Mit Imker Matthias Krahn aus Viersen durchs Bienenjahr

Imker in Viersen : Was der Imker im Winter macht

In Matthias Krahns Garten leben sechs Bienenvölker. Das ganze Jahr über arbeitet er daran, dass es ihnen gut geht.

Allzu viel sieht Matthias Krahn derzeit von seinen Honigbienen nicht. „Die machen Winterpause“, sagt er. Meistens wuseln die Insekten in ihren Kisten im Garten nahe des Viersener Bahnhofs herum, ab und zu fliegt mal eine durch das kleine Gitter am Boden nach draußen und irgendwann später wieder rein. Das heißt aber nicht, dass auch Krahn im Winter Pause hat: Im Herbst und Winter stehe die Wabenhygiene an, erklärt der Hobby-Imker. Seit 2015 kümmert er sich um seine eigenen Bienenvölker, „das ganze Thema ist sehr komplex und sehr interessant“, sagt der 48-Jährige. „Man kann sich nicht einfach so eine Kiste in den Garten stellen und abwarten, was passiert.“ Je sorgfältiger er jetzt arbeitet, desto besser sind seine Bienen im Frühjahr auf ihre nächste Freiluftsaison vorbereitet.

Angefangen hat Krahn mit zwei Bienenvölkern, mittlerweile hat er sechs. „Ich hatte nach einem Hobby gesucht, dem ich auch zu Hause nachgehen kann“, erzählt der Viersener. Außerdem sei Imkern naturnah, familienfreundlich – „und ich finde es auch schön, meine eigenen Sachen herzustellen“. Rund 300 Kilogramm Honig in Zwölfeinhalb-Kilo-Eimern hatte er im Sommer für den Verkauf angesammelt. Den Honig verkaufe er vor allem an der Haustür an Nachbarn, Freunde und Kollegen, erläutert er. Krahn arbeitet als Ingenieur im Maschinenbau. Manchmal muss er Geschäftsreisen unternehmen,  dann kümmert sich in der Zwischenzeit ein Mitglied des Imkervereins Viersen-Stadt um seine Bienen. Das Netzwerk funktioniere gut, lobt der Familienvater, der Kassierer im Vereinsvorstand ist. Seine Familie unterstützt ihn zwar – „ohne ihre Akzeptanz ginge das auch alles nicht“ –, doch weil die Imkerei so komplex ist, überlässt er die Geschäftsreisenvertretung lieber einem anderen Fachmann.

Seine beiden Töchter und der Sohn helfen ihm aber zum Beispiel jetzt am Esstisch im Wohnzimmer dabei, 80 dünne Wachs-Mittelwände für die Waben in Holzrahmen einzulöten, zwischen denen Draht gespannt ist. „Das ist eine Art Starthilfe für das Bienenvolk“, sagt Krahn. „Die Bienen müssen das Wachs dann nicht mehr selbst produzieren und haben mehr Zeit zum Honig sammeln.“ Sind die 80 Wachs-Mittelwände befestigt, „kann ich im Winter nicht mehr viel machen als aufs Frühjahr zu warten“, sagt Krahn. „Aber ich nutze die Zeit, um zu lesen und mich fortzubilden. Ich möchte im Frühjahr eine Ausbildung zum Honigsachverständigen machen“, ergänzt er.

Aus Sicht des Imkers sei das Frühjahr seine liebste Jahreszeit, erzählt Krahn. Bestenfalls sieht er dann: „Ich habe alles richtig gemacht, meine Völker sind gesund.“ Bis jetzt laufe alles gut, denkt er. Genau werde er das aber erst im Februar wissen, wenn er wieder in die Kisten schaue. „Jetzt guckt man da nicht rein, die Bienen bilden gerade ihren Wärmehaushalt“, erläutert er. Konnte Krahn gegen die Varroa-Milbe ankämpfen, die eigentlich immer da ist? Hat er den Bienen vor dem Winter ausreichend Futter in die Kisten gepackt? Oder womöglich zu viel, sodass sie später keinen Platz mehr für ihre Brut haben? Hat er so gewirtschaftet, dass alle Bienen-Berufsgruppen genug zu tun hatten und das Gleichgewicht bestehen bleibt? All das wird sich im Frühjahr zeigen.

Sechs solcher Kisten stehen bei Matthias Krahn im Garten. Das Gitter unten dient als Ein- und Ausgang. Foto: Nadine Fischer
Der Imker hält im Gartenhaus einige Waben als Futter für den Notfall bereit. Foto: Nadine Fischer

Im Winter bestehe jedes seiner Bienenvölker aus 5000 bis 10.000 Insekten, erklärt Krahn. „Im Sommer können das 50.000 bis 60.000 sein“, ergänzt er. „Die Arbeit mit den Tieren finde ich sehr interessant. Ich kümmere mich ja um ein ganzes Volk mit seinen Strukturen, das einzelne Individuum zählt da nicht viel.“ Zweimal im Jahr erntet er Honig: Einmal Ende Mai oder Anfang Juni, dann wieder Ende Juli. „Pro Volk pro Jahr komme ich auf ungefähr 50 Kilogramm Honig“, sagt der Imker. Bei Krahn wird Blütenhonig produziert, weil seine Bienen mitten in Viersen leben und ihr Futter vor allem in Parks und Gärten finden. Seine Familie streicht den hauseigenen Honig ganzjährig aufs Brot, im Winter werden damit auch mal Plätzchen gebacken – dazu gibt’s Tee, natürlich mit Honig.