Maria 2.0 - Frauen „predigen“ in St. Cornelius in Viersen-Dülken

Viersen : Maria 2.0: Frauen „predigen“ in St. Cornelius

Statt vor dem Gotteshaus zu demonstrieren, werden bei der Vorabendmesse am Samstag Frauen den Gottesdienst mitgestalten.

Während andernorts Frauen gegen die Machtstrukturen der Amtskirche protestieren und den katholischen Gotteshäusern fernbleiben, geht die katholische Frauengemeinschaft in Dülken einen Schritt weiter: Von innen heraus wollen die Frauen die Kirche verändern. Am Samstagabend werden sie in St. Cornelius nach dem Evangelium das Wort ergreifen – es ist der Teil des Gottesdienstes, in dem üblicherweise der Pfarrer seine Predigt hält. Und es wird, so viel ist schon klar, um die Aufklärung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche gehen und um den Zölibat – die Ehelosigkeit der Priester.

„In unserer Gemeinde streiken wir nicht, sondern wollen gemeinsam für Veränderung kämpfen“, sagen Kerstin Funck (38), Maria Czurda (70) und Martina Beinhoff (53). Auf dem Wochenmarkt in Dülken kamen sie mit den Leuten ins Gespräch, riefen dazu auf, ihren Offenen Brief an Papst Franziskus für Veränderungen in der katholischen Kirche zu unterzeichnen. An diesem Samstag nun der von Frauen gestaltete Gottesdienst (St. Cornelius, 18.30 Uhr). „Die Frauen haben sich gute Gedanken gemacht“, sagt Pfarrer Jan Nienkerke. Nach der Verkündung des Evangeliums werde er zunächst einige Worte sagen, dann ist ein Zwiegespräch von zwei Frauen geplant, in dem es unter anderem um die Machtstrukturen in der Kirche geht. „Das sind diplomierte Theologinnen, ihnen ist wichtig, dass sie da auch was Gutes abliefern“, sagt der Pfarrer. Dennoch, so ist zu hören, gibt es Widerstand in der Pfarrgemeinde gegen die Beteiligung der Frauen. „Der Eine oder die Andere ist vielleicht nicht ganz glücklich damit“, sagt Nienkerke. „Ich kann aber allen versichern: Es wird keine Konzelebration von Frauen am Altar geben. Es bleibt erkennbar eine Messe.“ Ungewöhnlich sei es nicht, dass die Frauengemeinschaft den Gottesdienst mitgestalte, betont der Pfarrer. „Das habe ich hier in Dülken schon vorgefunden, als ich meine Pfarrstelle angetreten habe.“

Blitzschlag in Dülkener kirche St. Cornelius. Foto: Jana Bauch

Der Pfarrer sei froh, dass es in Dülken eher integrativ laufe, nicht konfrontativ. „Wichtig ist, dass man miteinander im Gespräch bleibt. Die Messe dient dazu, Bewusstsein zu schaffen und ein Zeichen zu setzen.“

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