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Mönchengladbach will Vereinbarung zur S28-Verlängerung nachverhandeln

ÖPNV in Viersen und Willich : Gladbach will Erklärung zur S 28 nachverhandeln

Am Dienstagabend legte die Ratsmehrheit der Nachbarstadt der Regiobahn-Verlängerung neue Steine in den Weg. Die getroffene Vereinbarung mit dem Kreis Viersen und den Städten Viersen und Willich soll neu verhandelt werden.

Die Kritik von Mönchengladbacher Anliegern an der geplanten Trasse für eine verlängerte S-Bahnline 28 hat die Kooperationspartner im Rat der Nachbarstadt – SPD, Grüne und FDP – offenbar noch einmal nachdenken lassen. Im Planungsausschuss des Rates präsentierten sie am Dienstagabend einen Antrag, der die Stadtverwaltung auffordert, in weiteren Gesprächen mit dem Kreis Viersen und den Städten Viersen und Willich auf eine „Anpassung“ des Entwurfs einer gemeinsamen Erklärung zu diesem umstrittenen Projekt hinzuarbeiten. Das soll geschehen, bevor der Mönchengladbacher Stadtrat über die gemeinsame Erklärung entscheidet. Ursprünglich war geplant, dass der Kreistag in Viersen am kommenden Donnerstag den „Letter of Intent“ beschließt – dieses Datum dürfte nun nicht mehr zu halten sein.

Gegner der geplanten S-Bahn-Verlängerung von Kaarst über Willich-Neersen nach Viersen durch die Neuwerker Donk kritisieren unter anderem, dass für das Projekt Tausende Bäume gefällt werden müssten, dass es Lärmbelästigung für Anwohner mit sich bringe. Eine Bürgerinitiative „S 28 Nein Donk(e)!“ schlägt eine alternative Streckenführung näher an Willich und Neersen vorbei vor. Haltepunkte dort seien besser für mehr Menschen erreichbar. Die Stadt Mönchengladbach hält eine gute Anbindung eines womöglich wachsendes Gewerbegebiets am Mönchengladbacher Flughafen für wichtig.

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Für den Flughafen sei eine „optimale Anbindung“ anzustreben, heißt es denn auch in dem Ampel-Auftrag an die Stadtverwaltung. Im Entwurf der gemeinsamen Erklärung ist bislang von einer bestmöglichen Anbindung, konkret von einem Bahnhof in Willich-Neersen, die Rede. Zudem soll die Erklärung nach dem Wunsch der Mönchengladbacher Politik unter anderem berücksichtigen: Erhalt und Schutz der Donk soll  „planerische Leitlinie“ sein; „größtmöglicher Lärmschutz“ für die Anwohner ist zu gewährleisten; Güterverkehr auf der Strecke wird ausgeschlossen, die Betriebskosten bei einer Verlängerung müssen „genau aufgeschlüsselt“ werden und die Finanzierung muss geklärt sein. Die Ampel verweist in dem Antrag darauf, dass eine Verlängerung der Linie S8 mit einem Haltepunkt an der Hochschule Niederrhein ein für Mönchengladbach wichtiges Projekt sei. Und das müsse „regional solidarisch“ finanziert werden.

Unterstützung für die Verlängerung der S 28 kommt indes auch von der Fahrgastinitiative „Pro Bahn“. Deren Bundesvorsitzender, der Mönchengladbacher Detlef Neuß, pocht zwar auf ausreichenden Lärmschutz für die Anwohner in der Donk. Er bezweifelt aber, dass für die S-Bahn 10.000 Bäume gefällt werden müssen, wie die Bürgerinitiative sagt. Etliche der von ihr mit Kreuzen versehenen Bäume stünden gar nicht auf der Trasse. Auf dem Schottergrund der alten Strecke wüchsen vor allem Sträucher und Gestrüpp. „Auch die Bäume neben der Strecke müssen nicht alle gefällt werden“, sagt Neuß.

Die von der Bürgerinitiative vorgeschlagene Alternativtrasse hält Neuß nicht für sinnvoll. Sie würde voraussichtlich das Zehnfache kosten, würde Ackerflächen zerschneiden, viel mehr Anwohner in anderen Orten belasten und erfordere den aufwändigen Erwerb von Grundstücken, sagt Neuß. Außerdem sei eine Führung über einen hohen Bahndamm nötig, andernfalls müssten querenden Straße  untertunnelt oder mit Brücken für die Bahn versehen werden.

Auch die Grünen im Kreis Viersen lehnen eine alternative Trassenführung ab – und halten die Argumente der Kritiker für vorgeschoben. „Die Neuwerker CDU und die Bürgerinitiative ,Nein Donke’ versuchten, Naturschutz und Verkehrswende gegeneinander auszuspielen“, kritisiert der Kreisverband in einer Pressemitteilung. „Mit ihrem neu entdeckten Herz für die Natur wollen sie den dringend benötigten Weiterbau der S28 blockieren, während sie zum Ausbau der A52 mit wesentlich mehr Flächenverbrauch und Baumfällungen schweigen.“

Ludwig Mertens, Verkehrsexperte des grünen Kreisverbandes, sagt: „Mönchengladbach hat endlich den Klimanotstand ausgerufen und will nun zur Verkehrswende beitragen. Wie soll das aber gehen, wenn ein von allen Seiten herbeigesehntes Projekt des ÖPNV verhindert wird?“