1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Nach Astrazeneca-Impfstopp sagt Kreis Viersen 3000 Impftermine ab

Corona im Kreis Viersen : Nach Astrazeneca-Impfstopp sagt Kreis 3000 Impftermine ab

Als der Astrazeneca-Impfstopp am Montagnachmittag bekannt wurde, gab es Tränen vor dem Impfzentrum. Der Landrat bedauert die Auswirkungen auf die Impfkampagne im Kreis Viersen. Wie viele Einwohner sind eigentlich schon geimpft?

Der Kreis Viersen hat nach dem vorläufigen Impfstopp für den Impfstoff von Astrazeneca knapp 3000 bereits vereinbarte Impftermine abgesagt. Landrat Andreas Coenen (CDU) erklärte am Dienstag: „Wir bedauern die Auswirkungen des Impfstopps auf die Impfkampagne auch im Kreis Viersen.“ Geplant war, bis zu vier weitere Impfstraßen im Impfzentrum an der Heesstraße in Viersen-Dülken einzurichten, um die Zahl der täglichen Impfungen um 400 auf dann bis zu 1.200 zu erhöhen. Stattdessen waren am Dienstag lediglich vier Impfstraßen in Betrieb, wurden nur rund 650 Über-80-Jährige mit dem Impfstoff von Biontech geimpft.

Als am Montagnachmittag bekannt wurde, dass Impfungen mit Astrazeneca ausgesetzt werden müssen, hatte es vor dem Impfzentrum Tränen von Impfwilligen gegeben. Rund 80 Personen aus den priorisierten Berufsgruppen wie Erzieher oder Lehrer mussten ungeimpft nach Hause gehen. Im Impfzentrum der Landeshauptstadt Düsseldorf wurde nach dem Impfstopp für Astrazeneca niemand nach Hause geschickt; sie erhielten stattdessen den Impfstoff von Biontech. Das sei im Kreis Viersen nicht möglich gewesen, erklärte ein Kreis-Sprecher. „Die Kassenärztliche Vereinigung hat für alle dem Kreis Viersen zugewiesenen Impfdosen auch entsprechend Termine vereinbart. Einen ,Überschuss’ gibt es nicht.“

  • Der Stoff Astrazeneca wird derzeit nicht
    Reaktionen aus dem Rhein-Kreis Neuss : Unverständnis über Astrazeneca-Impfstopp
  • Ramona Ragel (l.) wurde am Montag
    Nach Astrazeneca-Stopp im Impfzentrum Erkelenz : Nur 370 statt 800 Impfungen pro Tag
  • Reaktionen aus Radevormwald : Impfstoff-Verlosung „ist eine Verzweiflungstat“

Der Kreis Viersen schaltete umgehend ein Bürgertelefon zum Impfstopp. Allein am Montagabend gingen mehr als 100 Anrufe dort ein. „Bei den Fragen ging es in erster Linie um Verunsicherung: ,Wann werde ich geimpft? Was ist mit der Zweitimpfung? Muss ich meinen Impftermin absagen?’“, berichtete der Kreis-Sprecher. „Die Antwort in allen Fällen: Ruhe bewahren und abwarten, was Europäische Arzneimittelbehörde, Bund und Land sagen.“

Einige Anrufer hätten den Impfstoff dennoch haben wollen, berichtete der Kreis-Sprecher. „Diese Anfragen mussten wir ablehnen, aktuell wird kein Arzt Astrazeneca verimpfen.“

970 Dosen des Präparats lagern derzeit im Impfzentrum des Kreises Viersen. Sie sind bis Ende Juni haltbar. Dieser Impfstoff war für geplante Impfungen am Montag, am Dienstag und in den kommenden Tagen vorgesehen. Weitere Bestellungen wären kurzfristig geliefert worden, erreichen das Impfzentrum jetzt aber vorerst nicht. „Bislang mussten wir lediglich fünf Dosen des Impfstoffs von Astrazeneca ungenutzt entsorgen“, berichtete der Kreis-Sprecher. Dabei handele es sich um die bereits aufbereiteten und aufgezogenen Spritzen, die für die Menschen vorgesehen waren, die unmittelbar vor ihrer Impfung standen.

Insbesondere Menschen, die die Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben, sind verunsichert. Das waren im Kreis Viersen bis 11. März knapp 2500 Personen – alle unter 65 Jahren. Sollte die Europäische Arzneimittelbehörde zum Ergebnis kommen, dass Astrazeneca weiter verimpft werden kann, dürfte sich für sie nichts ändern. „Die Zweitimpfungen waren erst ab der 17. Kalenderwoche terminiert“, so der Kreissprecher – also ab dem 12. April.

Insgesamt waren im Kreis Viersen bis 11. März knapp 23.000 Einwohner geimpft – das entspricht einem Anteil an der Bevölkerung von 7,7 Prozent. Landrat Coenen kündigte an, dass sich der Kreis Viersen auf eine Erhöhung der Impfstraßen im Impfzentrum vorbereite, um bis zu 1200 Personen pro Tag impfen zu können. Coenen wörtlich: „Wir wollen sofort startklar sein, wenn wieder mehr Impfstoff zur Verfügung steht“