Nach gewaltsamem Tod einer Jugendlichen im Casinogarten in Viersen

Prozess : Neue Anklage im Fall Iulia

Zwei Jugendliche sollen gewusst haben, dass der Ex-Freund der 15-jährigen Iulia sie töten wollte. Das wirft ihnen die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach vor und hat Anklage wegen Nichtanzeige einer geplanten Straftat erhoben.

Hätte der gewaltsame Tod der 15-jährigen Iulia verhindert werden können, die von ihrem Ex-Freund am 11. Juni im Casinogarten erstochen wurde? Davon geht die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach aus. Sie hat jetzt Anklage gegen zwei Jugendliche erhoben. Iulias Ex-Freund soll ihnen gegenüber kurz vor der Tat angekündigt haben, die 15-Jährige ermorden zu wollen – das hatten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben.

Die beiden mutmaßlichen Mitwisser müssen sich deshalb demnächst selbst vor Gericht verantworten: „Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach hat gegen zwei Jugendliche Anklage wegen Nichtanzeige einer geplanten Straftat erhoben“, bestätigt Gerichtssprecher Fabian Novara. Den beiden werde vorgeworfen, sie hätten vom Mordvorhaben des angeklagten 17-Jährigen gewusst und obwohl sie es für glaubhaft hielten, weder Behörden noch Iulia oder ihre Familie  informiert. Das Verfahren soll vor dem Jugendschöffengericht Mönchengladbach geführt werden. Ein Termin steht noch nicht fest.

Der Prozess gegen den Ex-Freund der Getöteten hat am 10. Dezember vor der Jugendkammer begonnen. Der 17-Jährige ist wegen Mordes angeklagt. Staatsanwalt Stefan Lingens wirft ihm vor, die 15-Jährige am 11. Juni im Casinogarten in Viersen mit Heimtücke und aus niedrigen Beweggründen durch mehrere Messerstiche in den Oberkörper getötet zu haben. Wenige Tage zuvor habe sich Iulia von ihm getrennt, das habe er nicht akzeptieren können. Unter einem Vorwand habe er sie in den Casinogarten gebracht und ihr Handy nach Hinweisen auf einen neuen Freund durchsucht. Als er glaubte, diese gefunden zu haben, habe er sie mit dem Messer angegriffen. Die Eltern der getöteten Jugendlichen treten als Nebenkläger auf.

Weil der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat minderjährig war, ist der Prozess nicht öffentlich. Unmittelbar vor Prozessauftakt hatte Lingens gegenüber Journalisten geäußert: „Er hat sie – man kann sagen – als seinen Besitz betrachtet und ihr gesagt, entweder du bist mit mir zusammen oder mit keinem. Das war letztlich die Motivation für die Ermordung.“

Die Verteidigerin des 17-Jährigen, Marie-Helen Lingnau, las am ersten Verhandlungstag eine fünfseitige Erklärung vor. Nach RP-Informationen äußert der Angeklagte darin, er habe sich im Casinogarten mit der Ex-Freundin aussprechen wollen, „ich habe Iulia wirklich geliebt“. Das Messer habe er am Morgen der Tat in der Küche eines Freundes eingesteckt: „Wegen ihr, damit sie ein wenig Angst kriegt. Ich wollte, dass sie mit mir spricht.“ Auf ihrem Handy habe er dann gesehen, dass sie Kontakt zu einem Anderen gehabt habe. Mit dem Messer habe er sie am Oberschenkel verletzen wollen, er habe wohl einmal zugestochen. An weitere Stiche erinnere er sich nicht. Der Angeklagte hatte seiner Erklärung zufolge am Tattag und den Tagen zuvor Kokain konsumiert. Der Anwalt der Nebenkläger, der Viersener Steffen Hahn, sagte nach der Verhandlung: „Die Einlassungen des Angeklagten haben die Eltern des Opfers sehr enttäuscht. Dieses Zerrbild können sie auf keinen Fall akzeptieren.“

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