Schwalmtal: Musikalische Jagd nach dem Hotzenplotz

Schwalmtal: Musikalische Jagd nach dem Hotzenplotz

Im Kindertheater Tintenklecks haben sich Mütter zusammengefunden, die Stücke für Kinder spielen. Sie zeigen am Wochenende die Räuber-Geschichte von Otfried Preußler als Mitmachtheater mit Musik von Martin Lingnau

Die Frauen haben viel Erfahrung: Seit mittlerweile 24 Jahren spielen die zwölf Mütter in Schwalmtal Theater für Kinder - im Kindertheater Tintenklecks. Doch so kurz vor dem Auftritt macht sich auch bei ihnen langsam die Aufregung breit. Am Wochenende zeigen sie zweimal das Stück "Der Räuber Hotzenplotz" von Otfried Preußler mit Musik von Martin Lingnau. Derzeit laufen die letzten Proben in der Achim-Besgen-Halle in Waldniel. Immer wieder und wieder werden Szenen und Dialoge geübt. "Noch sind Textpatzer erlaubt, beim Auftritt muss dann alles sitzen", sagt Ully Schewior und lacht. Für die Frauen ist das Kindertheater eine Herzensangelegenheit, die sie alljährlich im Oktober umsetzen und in die sie viel Zeit und großen Aufwand investieren.

Ein Stück Holzzaun wird auf die Bühne gebracht. In wenigen Sekunden steht die Fassade von Großmutters Haus. Insbesondere an die Details bei den Requisiten haben die Theaterspielerinnen gedacht: Kleine Gardinen hängen im Fenster, vor dem Haus sind ein Blumenkasten und eine Holzbank mit bunten Sitzkissen zu sehen. "Mittlerweile haben wir einen riesigen Fundus an Requisiten", sagt Schewior.

Das Theaterstück "Der Räuber Hotzenplotz" hat die Gruppe vor rund zehn Jahren schon mal gespielt. "Doch dieses Jahr ist ganz viel Musik dabei", sagt Konni Rode, die die Hauptrolle spielt. Von Anfang an wird gesungen. Die Melodien sind eingängig - und die Liedtexte sind einfach konzipiert, sodass die Kinder nach kurzer Zeit mitsingen können. Anfang des Jahres starteten die ersten Sprechproben, mittlerweile zählt die Gruppe die Stunden bis zur ersten Vorführung. Am Bühnenrand steht "Nervennahrung" bereit. Stundenlanges Proben, die Ton- und Lichttechnik und auch der Gesang (Eva Lehmann) stehen auf dem Plan. Klebestreifen sind auf der Bühne in verschiedenen Farben angebracht. Sie zeigen, wo Zaun, Hecke, Haus und Bank stehen werden.

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Bei den Proben sind die Darstellerinnen immer wieder vor neue Probleme gestellt: "Wer geht denn jetzt wo hoch und wo raus?", fragt Nicole Kauth, die den Kasperl spielt, während sich Konni Rode mit Pistole und gestohlener Kaffeemühle unter dem warmen Scheinwerferlicht hinter der Hecke versteckt und Seppl (Heike Scherer) die "Kiste voller Gold" richtig positioniert. "Jedes Stück ist eine Herausforderung und unser eigener Anspruch ist es so gut wie möglich zu machen", sagt Schewior, die selbst die Rolle des Zauberers Petrosilius Zwackelmann spielt. Die kleinen Zuschauer werden mit in das Stück eingebunden: Kinder ab fünf Jahre sind eingeladen mitzumachen, zu singen und mit auf die lustige, musikalische Gaunerjagd nach dem Räuber Hotzenplotz zu gehen.

Die Theatergruppe hat eine große Fangemeinde. "Die Präsentation in den sozialen Netzwerken ist sehr wichtig", sagt Nicola Tzavikas, die sich um den Internetauftritt kümmert. Der Termin für die Aufführungen wird anderthalb Jahre vorher festgelegt. "Im nächsten Jahr spielen wir am 6. und 7. Oktober, das steht schon fest", sagt Schewior. Dann feiert die Gruppe das 25-jährige Bestehen. "Da müssen wir wohl noch einen draufsetzen", sagt Schewior und lächelt. Doch darüber möchten sich die Frauen erst nach den Vorführungen am Wochenende Gedanken machen.

(janj)