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Viersen: Markante Zeugnisse der Vergangenheit

Viersen : Markante Zeugnisse der Vergangenheit

Der Nabu Viersen möchte die Süchtelner Höhen unter Naturschutz stellen lassen. Der Grund: Das historische Denkmal der rund 1000 Jahre alten Wälle geht verloren. Und auch ihre Zeitzeugen, die Stock- und Kopfbäume, sind bedroht.

Nahezu ein jeder, der schon durch die Süchtelner Höhen gewandert ist, kennt die Wälle, die den Höhenzug durchziehen. Aber kaum einer kennt die Tatsache, dass es sich um kulturhistorische Denkmäler handelt, die einzigartig in NRW sind. Es sind nämlich Anlagen, die rund 1000 Jahre alt sind. Wobei die Wälle besonders gut im nördlichen Teil der Süchtelner Höhen erhalten sind, und zwar im sogenannten "Schmandsend". "Eigentlich stehen die Wälle unter Schutz. Aber das wird nicht umgesetzt. Einige der Wälle wurden bei Arbeiten im südlichen Bereich der Süchtelner Höhen, betreffend die Ecke Kletterwald/Wildgehege bereits zerstört", sagt Günter Wessels, Leiter des Nabu Viersen. Der Nabu sorgt sich daher um den Erhalt der Wälle und würde die Süchtelner Höhen gerne als Naturschutzgebiet ausweisen lassen, wie es in der Bockerter Heide bereits geschehen ist. Naturschutzgebiete können nämlich nicht nur aus artenschutzrechtlichen, sondern auch aus landeskulturellen Gründen ausgewiesen werden. Zu Letzterem gehören vor allem Zeugnisse menschlicher Behausung. Auf alten Flutkarten ist deutlich zu sehen, dass an der Westseite der Süchtelner Höhen die Wälle einen markanten Bogen schlagen. "Die Form erinnert an ein Hufeisen. Es ist die typische Ausrodungsform, wie sie vor 1000 Jahren die Besiedlung aufwies. In den Süchtelner Höhen gab es Waldhufensiedlungen", erklärt Wessels. Wälle und Gräben bildeten zu damaligen Zeiten die Abgrenzungen. Diese Zäune waren vor dem Hintergrund, dass es sich um kirchlichen Waldbesitz handelte, wichtig. Denn dieser Bannwald war nicht für jeden zugänglich. Im Viersener Stadtarchiv gibt es dazu die entsprechenden Dokumente. Die typischen Landwehren, die es ebenfalls in den Süchtelner Höhen gibt, folgten später. "Wie will man der nächsten Generation Geschichte vermitteln, wenn die historischen Zeugnisse in der Natur nicht mehr existieren?", fragt sich Wessels. Die jetzige Generation habe gegenüber den nachfolgenden eine Verantwortung, die Denkmäler zu erhalten, fügt er an. Dazu kommt ein weiterer Faktor: Die Buche hat historisch betrachtet eine entscheidende Rolle gespielt und genau diese Buchen existieren in den Süchtelner Höhen noch. In früheren Jahren wurden die Buchen als Stock- und Kopfbäume gepflanzt. Die Stockbäume dienten der Brennholzgewinnung und wurden, wie es der Name schon sagt, buschähnlich geschnitten. Die Kopfbäume erfuhren einen höheren Schnitt, weil unter ihnen Tiere grasten, die den grünen Austrieb nicht abfressen sollten. Dazu kommt das Lemmen, das die Waldbewohner früher durchführten. Buchen wurden dafür kreisförmig abgesenkt, um neue Buchen zu ziehen. Diese besonderen Formen sind heute allesamt noch in den Süchtelner Höhen zu erkennen. Aber auch sie brauchen für den weiteren Erhalt entsprechende fachliche Pflege. Gerade bei den Stockbuchen ist es so, dass sie auf ihren maroden Stöcken das Gewicht dicker Bäumen - zu denen sie mittlerweile geworden sind - auf Dauer nicht halten können. Sie brechen, wie es schon bei einigen Bäumen in den Süchtelner Höhen der Fall ist. "Wir müssen Stadt und private Waldeigentümer ansprechen, um die Möglichkeit eines Erhaltes dieser sichtbaren Historie zu schaffen", sagt Wessels. Der Nabu selber ist schon aktiv geworden und hat Pflegeschnitte nach Absprachen durchgeführt. Wenn sich die Politik für eine Naturschutzgebietsausweisung aussprechen würde, wäre ein Erhalt dieser historischen Naturdenkmäler in Form der Wälle und Buchen umzusetzen.

(tref)