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Metzgerei Brües in Viersen-Dülken hat Nachfolger

Einkaufen in Viersen : Wie es in der Metzgerei Brües weitergeht

Vor wenigen Wochen hatte Stefan Brües seinen Traditionsbetrieb in Dülken geschlossen. Nachfolger Markus Helbig setzt auf Bewährtes, bringt aber auch eigene Spezialitäten mit.

In Tönisvorst-Vorst ist die Landfleischerei Helbig seit 1956 zu Hause, in der mittlerweile achten Generation führt Markus Helbig die Familientradition fort. Nun ist Helbig einen weiteren Schritt gegangen:  Der Fleischermeister und Fleischsommelier hat die Metzgerei Brües in Dülken übernommen – ebenfalls ein Traditionsbetrieb mit rund 120-jähriger Geschichte. Dass sich Stefan Brües, der die Metzgerei in vierter Generation führte, aus gesundheitlichen Gründen vom beruflichen Leben verabschieden wollte und einen Nachfolger suchte, erfuhr Helbig durch Zufall. „Mir kam es zu Ohren und so nahm ich Ende vergangenen Jahres Kontakt auf“, erinnert er sich. Anfang des Jahres kam es zu einem ersten Treffen, bei dem der Dülkener und der Vorster feststellten, dass sie nahezu die gleiche Firmenphilosophie haben.

Die vielen Gemeinsamkeiten führten letztendlich dazu, dass sich Brües für Helbig als Nachfolger entschied und nicht für einen weiteren Metzger, der sich ebenfalls zwecks Übernahme vorgestellt hatte. Bis zum 29. Mai lief alles noch unter der Regie von Brües. Es folgte eine Umbauphase, da der Dülkener das Ladenlokal räumlich vom Wohnhaus und der Produktion trennte. Produziert wird nämlich ab sofort in Vorst. Dort befindet sich direkt am Ladenlokal gelegen die eigene Produktion mit dem Schlachtbereich, den Kühlhäusern, dem Gefrierhaus und dem Nachreiferaum für die Dauerwurst aus der eigenen Herstellung.

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„Wir schlachten, zerlegen und wursten selber. Über 90 Wurst- und Schinkensorten stellen wir selber her, darunter schlesische Spezialitäten wie Krakauer mit und ohne Kümmel, Grütz- und Wellwurst. Ursprünglich kommt unsere Familie aus Schlesien, wo sie ebenfalls schon im Fleischerhandwerk tätig war“, berichtet Helbig, der 1993 seinen Meister machte und die Vorster Metzgerei im Jahr 2002 von seinem Vater, Fleischermeister Bernhard Helbig, übernahm.

Helbig ist übrigens Sommelier in gleich drei Gebieten. Der Vorster Fleischermeister hat die zusätzliche Ausbildung samt Prüfung für den Fleisch- sowie den Wurst- und Schinkenbereich abgelegt. Dem Fachmann ist es wichtig, zu bewahren. Für die Kunden in Dülken heißt das, sie erhalten nach wie vor die Grillspezialitäten, für die Brües weit über die Grenzen von Dülken bekannt ist. Aber auch die anderen Spezialitäten des Dülkener Fleischermeisters sind weiterhin in der Ladentheke zu finden. Die Bestseller von Brües – wie die Rauchpeitschen und die Dölker Jonges – hat Helbig in sein Sortiment aufgenommen und produziert sie nach den Original-Rezepturen in Vorst. Zudem bringt Helbig seine eigenen Spezialitäten mit nach Dülken, darunter die schlesischen Schmankerl und seine American Cuts.

Für die Vorster heißt es indes, sie kommen auch in den Genuss der Dülkener Spezialitäten. „Ich persönlich finde es immer sehr schade, wenn ein Kollege seinen Betrieb aufgibt und mit ihm seine Rezepturen in Vergessenheit geraten, weil es keinen Nachfolger gibt“, sagt Helbig. Er könnte sich eine Datenbank vorstellen, in die die Rezepturen eingestellt und gegen einen bestimmten Obolus von anderen Fleischern abgerufen werden können. Auf diesem Weg erhalte man Kulturgut, so der Fleischermeister und Fleischsommelier.

In Dülken bewahrt der Vorster nicht nur Kulturgut, sondern er behält auch das Personal. Er hat alle Mitarbeiter der Metzgerei Brües, die weiter bei ihm arbeiten wollten, übernommen. Die Kunden treffen also auf sechs bekannte Gesichter sowie einen Neuzugang. Was Helbig besonders freut ist die Tatsache, dass seine Vorster Landfleischerei kurz vor der Übernahme von Brües von der Jury des Wettbewerbs „Meisterstücke – Wettbewerbe für Fleisch- und Wurstkultur“, für herausragende Leistungen ausgezeichnet wurde. Von 14 Produkten aus der heimischen Produktion, angefangen von Wurst über Schinken bis hin zum Grünkohl, der mit zum Sortiment gehört, erhielten zwölf die Goldauszeichnung und zwei wurden mit Silber geehrt. In Anerkennung besonders umfangreicher Qualität wurde dem Betrieb zudem die Trophäe „Meisterstück 2021“ verliehen.