Viersen: Mit der Animateurin auf Seniorenreise

Viersen: Mit der Animateurin auf Seniorenreise

Die Viersenerin Christa Siemes betreut seit 18 Jahren ehrenamtlich für das Rote Kreuz Gruppentouren ins Ausland. Vor Ort ist sie rund um die Uhr im Dienst, organisiert Ausflüge und Gymnastikstunden

Kroatien im Mai, Griechenland im Oktober: Christa Siemes freut sich schon auf ihre nächsten beiden Gruppenreisen im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Seit 18 Jahren begleitet sie regelmäßig ehrenamtlich zehn bis 15 Senioren ins Ausland, unter anderem nach Andalusien und Mallorca, Zypern und Ibiza. "Die Reisen richten sich an ältere Leute, die sonst nicht mehr in den Urlaub fahren könnten", sagt die 74-Jährige. "Die Teilnehmer sind in der Regel älter als 80 Jahre. Ich möchte ihnen 14 unvergessliche Tage bieten - dafür gebe ich alles." Dass Siemes sich noch so engagiert, ist ungewöhnlich: "Normalerweise wird man mit 70 Jahren als ehrenamtlicher Reiseleiter pensioniert", erzählt die Viersenerin. Doch bisher sei kein Nachfolger für sie gefunden, ergänzt sie. "Das ist schwierig", bestätigt Wilma Jansen, stellvertretende Vorsitzende des DRK-Verbands im Kreis Viersen: "Die Anforderungen sind hoch."

Christa Siemes animiert die Gruppen gerne zum Tanzen im Sitzen - wie hier 2007 auf Mallorca. Foto: Siemes

Eher zufällig sei sie Reisebegleiterin geworden, sagt Siemes. Als sie noch in Bonn Oecotrophologie und Geologie studierte, machte sie nebenbei beim DRK eine Ausbildung zur Schwesternhelferin. "Damit hatte mich das DRK in seine Listen aufgenommen." 1968 zog Siemes nach Viersen, arbeitete als Lehrerin an der Süchtelner Realschule, bildete Referendare aus - und bekam immer wieder mal per Post Anfragen vom Roten Kreuz dazu, ob sie noch Lehrgänge machen wolle. "Ich hatte drei kleine Kinder und war berufstätig, mir fehlte die Zeit", erzählt sie. Doch 1999, als die Kinder erwachsen waren und das DRK ihr anbot, Reiseleiterin zu werden, sagte sie zu: "Ich liebe das Reisen, das Organisieren und ich liebe es, mit Menschen umzugehen."

Von Anfang an war Siemes für die Auslandsreisen zuständig. Auch das sei Zufall gewesen, erzählt die 74-Jährige: Als bei ihrem ersten Treffen mit den anderen rund zehn Gruppenleitern im Jahr 2000 die Reisen vergeben wurden, interessierten sich die Kollegen vor allem für die Ziele in Deutschland - also übernahm sie die Tour nach Mallorca. Sie las sich ein paar Merkblätter für DRK-Reiseleiter durch, "und dann bin ich da hingetuckert". Mittlerweile ist sie routiniert, weiß, was bei den Gästen ankommt. Morgens bietet die Reiseleiterin zum Beispiel im Hotel Tanzen im Sitzen an, "das lieben sie". Siemes organisiert Ausflüge, Stadtbummel, Spielenachmittage und Touren zu Sehenswürdigkeiten. "Ich bin Animateurin und habe 24 Stunden Bereitschaft", sagt sie. Bei Bedarf helfe sie Gästen morgens in ihre Stützstrümpfe oder begleite sie am Buffet. Sie nimmt sie bei der Hand, wenn sie sich nicht alleine ins Meer trauen, ist zur Stelle, wenn sie krank werden. Darüber hinaus gehört es zu ihren Aufgaben, die An- und Abreise zu organisieren - wenn nötig mitsamt Rollatoren und Rollstühlen.

Vor allem Witwen seien es, die mit ihr verreisen, sagt Siemes. "Als ich anfing, waren die Teilnehmer eher Mitte 60 als Mitte 80." Heute würden die Jüngeren wohl lieber mit Freunden, ohne Reiseleitung, Urlaub machen, vermutet sie. Doch auch, wenn ihre Arbeit oft anstrengend ist und sie neben Zeit jedes Mal eigenes Geld investiert: "Ich liebe das, mir ist nichts lästig", betont Siemes. Wenn sie nach einer Reise wieder zu Hause ist, "schlafe ich erstmal zwei Tage", sagt sie. "Und dann gibt es für die Gruppe immer ein Nachtreffen bei mir - mit Kaffee, Kuchen und Schnäpschen."

(RP)