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Mönchengladbach: NEW blickt auf Rekordjahr mit Schönheitsfehlern

Mönchengladbacher Versorger : NEW: Rekordjahr mit Schönheitsfehlern

Die NEW hat ihren Gewinn 2019 auf mehr als 70 Millionen Euro gesteigert – trotz Problemen wie sinkender Kundenzahlen. Von dem Geld profitiert auch die Stadt Viersen.

Der Viersener Versorger NEW AG hat 2019 ein Rekordjahr hingelegt – zumindest was die wirtschaftlichen Kennzahlen angeht. Demnach hat der Konzern, der zu einem großen Teil der Stadt Viersen gehört, im abgelaufenen Jahr einen Gewinn von fast 71 Millionen Euro erwirtschaftet. Das geht aus der Unternehmensbilanz hervor, die der Konzern im Bundesanzeiger veröffentlicht hat.

Vor Steuern lag der Gewinn bei rund 74,2 Millionen Euro und damit rund neun Millionen über den ursprünglichen Erwartungen für das Jahr. Die Umsatzerlöse, also die Summe aller Einnahmen, stiegen um 10,1 Prozent auf 159,5 Millionen Euro. Wie die Bilanz zeigt, ist vor allem das Kerngeschäft Wachstumstreiber der NEW AG: Netzbetrieb, Verkauf von Energie, die Versorgung mit Trinkwasser, Abwasser. Denn es waren den Unternehmensangaben zufolge vor allem die dafür zuständigen Tochtergesellschaften, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben.

Was passiert mit dem Gewinn? Den behält die NEW nicht etwa, sondern sie muss das Geld nach einem festgelegten Verteilungsschlüssel abgeben an ihre Eigentümer. Das sind zwei: Der Konzern Innogy und die NEW-Kommunalholding, die wiederum der Stadt Mönchengladbach, der Stadt Viersen – sie hält 20,04 Prozent der Anteile – und den Kreiswerken Heinsberg gehört. Das bedeutet: Die Innogy SE (vormals RWE, künftig Eon) bekommt knapp 16,4 Millionen Euro, dem Konzern gehören noch rund 40 Prozent der NEW AG, wobei dieser Anteil aufgestockt werden soll.

Mit dem restlichen Plus werden über den steuerlichen Querverbund Defizite etwa aus dem Betrieb der Bäder und des Nahverkehrs abgedeckt. Sonst wäre beides nicht zu finanzieren. Was dann noch übrig bleibt, geht an die Stadt Viersen, die Stadt Mönchengladbach und an die Kreiswerke Heinsberg.

Müssen bei einem solchen Gewinn nicht die Preise für Strom und Gas sinken? Das hängt nicht unbedingt von den erzielten Gewinnen, sondern von den Preisen und Abgaben ab, die für Strom und Gas fällig werden. Ob sich für die NEW-Kunden daran etwas zum kommenden Jahr ändern wird, diese Frage ließ die NEW unbeantwortet. Klar ist, dass CO2-Ausstoß künftig höher besteuert wird. Darauf haben sich Bund und Länder im Klimapaket verständigt.

  Der E-Scooter „Floater“ erwies sich bisher als Flop.
Der E-Scooter „Floater“ erwies sich bisher als Flop. Foto: NEW AG/Martin Leclaire

Für 2021 ist der Preis pro Tonne auf 25 Euro festgelegt; danach steigt er schrittweise auf 55 Euro im Jahr 2025.  Wenn das auf die Preise für die NEW-Kunden durchschlägt, dann müsste die NEW das sechs Wochen vorher ihren Kunden mitteilen. Das wäre nun Mitte November.

Das Unternehmen teilt allerdings nur mit: „Auch ein Teil unserer Produkte ist von der CO2-Bepreisung betroffen. Unser Team arbeitet bereits an der Umsetzung. Wir werden rechtzeitig darüber informieren, was das für unsere Kunden bedeutet.“

Wie entwickeln sich Strom und Gas bei der NEW?  Die Märkte sind hart umkämpft, vor allem online locken Anbieter mit hohen Rabatten etwa auf Vergleichsportalen. Das sorgt dafür, dass die Kundenzahlen bei der NEW sinken. Sowohl bei Energie als auch bei Erdgas kam es zu „Verlusten im Bestandskundengeschäft“, der allerdings zum Teil kompensiert wurde durch Pleiten anderer Energielieferanten. In solchen Fällen springt die NEW als Grundversorger ein. 2019 war das etwa im Februar der Fall, als der Energie-Discounter BEV Insolvenz anmeldete und tausende Viersener Haushalte betroffen waren. Im April waren weitere  Viersener Haushalte von der Insolvenz des Unternehmens Energycoop betroffen.

Die NEW AG beliefert bundesweit rund 400.000 Kunden mit Strom, 150.000 mit Gas und in der Region 100.000 Kunden mit Wasser.

Was vermiest die Bilanz? Fehlschläge bei der neuen Mobilität haben sich in einem Verlust von rund sechs Millionen Euro bei der NEW Smart City GmbH niedergeschlagen. In der Bilanz schlagen sich das „Sven“-Desaster mit der Rückabwicklung der umstrittenen Beteiligung und einem Verlust von rund 1,7 Millionen Euro sowie die Insolvenz der Tochter eShareone GmbH als Abschreibungen auf Beteiligungen nieder.

Beides trat zwar erst in diesem Jahr ein, dennoch wurden die Werte in den Büchern bereits korrigiert und die entsprechenden Verluste eingepreist.

Offen ist, wie sich die fehlerhaften „Wheesy-Floater“ finanziell für die NEW auswirken. Die E-Scooter sollten seit über einem Jahr fahren, wegen fehlerhafter Bauteile wurde der Start immer wieder verschoben. Ob sie jemals eingesetzt werden, ist weiter fraglich.