Millionenprogramme für den Arbeitsmarkt im Kreis VIersen

Langzeitarbeitslose in Lohn und Brot bringen : Millionenprogramme für den Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit bedeutet eine große Belastung für die Volkswirtschaft. Den Betroffenen gehen Kaufkraft und Lebensqualität verloren. Millionenschwere Programme sollen helfen. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.

Jeder Arbeitslose, der in die Lage versetzt wird, für seinen Lebensunterhalt alleine zu sorgen, ist ein Gewinn für die Volkswirtschaft. Das ist die eine Seite – die nüchterne, gefühlskalte, ökonomische. Es gibt auch eine andere Sicht auf die Dinge. „Bei denen, die es nach Jahren der Langzeitarbeitslosigkeit schaffen, ohne Hilfe auszukommen, macht sich ein unheimlicher Stolz bemerkbar“, sagte Bettina Rademacher-Bensing, Vorsitzende der Geschäftsführung der auch für den Kreis Viersen zuständigen Arbeitsagentur Krefeld, am Dienstag bei der Vorstellung der Jahresbilanz.

Die Agentur für Arbeit hat sich auf den Weg gemacht, daran etwas zu ändern und sieht die nächsten Hürden bereits am Horizont. Die Digitalisierung werde den Arbeitsmarkt noch einmal kräftig verändern, sagte Bettina Rademacher-Bensing. Zwei Gesetze mit sperrigen Titeln sind die neuen Werkzeuge, um tätig zu werden – das Teilhabechancengesetz und das Qualifizierungschancengesetz. 444 Männer und Frauen sind im Agenturbezirk im vergangenen Jahr entsprechend betreut worden. Das Ganze hat eine deutlich zweistelligen Millionensumme gekostet. Den genauen Betrag konnten sie gestern nicht nennen. „Wir wissen, dass es teure Instrumente sind“, sagte Bettina Rademacher-Bensing.

Nach dem Teilhabechancengesetz wurde die Wiedereingliederung von 128 Personen im Kreis Viersen in die Wege geleitet. Sie fanden eine Beschäftigung in der freien Wirtschaft (38 Prozent), bei der öffentlichen Hand (18 Prozent) und bei gemeinnützigen Trägern (44 Prozent). Die Arbeitgeber werden in den ersten beiden Jahren durch die 100-prozentige Übernahme der Lohnkosten unterstützt. Außerdem werden die Teilnehmer für die Höchstdauer von fünf Jahren von so genannten Coaches der Arbeitsagentur und von externen Trägern begleitet.

Das Qualifizierungschancengesetz setzt bei denen an, die bereits ein Beschäftigungsverhältnis haben. Manche Langzeitarbeitslose würden deshalb eigens angestellt, um sich dann direkt fortzubilden – und zwar bei Weiterzahlung des Tarifentgelts für die Zeit der Weiterbildung. 164 Männer und Frauen (jeweils die Hälfte im Kreis Viersen und in Krefeld) haben im vergangenen Jahr am Programm teilgenommen. Beide Gesetze ergänzten sich gut, sagte Bettina Rademacher-Bensing. Langjährige Helfer in Betrieben, die sich fortbilden wollten, könnten während ihrer Abwesenheit ohne Kosten für den Betrieb ersetzt werden. Auch die Schulung erfolge ebenfalls ohne Kosten für den Betrieb.