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MVZ-Gründer Johann Arens blickt auf die Ärzte-Versorgung im Kreis

Ärzte-Versorgung im Grenzland : „Wir müssen neue Wege gehen“

MVZ-Gründer Johann Arens wirft einen Blick auf die künftige Hausärzte-Versorgung im Kreis Viersen.

Zwei Niederkrüchtener Ärzte haben vor dem Hauptausschuss in Niederkrüchten Bedenken gegen Medizinische Versorgungszentren (MVZ) im Gemeindegebiet geäußert. Allgemeinmediziner Johann Heinrich Arens, der mit seinen Arztkollegen Christoph Hagedorn und Zakaria Sharaf das Hausarztzentrum Brüggen betreibt und der das MVZ Schwalm-Nette gegründet hat, sieht das anders. Für ihn sind die Zentren eine Möglichkeit, die hausärztliche Versorgung insbesondere in Brüggen und Schwalmtal zu sichern.

Zwei Ihrer Niederkrüchtener Kollegen haben kürzlich die Nachhaltigkeit einer hausärztlichen Versorgung über MVZ in Frage gestellt. Was entgegnen Sie ihnen?

Arens Niederkrüchten mag in der glücklichen Lage sein, dass der Hausärztemangel dort noch nicht so akut ist. In Schwalmtal und Brüggen ist die Situation schwieriger, und sie wird sich – nicht nur in diesen beiden Gemeinden – mittelfristig weiter verschärfen.

Warum?

Arens Wir haben im Kreis Viersen schon jetzt 20 unbesetzte Hausarztsitze, weil die Kollegen keine Nachfolger finden. Das ist ein bundesweites Problem.

Warum ist die Praxis auf dem Land denn nicht mehr attraktiv für junge Mediziner?

Arens Viele scheuen den Schritt in die Selbstständigkeit, weil der Verwaltungs- und Organisationsaufwand in den vergangenen Jahren enorm gestiegen ist. Das frisst viel Zeit, die für die Patienten fehlt. Außerdem ist der medizinische Nachwuchs gerade in der Allgemeinmedizin zum großen Teil weiblich. Viele suchen daher, auch mit Blick auf die Familienplanung, eher Anstellungen, gerne in Teilzeit.

Können die Medizinischen Versorgungszentren dabei helfen?

Arens Ärzte können sich entweder selbstständig machen oder sich anstellen lassen. Ärzte anstellen können aber nur Krankenhäuser, Kommunen – oder Medizinische Versorgungszentren. Die Kommunen sind gesetzlich in der Pflicht, das Grundrecht auf eine medizinische Versorgung sicherzustellen. Darüber müssen sich auch die Gemeinden im Westkreis klar werden. Wir bieten mit dem MVZ eine Lösung an. Übrigens kann auch eine Kommune Trägerin eines solchen Zentrums sein.

Kritiker befürchten, dass das MVZ-Modell zu zentralistisch ist.

Arens Fakt ist: Wir müssen neue Wege gehen. Das Ding muss neu gedacht werden, und zwar lokal. Dem steht das MVZ Schwalm-Nette überhaupt nicht entgegen, im Gegenteil: Die hausärztliche Versorgung muss und wird immer dezentral sein. Der Patient braucht einen Hausarzt vor Ort – ob nun in Bracht, Amern, Waldniel, Brüggen oder auch in Boisheim.