Kreis Viersen: Muss ein Handwerker twittern?

Kreis Viersen: Muss ein Handwerker twittern?

Wie Unternehmen soziale Netzwerke nutzen, das will die IHK Mittlerer Niederrhein in einer Umfrage herausfinden. Facebook, Twitter und Xing boomen in der Gesellschaft, der Mittelstand erkennt seine Chancen im Netz aber erst langsam. Denn der Schuss kann auch nach hinten losgehen.

Der Fragebogen ist fünf Seiten lang. Er ist im moment eines der zentralen Projekte der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein: Die Kammer will wissen, wie Unternehmen im Kreis und Umgebung so genannte Social Media nutzen. Verlässliche Zahlen liegen schlicht noch nicht vor.

"Wir glauben, dass soziale Netzwerke immer wichtiger werden. Private und dienstliche Kommunikation fließt dort immer mehr zusammen. Und damit wird diese Kommunikation immer relevanter für Unternehmen", sagt Tanja Neumann, IT-Experten der IHK. "Ob man mitmacht oder nicht — es wird über einen geredet und gevotet." Besser, man redet dann immerhin mit.

Wie das geht, weiß Sabine Haas. Sie ist Medienforscherin im Kölner Beratungsunternehmen Neolog Consulting und als Referentin bei zwei Informationsveranstaltungen zum Thema bei der IHK Ende des Monats zu Gast. Sie weiß: "Es gibt das Credo: Das Unternehmen, das nicht auf Facebook vertreten ist, lebt hinterm Mond." Große Marken haben längst eigene Abteilungen oder professionelle Agenturen beauftragt, die für sie im Netz bloggen, twittern und auf Facebook das Profil pflegen, sogar Diskussionen über die Produkte der Marke überwachen.

Mars ist als größter Viersener Arbeitgeber in allen relevanten Netzwerken unterwegs. "Das ist für unsere Marketing-Kommunikation ein weiterer Kanal wie Fernsehen oder Print", sagt unternehmenssprecher Nico Schiller. Mittlerweile pflegt Mars so auch seinen Auftritt für neue Fachkräfte von der Uni. "Employer Branding" heißt das neudeutsch.

"Unternehmen, die in sozialen Netzwerken aktiv werden wollen, müssen sich jedoch immer zuerst die Frage nach dem Aufwand und dem erwarteten Ertrag stellen. Deshalb haben die sozialen Netzwerke für den Handwerker von nebenan sicherlich nicht die oberste Priorität. Mittelständler können aber ihren Kunden- und Lieferantenkreis gehörig ausbauen", glaubt Astrid Holzhausen von der Unternehmerschaft Niederrhein. Doch die neuen Kommunikationsformen erreichen erst langsam auch den Mittelstand. "Dass soziale Netzwerke auch für mittelständische und kleine Unternehmen tolle Chancen bieten, hat man noch nicht richtig verstanden", sagt Sabine Haas. Über solche Seiten lassen sich Bekanntheit und Reputation stärken, ein Experte für Schaltungskreise findet seine Zielgruppe und kann sie vom Know-How seines Unternehmens überzeugen.

Auch für kleine Handwerks-Betriebe kann sich ein Auftritt bei Facebook oder Twitter lohnen. "Man kann Kunden betreuen, Tipps für Farben oder Fehler beim Anstreichen geben, einfach Service bieten und interessante Inhalte generieren, um im Gedächtnis zu bleiben", sagt Sabine Haas. Bloße Werbung für das eigene Unternehmen ist da schon ein wenig zu plump. "Nur sollte man das dann auch selbst betreuen können, sonst wird es zu teuer." Bleibt eine Seite permanent auf dem Stand von 2007, kann der Schuss nach hinten los gehen. Das Image leidet, statt aufpoliert zu werden.

Ein ganz anderer Baustein lässt sich via Facebook noch viel einfacher erledigen: die Kundenbetreuung. Anfragen auf diese Weise laufen schnell und unkompliziert, das Image im potenziellen Kundenkreis wächst. Das ist immer noch besser als eine Warteschleife am Telefon.

(RP/rl)
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