Mord in Viersen: Landgericht lässt Anklage gegen Ex-Freund von erstochener Iuliana zu

Erstochene Iuliana aus Viersen : Landgericht lässt Mordanklage gegen Ex-Freund zu

Am 11. Juni 2018 wurde die damals 15-jährige Iuliana in Viersen durch mehrere Messerstiche schwer verletzt und starb noch am Tatort. Nun kommt der Fall vor Gericht: Am 10. Dezember ist der erste Verhandlungstag vor der Jugendkammer des Landgerichts.

Nach dem Tod der 15-jährigen Iuliana im Casinogarten Viersen hat das Landgericht Mönchengladbach jetzt die Anklage wegen Mordes gegen ihren 17-jährigen Ex-Freund zugelassen. Am 10. Dezember soll der Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts beginnen. Insgesamt setzte das Gericht acht Verhandlungstage an; ein Urteil könnte im Februar fallen. Die Verhandlung ist an allen Tagen nicht öffentlich, da der Angeklagte die Tat als Jugendlicher begangen haben soll. Auch bei der Urteilsverkündigung selbst wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Am 11. Juni war die damals 15-jährige Iuliana im Casinogarten durch mehrere Messerstiche in den Oberkörper schwer verletzt worden. Sie erlag noch am Tatort ihren Verletzungen. Der Tod des Mädchens hatte viele Viersener stark bewegt. Sie stellten Kerzen am Tatort im Casinogarten auf, legten Blumen nieder. Rund 350 Menschen nahmen an einem Trauerzug für Iuliana teil, viele spendeten, damit die Familie das Mädchen in der rumänischen Heimat beisetzen konnte. Am Tatort stellten viele der meist jungen Teilnehmer des Trauermarsches Kerzen nieder. Etliche Menschen lagen sich weinend in den Armen, als der Straßenmusiker Leyliam „Tears in Heaven“ auf seiner Gitarre spielte. Ein AfD-Mitglied nutzte den Mord an der 15-Jährigen für eine Kundgebung mit rund 40 Anhängern. Etwa 200 Menschen folgten der Gegendemonstration in der Innenstadt, um gegen Gewalt zu protestieren.

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Zugleich hatte der Fall auch deutschlandweit zu Ermittlungen geführt: In sozialen Netzwerken hatten zahlreiche Internetnutzer strafrechtlich relevante Kommentare hinterlassen, nachdem die Polizei zunächst mitgeteilt hatte, bei dem Tatverdächtigen handele es sich um einen afrikanisch aussehenden Mann. Eine Zeugenaussage hatte die Ermittler zunächst auf eine falsche Spur geführt. Mönchengladbachs Polizeipräsident Mathis Wisselmann kritisierte damals, dass Migranten im Netz Opfer von Vorverurteilungen und Hetze geworden seien, es Aufrufe zur Selbstjustiz und Selbstbewaffnung gegeben habe. Er sagte: „Fake News braucht kein Mensch, und Hasskommentare untergraben das soziale Miteinander.“

Der nun angeklagte 17-jährige Viersener hatte sich einen Tag nach der Tat im Beisein seiner Verteidigerin der Polizei gestellt und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Ermittler konnten nachweisen, dass sich Blutspuren des Opfers an seiner Kleidung befanden, das führte zum Haftbefehl. „Es war eine klassische Beziehungstat“, erklärte Ermittlungsleiter Ingo Thiel damals. Nach den Ergebnissen der Ermittlungen soll der 17-Jährige seine Tat gegenüber mehreren Bekannten am 10. und am 11. Juni per Kurznachricht angekündigt haben. „Der Tatverdächtige war der Polizei durch Körperverletzungs- und Drogendelikte bekannt“, sagte Thiel. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Jugendstrafe.