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Viersen: Möbel aus Boisheim

Viersen : Möbel aus Boisheim

Die ehemalige Stuhlfabrik an der Raiffeisenstraße ist im Programm des Denkmaltages am Sonntag, 9. September. Wieder werden hier Stühle und andere Möbel aus Holz entwickelt.

Dass diesmal Boisheim wieder am "Tag des offenen Denkmals" teilnimmt, ist für Viersens Denkmalpflegerin Ellen Westerhoff eine besondere Freude. Und da das diesjährige Thema "Holz" heißt, geht kein Weg an der ehemaligen "Boisheimer Stuhlfabrik P.M. Buscher & Co." vorbei, die an der Raiffeisenstraße 10a/12 Stühle aller Art produzierte.

Sieht heute noch fast so aus wie vor 100 Jahren: Die "Boisheimer Stuhlfabrik P.M. Buscher & Co." an der Raiffeisenstraße. Foto: Busch, Franz-Heinrich sen.

Da aus Boisheim keinerlei Bauakten vorliegen, war ein Schreiben im Stadtarchiv besonders wichtig, mit dem die Stuhlfabrik am 25. April 1913 einen "Verdingungsvorschlag betreffend Stühle und Klappsitze" für den Neubau der Viersener Festhalle einreichte. Seit 13 Jahren bewohnt Manfred Riedel einen Teil des alten Fabrikationsgebäudes, das er im Erdgeschoss zum Atelier – Riedel ist Designer und beschäftigt sich unter anderem auch mit Stühlen – eingerichtet und im Obergeschoss als Loft-Wohnung ausgebaut hat. Alle Möbel – ob als Kleiderschrank, als Lager für seine Materialien oder als Arbeitstische und Stühle – hat Riedel selbst hergestellt.

Stühle braucht er viele, denn als Kunsttherapeut hält er Seminare. Der 59-Jährige hat eine Lehre als "Schmücker" absolviert. Heute würde man "Dekorateur" sagen. Später besuchte er die Fachhochschule für Design in Krefeld und machte sich dann selbstständig. Als Designer ist Manfred Riedel von Natur aus Erfinder. Doch seine Erfindungen meldet er nur als Gebrauchsschutz an, "ein Patent ist zu teuer." Nicht nur Holz ist "sein" Material. Besonders stolz ist er auf eine "LED Projektor-Lampe" aus Edelstahl, die er entwickelt und in einer Kleinserie von 20 Stück hergestellt hat. Sie hat bereits auf einer Ausstellung großes Interesse erregt.

Gebäude fast im Originalzustand

Riedel ist ein "Glücksfall" für das Gebäude, das noch weitgehend im Originalzustand ist. Die frühere räumliche Nähe von Wohnen und Arbeiten hat er nahtlos übernommen, hat alle Wände weiß gestrichen, die alten Dachbalken in Natur erhalten. Besonders fallen die Fenster auf mit ihren originalen gusseisernen Sprossen. Riedel hat ihnen lediglich von innen einen großen Glasrahmen als Schutz vorgesetzt. Die gesamte Anlage, so die Denkmalpflege, "verdeutlicht, wie in einer dörflichen Umgebung des ausgehenden 19. Jahrhunderts die Gestaltung eines mittelständischen Fabrikationsbetriebes der eines Wohnhauses angeglichen wurde". So sei die Fabrikationsstätte der ehemaligen Boisheimer Stuhlfabrik Buscher bedeutend und erhaltenswert aus wissenschaftlichen, architektur-, orts-, industrie- sowie wirtschaftsgeschichtlichen Gründen.

Übrigens: Beim Besuch am Tag des offenen Denkmals im Jahr 1999 erinnerten sich viele Boisheimer, dass sie hier früher Kartoffeln gekauft hatten: Die Anlage diente der Firma Weuthen bis 1992 als Kartoffel-Lager.

(flo)