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Michael Aach: "Müssen die richtigen Schlüsse ziehen"

Michael Aach : "Müssen die richtigen Schlüsse ziehen"

Mehrheitlich hat der Viersener Stadtrat im Dezember dem Bebauungsplan für die Reuter-Erweiterungsfläche in Mackenstein zugestimmt. Dülkens Ortsbürgermeister Michael Aach (CDU) stimmte dagegen — jetzt erklärt er, warum

Viersen Während Viersens Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich dem Bebauungsplan für den Reuter-Erweiterungsbau in Mackenstein zustimmte, war der Kaufvertrag für eine Fläche in Bedburg schon unterzeichnet. Dort will der Fach- und Onlinehändler Reuter ein neues Logistikzentrum bauen. In der Ratssitzung votierte Dülkens Ortsbürgermeister Michael Aach (CDU) gegen das Vorhaben. Im Interview erklärt er, warum er so abstimmte.

Warum haben Sie mit Nein gestimmt?

Michael Aach Ich habe mit Nein gestimmt, weil ich das Grundstück in Mackenstein für nicht geeignet halte. Ich kenne mich in diesem Bereich aus. Ich habe Betriebswirtschaftslehre studiert, ein Schwerpunkt war dabei auch das Fach Produktion und Logistik. Unternehmerisch betrachtet ist Bernd Reuters Entscheidung für Bedburg nachvollziehbar und richtig, sie kam für mich keineswegs überraschend. Mir war schon im Sommer klar, dass Reuter einen Logistikbau in Mackenstein nur sehr schwer wird umsetzen können.

Warum?

Aach Das Grundstück in Mackenstein ist nur durch zwei Ortslagen anzufahren, es liegt kilometerweit entfernt von den Autobahnen A 61 und A 52. Die Fläche in Bedburg liegt direkt an der Autobahn, da fährt kein Lkw an Wohnhäusern vorbei.

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Das heißt, dass auch ein anderes Unternehmen dort nicht hinziehen sollte?

Aach Bereits heute liegt die Lärm- und Verkehrsbelastung in Hausen über den Grenzwerten. Wenn die Anwohner dafür sorgen, dass die Ortsdurchfahrt für Lkw in Hausen nachts verboten wird, dann ist das Thema gegessen. Die juristische Auseinandersetzung wird in diesem Jahr beginnen.

Für welche Betriebe könnte das Grundstück denn geeignet sein?

Aach Für Kleingewerbe oder Büroimmobilien. Aber nicht für Logistik in diesem Umfang.

Hausen liegt in Ihrem Wahlkreis. Haben Sie mit Nein gestimmt, um Ihren Wahlkreis nicht zu verlieren?

Aach Ich habe meine Stimme als Ratsvertreter für den Wahlkreis Dülken-Busch/Hausen/Mackenstein abgegeben. Ich sehe meine Aufgabe darin, den Bürgern dort eine Stimme zu geben. Als Ratsmitglied bin ich direkt gewählt, nicht über Parteilisten. Insofern habe ich mit Nein gestimmt, um noch in den Spiegel gucken zu können. Und das kann ich. Ich bin den Menschen in Hausen, Busch und Mackenstein eng verbunden, auch privat. Über meine Wahl entscheidet nicht Herr Reuter, sondern es entscheiden die Bürger dort.

Als Ratsmitglied müssen Sie das Wohl der gesamten Stadt im Blick haben.

Aach Ich musste abwägen zwischen den Interessen der Anwohner und den Interessen Reuters. Reuter kann an einem anderen Standort bauen, er hat Alternativen. Die Anwohner haben nicht so schnell eine Alternative. Und das Grundstück ist für ein solches Vorhaben schlicht nicht geeignet. Reuter ist leider ein Opfer der verfehlten Standortsuche der städtischen Wirtschaftsförderung geworden.

Die Entscheidung, mit Nein zu stimmen, dürfte Ihnen als Verwaltungsratsvorsitzendem der Sparkasse Krefeld nicht leicht gefallen sein. Schließlich gab es seitens Reuter Überlegungen, für die Erweiterung einen Kredit der Sparkasse in Anspruch zu nehmen ...

Aach Das hat für mich nichts miteinander zu tun. Ich weiß gar nicht, ob Reuter Finanzierungsgespräche mit der Sparkasse Krefeld führt.

Nun hat die große Mehrheit im Rat mit Ja gestimmt. Hätten Sie auf Ihr Nein verzichtet, wenn der Beschluss auf der Kippe gestanden hätte?

Aach Ganz klar: Nein. Ich habe mich bei der Bürgerversammlung festgelegt, insofern stand das für mich fest. Die CDU-Fraktion wusste darüber Bescheid, dass ich so abstimmen werde. Mir war wichtig, dass die Abstimmung öffentlich ist, denn ich wollte, dass mein Standpunkt dazu auch öffentlich wird.

Was meinen Sie, warum hat fast der gesamte Stadtrat mit Ja gestimmt?

Aach Dass die Mehrheit des Rates Ja zu Reuter gesagt hat, hat sicherlich damit zu tun, dass Reuter ein Familienunternehmen ist. Ob man diese Mehrheit auch für die Amazons und Zalandos dieser Welt bekommen hätte, bezweifele ich sehr.

Viele haben gehofft, dass Reuter in Viersen baut.

Aach Ich hatte immer das Ziel, Reuter in Viersen oder zumindest im Kreis Viersen zu halten. Leider waren wir als Stadt nicht in der Lage, ihm ein Grundstück zu präsentieren, das für Logistik geeignet und von der Bevölkerung akzeptiert ist. Ich habe im Spätsommer eine Initiative gestartet, um für Reuter ein geeignetes Grundstück im Kreis zu finden. Ich habe mit Nettetals Bürgermeister Christian Wagner gesprochen und mit Peter Hauptmann als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis, ob nicht das Gewerbegebiet Venete in Kaldenkirchen geeignet wäre. Doch möglicherweise wäre selbst die größte Fläche in Venete noch zu klein gewesen für Reuter.

Sind Sie erleichtert, dass Reuter sich für Bedburg entschieden hat?

Aach Ich finde die Entwicklung nicht gut, dass Reuter die Stadt bezieungsweise den Kreis mit seiner Logistik verlässt. Wir müssen jetzt als Stadt Viersen die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Man müsste zum Beispiel eine direkte Verkehrsverbindung als Bypass nach Hardt ziehen, dann muss kein Lkw durch Hausen fahren. Das Thema werde ich jetzt noch mal angehen. Ich will einen Antrag in der CDU-Fraktion vorbereiten, um eine konfliktfreie Anbindung von Mackenstein zur Autobahn A 52 zu planen.

(RP)