Viersen: Mitte August zieht die Waldorfkita ein

Viersen : Mitte August zieht die Waldorfkita ein

Am Samstag zum Tag der Architektur öffnet der Waldorfkindergarten für Besucher die Türen des umgebauten und erweiterten Hallenhauses im niederrheinischen Stil an der Greefsallee. Vorher stand dort nur eine Bauruine.

Wer an der Greefsallee 132 in Viersen vorbeifährt, der staunt. Wo Ende des vergangenen Jahres eine Bauruine zu sehen war, steht ein schmuckes niederrheinisches Hallenhaus. Und damit ist ein Stück Geschichte wieder lebendig geworden. Statt eines Abrisses hat man sich für eine Kernsanierung des Hallenhauses und für einen erweiterten Neubau entschieden. Die Bausubstanz stammt aus dem 16. Jahrhundert. Nun wird Mitte August in das Gebäude der Waldorfkindergarten "Kleiner Wassermann" einziehen.

Der Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik "Kleiner Wassermann" ist der Bauherr. Er hat sich entschieden, das alte Anwesen als neuen Standort für eine Kindertagesstätte mit zwei Gruppen zu nutzen. "Wir haben dem historischen Wohnwirtschaftshaus, das längs und quer geteilt war, wieder die ursprüngliche Gliederung als Wohn-Stall-Haus gegeben", erklärt Martin Breidenbach vom gleichnamigen Viersener Architekturbüro, das mit der Restaurierung und Erweiterung des Hauses beauftragt ist. Die Tenne trägt allerdings statt des Scheuentors große Fensterflügel, und der gewaltige, lehmverputzte doppelseitige Kamin in der Küche dient nur noch zur Zierde. Die verzierten Kopfbänder der alten Eichebalken sind immer noch zu sehen. Auch der Gewölbekeller und die Opkammer, in der früher geschlafen wurde, bleiben erhalten. "Die großen Räume mit ihren kleineren Nebenräumen bieten sich für die optimale Raumaufteilung einer Kita an", sagt Breidenbach. Ein weiterer Hingucker ist das alte Backsteinnebengebäude geworden. Das hat Breidenbach nämlich in den Neubaubereich eingegliedert. In dem eingebauten Nebengebäude befinden sich die Küche und die Kinderküche sowie ein Brotbackofen, der mit Holz befeuert wird. Der Neubau ist wie das niederrheinische Hallenhaus in Ständerbauweise errichtet worden. Er schmiegt sich durch eine lichtdurchflutete Galerie, die das Foyer bildet, an den restaurierten Altbau an. Ein geschwungener Steg schwebt unter dem Glasdach des Foyers, der zur Empore im Altbau führt. In der ersten Etage sind ein Sportraum und ein Mehrzweckraum mit Blick in die alten dunklen Sparren entstanden. Geheizt wird die Kita über ein Wandtemperierungssystem und einen Grundofen im Neubau, die durch Erdwärme gespeist werden.

Breidenbach hat viele liebevolle Details eingebaut: So gibt es eine eigene Kindertreppe, kindgerechte niedrige Fensterbrüstungen und die Kinder über drei Jahre können sich über eine begehbare Kamera Obscura freuen.

Wie das Haus spiegelt auch der Garten ein Stück Geschichte wieder. Der alte Baumbestand mit Obstbäumen wurde erhalten. Die Kinder sollen im Garten Natur erleben und kreativ spielen: Die Kinder können bei Regen beobachten, wie das Wasser vom Dach in die überirdischen Ziegelpflasterrinnen fließt. Sind die Rinnen mit Wasser gefüllt, können sie darin Schiffchen fahren lassen.

(tref)
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