Meisterkurs mit Tenor Thomas Heyer in Waldniel

Schwalmtal : Meisterliche Singstunde mit heißen Arien

Tenor Thomas Heyer arbeitete im Waldnieler Bürgerhaus mit den Teilnehmern seines Meisterkurses daran, ihr Stimmvolumen zu vergrößern. Eine junge Sopranistin brachte den Professor zum Staunen

„Bei diesem Wetter heiße Arien singen, das ist schon eine Herausforderung. Außerdem erleben Sie hier vermutlich zum ersten Mal einen Professor in Shorts.“ So begrüßt Thomas Heyer die Besucher, die zur zweiten Singstunde seines Meisterkurses im Waldnieler Bürgerhaus gekommen waren.

„Die Hitze tut den Schleimhäuten, die die kurzen Stimmbänder – je nach Stimmlage 1,6 bis 2,5 Zentimeter lang – umschließen, nicht gut“, erklärt der an der Musikhochschule Frankfurt Lehrende. „Zumal das Singen per se enorm anstrengend ist. Dennoch müssen wir intensiv arbeiten – außer an den Werken selbst – an den zu öffnenden Resonanzräumen, um das Stimmvolumen zu vergrößern und an der Atmung.“

Das demonstriert als Erste eine 18 Jahre junge polnische Sängerin, die Heyer bei einem seiner Meisterkurse in Polen entdeckte und angesichts ihres bemerkenswerten Soprans bat, nach Waldniel zu kommen. Da die verständlicherweise etwas befangene junge Frau kein Deutsch spricht, wird in Englisch an der schon beachtlich gelingenden Arie aus der Oper „Rusalka“ gefeilt.

Ein junger Bariton, der gerade seinen Bachelor in Frankfurt abgeschlossen hat und nun Masterstudent in der Heyer-Klasse ist, begeistert mit der Harlekin-Arie aus „Ariadne auf Naxos“, an der sein Lehrer rein gar nichts auszusetzen hat.

Dass bereits nach einem Jahr Hochschule in Ausnahmefällen schon reife Leistungen zu bestaunen sind, zeigt einer der drei Bässe des Kurses, dem sein Lehrer nach dem Vortrag der Arie des Fiesco („Simon Boccanegra“) lediglich die Empfehlung mit auf den Weg gibt, den Ausdruck nur über die Stimme zu transportieren und nicht mit den Händen verstärken zu wollen.

Eine zweite Sopranistin – noch Anfängerin – bekam am Morgen  eine schwierige Barock-Arie zum Studium zugeteilt. Diese stellt sie am Nachmittag klangschön und bereits auswendig vor – da staunt sogar der Professor.

Der einzige Tenor des diesjährigen Kurses war bis vor zwei Jahren noch Bariton und als solcher sehr unglücklich. Heyer erarbeitete mit ihm den ihm gemäßen tenoralen Bereich – mit Überzeugung singt er nun beispielsweise die beliebte Bravour-Arie aus Donizettis „Liebestrank“. Ein Bariton stellt in der originalen russischen Sprache die Arie des Onegin aus der gleichnamigen Tschaikowsky-Oper vor, der Lehrer erinnert ihn daran, beim Vortrag nicht zu vergessen, dass dieser Onegin ein „fieser Möpp“ sei.

Ganz frisch in Frankfurt ist der zweite Bass des Kurses, der mit staunenswertem Stimmpotenzial – trotz der ein wenig bemängelten zu offenen Vokale – den Haremswächter Osmin mit all seiner Verschlagenheit glaubhaft macht.

Der dritte, schon erfahrene Bass (Heyer: „Noch nie hatte ich drei Bässe in einem Meisterkurs“), wagt sich erfolgreich an die schwierige und teils hoch liegende Banquo-Arie („Macbeth“).

Eine Sängerin, die im sechsten Semester in Frankfurt studiert, leiht ihren außergewöhnlich schönen Sopran der Liu („Turandot“), und der einzigen Mezzosopranistin im Kurs – inzwischen Masterstudentin – ist sogar Richard Wagner nicht zu schwer. Als sie eine Szene der Erda („Rheingold“) fast vollendet interpretiert, halten die Zuhörer beinahe den Atem an und jubeln mitsamt den Mitstudenten.

Doch der ausgiebigste Applaus gilt Klaus Bernhard Roth. Was wäre der Kursus ohne ihn, den ruhenden Pol am Flügel, den einfühlsamen, sich über jeden Erfolg freuenden Begleiter.

Am Samstag, 28. Juli, 19 Uhr, ist das Abschlusskonzert des Kurses ebenfalls im Bürgerhaus Waldniel, Markt 20. Rechtzeitiges Kommen sei empfohlen – der Andrang dürfte groß sein.

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