des Sozialausschusses, CDU-Ratsherr Thomas Gütgens, ergänzte: „Ich bin selber Familienvater, und die Themen beschäftigen einen nicht nur politisch.“ Zudem erreichten die CDU momentan Anrufe von Menschen, die sich irritiert zeigen, so Gütgens. „Die Frage stellt sich: Was haben wir als Stadt Viersen bisher getan, um diese Menschen emotional aufzufangen, wie weit werden aktuell unterstützende Maßnahmen angeboten? Uns fehlen dazu eindeutige Erkenntnisse und Informationen.“ Achten kündigte an: „Jeder, der sich bei uns meldet und Unterstützung sucht, bekommt unverzüglich Beratungshilfe vermittelt. Selber können wir das ja nicht abdecken.“

Vonseiten der Polizei hieß es am Freitag: „Bei den Ermittlungen sind unsere Opferschutzbeauftragten immer dabei.“ Sprecherin Antje Heymanns betonte: „Wir stellen sicher, dass den Betroffenen selbst und ihren Eltern alle Hilfsangebote zugänglich gemacht werden, die sie benötigen.“ Viersens Beigeordnete Çigdem Bern stellte klar: „Im Zusammenhang mit dem bekannten Verdachtsfall sind aktuell keine Anfragen von Eltern auf der Suche nach unterstützenden Maßnahmen bei der Stadt eingegangen.“ Sie betonte: „Die Betroffenen sind uns nicht bekannt. Die Ermittlungsbehörden geben diese Information nicht weiter.“ Daher könne die Stadt nicht aktiv auf die Eltern und Jugendlichen zugehen. Bern: „Die Aufbereitung von Straftatbeständen obliegt der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Unabhängig von möglichen Angeboten seitens der Ermittlungsbehörden stehen allen Betroffenen – wie überhaupt allen Eltern – selbstverständlich jederzeit die Beratungsleistungen der Stadt Viersen offen.“ Dies seien insbesondere die Angebote des Allgemeinen Sozialen Dienstes und der beiden Erziehungsberatungsstellen.

Der CDU-Vorsitzende Achten sagt: „Wir glauben immer, wir sind die Familienstadt überhaupt. Nach den jüngsten Vorfällen in einer Kindertagesstätte sowie den Ereignissen rund um eine Tanzschule bestätigen sich nun Zweifel, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind – und das bekommen wir auch deutlich so gesagt.“

In der städtischen Kita Am Steinkreis wurde ein zweijähriges Mädchen so schwer verletzt, dass es später an den Folgen im Krankenhaus verstarb. Unter Mordverdacht sitzt eine 25-jährige Erzieherin in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen laufen noch.

Jürgen Moers (CDU), Vorsitzender des Schulausschusses, sagt: „Die Menschen brauchen Sicherheit und das Gefühl, dass Politik und Verwaltung alles tun, um in solchen Fällen eine aufklärende und stützende Rolle zu spielen, das vermissen wir.“ Die Stadt Viersen hatte – anders als andere Kita-Träger, in denen die Erzieherin ebenfalls Kinder verletzt haben soll –, den Notarzteinsatz ans Landesjugendamt gemeldet. Neben Fachkräften des Jugendamtes standen auch Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) und die Beigeordnete den Eltern in der Kita für Gespräche zur Verfügung. Auch die Hilfe von Notfallseelsorgern wurde in Anspruch genommen. Das Kita-Personal wurde durch die Opferschutzprogramme der Polizei unterstützt.

Moers berichtet, die fragliche Tanzschule habe auch in städtischen Schulen und Kindergärten agiert. „Wir müssen nun wissen, wie das zustande kam und wo die Intention lag.“ Die zuständige Beigeordnete Bern erklärt: „Die Zusammenarbeit mit externen Anbietern ist in der Regel projektbezogen.“ Ein Beispiel für die Zusammenarbeit mit der von dem Verdachtsfall betroffenen Tanzschule seien Tanzprojekte im Bereich der Familienzentren. „Diese Projekte gibt es seit vielen Jahren“, so Bern. In der Beschreibung zur Intention heißt es: „Kindern soll durch Tanzen Freude an der Bewegung vermittelt und Musikgefühl sowie Kreativität und Gemeinschaftssinn gestärkt werden.“

Die CDU fordert, dass in Kitas und Schulen verstärkt Programme angeboten werden, Kinder stark zu machen. Die Beigeordnete dazu: „Kinder zu stärken, ist Teil der Alltagsarbeit aller Kitas. Darüber hinaus gibt es spezielle Projekte und Angebote.“ Einfluss auf die Art der Angebote habe die Stadt aber nur in den städtischen Einrichtungen. Die in den Kitas gelebte Teilhabe fördere die Entwicklung der Persönlichkeit der Kinder, so Bern. „Auch das stärkt das kindliche Selbstbewusstsein.“ Zusätzlich gebe es externe Angebote wie  „Kinder stärken schafft KinderStärke“ des SKF oder das Angebot „Kleine Maus, starker Bär“.