1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Mundschutz mit Sichtfenster für Kitas in Viersen

Corona-Krise in Viersen : Kitas bekommen Masken mit Durchblick

Näherinnen des Sanitätshauses Lettermann fertigen Mund-Nasen-Masken mit Sichtfenster an. Das Viersener Unternehmen möchte die Masken gratis an Gehörlose, in Kindergärten und im Kinderhaus verteilen. Der Sichtschutz soll ermöglichen, die Mimik des Gesprächspartners besser zu deuten. Das kann in manchen Fällen hilfreich sein.

Im Kinderhaus Viersen leben zurzeit 14 Kinder, die mehrfach behindert sind und dauerhaft beatmet werden müssen. „Manche von ihnen reagieren nur auf Sprache oder Hautkontakt“, sagt Ingrid Quasten, Leiterin des Pflegedienstes. Wegen der Corona-Pandemie müssen die Pflegekräfte jetzt Handschuhe und Mundschutz tragen – das erschwert die Kommunikation. „Unsere Stimmen klingen anders und die Kinder empfangen keine visuellen Reize mehr, weil sie unsere Mimik nicht erkennen“, erklärt Quasten. „Das ist sehr schlimm für sie.“ In der vergangenen Woche habe sie mit Vertretern des Sanitätshauses Lettermann über die Situation gesprochen. Die hatten die Idee, für das Kinderhaus Mundschutze mit Sichtfenster herzustellen. „Ich denke, das ist eine super Lösung“, sagt Quasten. Das Viersener Unternehmen möchte jetzt nicht nur das Kinderhaus mit Gratis-Masken beliefern: Auch Kitas und Gehörlose sollen profitieren.

Matthias Lettermann, Orthopädietechniker im Sanitätshaus Lettermann, erklärt: „Wer über Mund-Nasenschutz angeschaut wird, fühlt sich gerne mal angestarrt. Deshalb haben wir eine Schutzmaske mit Sichtfenster entwickelt. So wird die Mimik für das Gegenüber erkennbar und die Kommunikation deutlich erleichtert.“ Etwa 200 bis 300 Exemplare mit einer eingenähten Kunststofffolie seien bisher hergestellt. „Wir haben uns dazu entschlossen, den Betreuerinnen und Betreuern der 18 Kindergärten in Viersen, Süchten und Dülken jeweils fünf Masken zu spenden. Zusätzlich können sich gehörlose Menschen eine Maske in unserer Zentrale an der Helmholtzstraße gratis abholen.“

Ingo Spitczok von Brisinski, Fachbereichsarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie der LVR-Klinik Viersen, erläutert: „Mund-Nasen-Schutz mit Sichtfenster ist sehr sinnvoll, wenn das Gegenüber hörgeschädigt und auf Lippenablesen angewiesen ist.“ In Kitas und anderen erzieherischen Kontexten, bei denen Hörschädigung keine Rolle spiele, könne ein Sichtfenster im Einzelfall ebenfalls hilfreich sein. „Wenn das Kind zum Beispiel Angst hat vor Menschen mit Mund-Nasen-Schutz und das Sichtfenster die Angst vermindert oder ein autistisches Kind die Emotionen des Gegenübers besser erkennen kann, wenn es über das Sichtfenster auch den Mund sieht“, sagt er. „Allerdings kann das Sichtfenster durch die Atemluft beschlagen, sodass der Mund schlecht zu sehen ist.“ Ansonsten seien Kinder im Kita-Alltag durchaus in der Lage, auch ohne sichtbare Mimik zu erkennen, was die Erziehrinnen ihnen mitteilen möchten, etwa anhand des Tonfalls, der Lautstärke der Stimme oder der Wortwahl.

Auch der Deutsche Gehörlosen-Bund verweist darauf, dass das Sichtfenster solcher Masken durch Atemluft beschlagen kann: In der Gruppe der Menschen mit Hörbehinderung gebe es aber unterschiedliche und individuelle kommunikative Bedarfe, manch ein Gehörloser profitiere stark vom Mundbild und somit womöglich auch etwas von einer Maske mit Sichtschutz.

Der Stoff der braunen und sandfarbenen Masken, die Lettermann anbietet, besteht zu 100 Prozent aus Baumwolle. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass ausgebildete Näherinnen bei uns arbeiten. So konnten wir ein Schnittmuster entwickeln und die Masken in Handarbeit selber anfertigen“, sagt Matthias Lettermann. Etwa 20 Minuten dauere es, eine Maske fertigzustellen. Mitarbeiter des Unternehmens hätten sie getestet: „Sie kamen gut an.“ Die Masken seien bei 30 Grad Handwäsche waschbar, sie könnten mit Flächendesinfektionsmittel oder Desinfektionstüchern behandelt werden, „das macht der Folie gar nichts aus“. Lettermann betont, dass die Modelle keine zertifizierten Schutzmasken sind. Sie seien auch kein Ersatz für andere Schutzmaßnahmen, etwa gründliches Händewaschen.

Ingrid Quasten freut sich schon darauf, die neuen Masken bald im Kinderhaus testen zu können. Lettermann wird sie voraussichtlich noch in dieser Woche an die Einrichtung und die 18 Kitas in der Stadt verteilen. Aber vermutlich nicht nur da sei der Einsatz sinnvoll, sagt Quasten: „Auch in Pflegeheimen, zum Beispiel im Umgang mit dementen Bewohnern.“ Dort Gratis-Masken zu verteilen, hat Lettermann derzeit aber nicht geplant.