Kreis Viersen Mit dem Masterplan an die Fördertöpfe

Kreis Viersen · Landrat Peter Ottmann will dem Kreis mit Unterstützung durch die Prognos AG eine Zukunftsperspektive verleihen. Bis August kommenden Jahres muss das Papier fertig sein und dem Kreis Viersen klare operative Aufgaben stellen.

Woher komme ich? Wohin gehe ich? Die philosophischen Grundfragen haben auf den ersten Blick wenig mit dem Kreis Viersen zu tun. Hauptsache, er bewegt sich, mag man meinen. Aber Landrat Peter Ottmann will vor dem Einbiegen auf die Zielgerade seiner zweiten Amtszeit zumindest die künftige Richtung vorgeben. Gestern stellte er mit der Prognos AG das Konzept des Masterplans für den Kreis Viersen vor.

Um den Masterplan selbst hatte er nicht kämpfen müssen. Ihm war der Beifall aller Fraktionen gewiss, als er diesen Gedanken im vergangenen Jahr auftischte. Entzweit hatte er sich nur mit der Politik, als die Ausschreibung vollzogen wurde. Großen Teilen des Kreistags sind 200 000 Euro zu viel, und die Art und Weise der Auswahl der Prognos AG stieß auf heftige Kritik. Die musste der Landrat sich gestern Abend gebündelt in Haushaltsreden anhören. Die ganz große Konfrontation entfiel, weil die FDP ihren Antrag, die Ausgabe auf 100 000 Euro zu deckeln, zurückzog, um rechtliche Komplikationen zu vermeiden.

So steht Oliver Lühr mit seinem Team von Prognos politisch von Beginn an erheblich unter Druck. Das Unternehmen wird besonders harte Arbeit leisten müssen, um den Nachweis zu erbringen, dass der Landrat das einzige Alternativangebot aus formalen Gründen aus dem Verfahren verbannt hatte. "Jetzt kann's losgehen", meinte Ottmann. Der Landrat räumte ein, dass es eine ganze Reihe von Untersuchungen, Studien und Gutachten zur Demografie, Bildung, Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Verkehr und Technologie gibt. Aber die Bündelung vieler Details, die schon vorliegen und die noch erarbeitet werden müssen, gibt es nicht. Die Gefahr, dass man sich im Alltagsgeschäft verzettele, sei groß, meinte der Landrat.

Er will den Kreis über den Masterplan vorbereiten auf die Förderperiode von 2015 bis 2020 in der Europäischen Union. Dazu müsse aber in aller Klarheit herausgearbeitet werden, auf welche Themen und Funktionen sich der Kreis konzentrieren sollte. Man müsse den Mut aufbringen, in einem Abwägungsprozess Prioritäten zu setzen.

Oliver Lühr von Prognos unterstrich auch, dass sein Unternehmen kein Gutachten liefern werde, sondern einen Prozess in Gang bringen wird. Bis August kommenden Jahres soll in abgestuften Verfahren der Kern des Masterplans ermittelt werden. Neben sogenannten Stakeholdern, also Funktionsträgern auf allen Interessens- und Wirkungs-Ebenen, will der Kreis auch gesellschaftliche Gruppen jeden Alters in der Bürgerschaft intensiv in diesen Prozess einbinden. Ottmann versichert ausdrücklich, dass er die Städte und Gemeinden einbinden will. Mit Blick auf die geografische Lage des Kreises zwischen dem Ballungsraum an der Rheinschiene und dem prosperierenden Großraum Venlo/Eindhoven sollen auch von außerhalb Impulse einfließen.

Prognos will nach Angaben von Oliver Lühr möglichst über viele direkte Gespräche Informationen sammeln und verwerten. Das sei ein sehr aufwendiges Verfahren und rechtfertige daher das Angebot des Unternehmens: Man habe sich für den Qualitäts- und gegen den Preiswettbewerb entschieden. Am Ende des Weges soll der Masterplan ganz konkrete Projekte benennen, die der Kreis anpacken und umsetzen soll. "Bisher sind Studien und Gutachten nur im Ungefähren steckengeblieben", erklärte Ottmann.

(RP/ac)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort