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Nach Kritik aus dem Kreis Viersen - TÜV Rheinland erhöht Kapazitäten für Führerscheinprüfungen

Führerscheinprüfungen im Kreis Viersen : TÜV erhöht Prüfungskapazitäten

Fahrschüler warten verzweifelt auf ihre Prüftermine. Fahrlehrer aus dem Kreis Viersen übten scharfe Kritik am TÜV Rheinland - es sei nahezu unmöglich, Prüftermine zu vereinbaren, die Wartezeiten seien sehr lang. Jetzt will der TÜV auch samstags testen. Doch es gibt noch mehr Ideen.

Der TÜV Rheinland hat auf die Kritik von Fahrlehrern aus dem Kreis Viersen reagiert und baut seine Prüf-Kapazitäten aus. Wie unsere Redaktion berichtete, klagten zahlreiche Fahrlehrer, dass die Terminierung für Prüfungen nahezu unmöglich sei. Zudem bemängelten sie lange Wartezeiten bis zur Durchführung der praktischen und theoretischen Prüfungen.

Corona-bedingt hatte der TÜV zwei Monate lang keine Prüfungen abnehmen dürfen. Das habe zum gegenwärtigen Stau geführt, sagt ein Sprecher des TÜV Rheinland. Insgesamt habe der TÜV rund 21.500 Prüfungen während des Lockdowns nicht abnehmen können.

Seit 4. Mai nimmt der TÜV wieder Führerscheinprüfungen ab. Aktuell arbeite der TÜV mit Hochdruck daran, für die bestehenden Proble­me gute und schnelle Lösungen zu finden, so der Sprecher. „Das heißt für die Terminierung: Die Tools zur Online-Terminierung für die Fahrschulen werden kurzfristig verbessert. Die Kapazitäten an der Telefon-Hotline zur Terminierung der Prüfungen haben wir in den vergangenen Wochen bereits nahezu verdoppelt.“ Dadurch könnten nun weit mehr als tausend Prüftermine täglich vereinbart werden. „Deshalb hoffen wir, dass die Terminierungen, die jetzt auch für die theoretische Prüfung erforderlich sind, in den kommenden Tagen reibungslos und ohne Verzögerungen funktionieren“, erklärte der Sprecher.

 Zudem will der TÜV Rheinland von dieser Woche an durch verschiedene Maßnahmen die Kapazitäten für die Abnahme von Prüfungen bis spätestens Anfang Juni um bis zu 20 Prozent Prüfkapazitäten erhöhen. „Um dies zu erreichen, verlängern wir in der jetzigen Situation kurzfristig die verfügbaren Prüfungszeiten und werden beispielsweise auch samstags Prüfungen abnehmen.“ Daneben soll die Zahl der Prüfer um mehr als zehn Prozent erhöht werden. „Dies wird möglich, indem wir qualifiziertes Personal aus anderen Bereichen, beispielsweise der Fahrzeugprüfung, abstellen.“

Und noch etwas hat der TÜV Rheinland vor: „Wir werden für die Durchführung der theoretischen Prüfungen größere Räume mit den erforderlichen Computern ausstatten, um mehr Prüfungen durchführen zu können“, kündigte der Sprecher an. „Mit diesen Maßnahmen streben wir an, die Vorlaufzeiten zwischen der Terminvereinbarung für eine Prüfung und der Prüfung selbst so kurz wie möglich zu gestalten.“ Vor der Pause durch die Corona-Pandemie betrug bei der praktischen Prüfung die Vorlaufzeit etwa zwei Wochen. Ob und wann dieser Zeitraum wieder erreicht werde, sei allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar.

Nach den Lockerungen wurden die Bedingungen für die Prüfungen an die Gesundheits- und Hygienevorschriften angepasst. Eine wichtige Änderung bei der Organisation der Prüfungen: Fahrschüler müssen sich jetzt verpflichtend zur Theorieprüfung anmelden. Das war vor der Corona-Pandemie im Rheinland nicht erforderlich. Zudem hat der TÜV Rheinland bei der Theorie wegen der erforderlichen Abstandsregelungen derzeit nur ein Drittel der Prüfplätze zur Verfügung. Die theoretischen Prüfungen werden am Computer abgelegt. Zwischen den einzelnen Prüfplätzen musste der Abstand auf mindestens 1,5 Meter erheblich erweitert werden.

„Wir haben mit einem erheblichen Ansturm von Prüfungen nach über sechs Wochen Corona-Pause gerechnet – zunächst vor allem mit den theoretischen Prüfungen“, erklärte der TÜV-Sprecher. Selbstkritisch sagt er: „Trotzdem konnten wir in den ersten Wochen nach Wiederaufnahme der Prüfungen die Probleme für Fahrschüler sowie für Fahrschulen nicht verhindern.“ Die konkreten Anforderungen an die Prüfungsdurchführung seien erst wenige Tage vor Wiederaufnahme der Prüftätigkeit bekannt geworden und das Terminierungssystem musste kurzfristig aufgebaut werden. Er betonte: „Wir nehmen die jetzige Kritik sehr ernst und können sie nachvollziehen. Auch für uns ist die Situation unbefriedigend.“ Um die Situation zu verbessern und schnelle Lösungen für alle Beteiligten zu finden, sei der TÜV im Austausch mit den Fahrlehrern.