Viersen: Musikalische Feinarbeit in der Festhalle

Viersen: Musikalische Feinarbeit in der Festhalle

Mit einem Konzert der Dozenten hat am Sonntag der Viersener Musiksommer begonnen. Eine Woche lang arbeiten sie nun mit Musikstudenten an Stücken, die die jungen Leute in Konzerten präsentieren. Heute Abend ist das erste Konzert.

Zum siebten Mal findet der Viersener Musiksommer statt. Da hat sich einiges an Erfahrung angesammelt; die Organisation ist eingespielt. Jedenfalls, sofern man in Viersen dafür verantwortlich ist. Die Anreisen der 25 Teilnehmer können durchaus abenteuerlich verlaufen.

Davon weiß die 22-jährige Patricia Torres ein Lied zu singen. Drei Stunden saß die Katalanin wegen eines technischen Schadens in Barcelona im Flugzeug fest. Und beim Umsteigen am Duisburger Hauptbahnhof musste sie sich vor Fußballfans in Sicherheit bringen, die ausgelassen den Aufstieg ihres MSV Duisburg feierten. Beim Beginn der Meisterkurse wirkt die Bratscherin wieder entspannt. Ihr Lehrer an der "Escola Superior de Musica de Catalunya" in Barcelona hatte ihr empfohlen, ihre Prüfungsvorbereitungen in Viersen zu intensivieren.

Auf einen Wettbewerb in Italien bereitet sich Alican Süner aus der Türkei vor; er will der Wieniawski-Polonaise und dem Violinkonzert von Sibelius noch den letzten Schliff geben. Auch Mari Lee bereitet sich in Viersen auf einen Wettbewerb vor: Mit dem Brahms-Violinkonzert und der dritten Solosonate von Ysaÿe hat sich die in Berlin lebende Japanerin zu einem Wettbewerb in Neuseeland angemeldet.

Die 19-jährige Carolin Eychmüller hat als Jungstudentin an der Folkwang-Universität der Künste in Essen studiert. Mit Edward Elgars Cellokonzert hat sie sich schwere Kost ausgesucht. Und vom vielen Üben hat sie Probleme mit den Unterarm-Sehnen bekommen. Dozent Troels Svane hakt nach: "Als Musiker muss man die Gesundheit genau so ernst nehmen wie die Musik." Tipps für schonendes Üben hat er parat: "Auf den Wechsel von Anspannung und Entspannung achten, nicht pausenlos Vollgas geben." So gut die junge Cellistin auch spielt: Svane findet Ansätze, die Interpretation spannender zu gestalten. Der Klang lässt sich abwechslungsreicher gestalten, das Vibrato sollte stärker variiert werden.

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Am Vibrato wird auch in den Viola-Kursen bei Silvia Simionescu gearbeitet. Die aus Rumänien stammende Dozentin der Musik-Akademie der Stadt Basel sagt es plastisch: Mit einem Einheits-Vibrato vermatscht man den Klang der Bratsche wie mit langweiliger Soße den Geschmack von gutem Fleisch.

Die Chopin-Wiedergabe der heute in München studierenden Russin Anastasia Grishutina ist flüssig. Aber plötzlich sieht Homero Francesch, Leiter des Musiksommers und als Pianist seit vielen Jahren Stammgast in der Festhalle, Grund zum Eingreifen: Die Phrasierung überzeugt nicht. Die Akzente sind anders zu setzen, um der musikalischen Logik gerecht zu werden.

Beherzt und mit intensivem Ton spielt Judith Stapf aus Rheinbach Mozarts A-Dur-Violinkonzert. Nur Details hat Nora Chastain anzumerken. Einige kurze Töne dürfen noch kürzer sein, dann klingt es lockerer.

(-tr)
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