Maria 2.0 - ein Gottesdienst von Frauen für alle in Viersen-Dülken

Viersen-Dülken : Maria 2.0: Ein Gottesdienst von Frauen für alle

In der katholischen Kirche St. Cornelius in Dülken haben der Pfarrer und Frauen der Gemeinde gemeinsam eine Messe abgehalten.

Es ist ein ungewöhnliches Bild in der St.-Cornelius-Kirche in Dülken – zumindest für einen katholischen Gottesdienst. Über die gesamte Messe hinweg haben meist mehrere, mindestens aber eine Frau das Wort. Doch so sehr die Frauen während der Messe im Mittelpunkt stehen, so leer ist die Kirche zu Beginn. Denn mehr als 100 Frauen bleiben anfangs vor der Kirche, mit Teelichtern in der Hand, und lassen den Gottesdienst ohne sie beginnen. „Wir wollen damit zeigen, wie leer die Kirche ohne die Frauen wäre“, sagt Maria Czurda (70), eine der Organisatorinnen des besonderen Gottesdienstes in der Dülkener Kirche im Zeichen der bundesweiten Aktion Maria 2.0.

Bundesweit haben sich in der vergangenen Woche Frauen dafür ausgesprochen, eingesetzt und demonstriert, dass die Rolle der Frau in der katholischen Kirche der von Männern gleichgestellt wird. Es geht dabei aber auch das Aufklären der Missbrauchsfälle in der Kirche, ebenso wie um die Ehelosigkeit der Priester. Auch, dass Frauen nicht zum priesterlichen Dienst zugelassen werden, wurde angeprangert. Doch an vielen Stellen bundesweit blieben die Frauen vor den Kirchen, boykottierten quasi den üblichen Gottesdienst und hielten eigene Veranstaltungen ab. Dies sollte in Dülken von vornherein anders sein, das betonten die Frauen in der Pfarrgemeinde bereits bei Ankündigung des Gottesdienstes in St. Cornelius. Miteinander, nicht gegeneinander ist das Motto dieser Messe in Dülken.

„Es soll deutlich werden, wie sehr Frauen das Gesicht der Kirche sind“, sagt Czurda in ihrer Ansprache. „Und wie sehr sie fehlen, wenn es um Entscheidungen geht.“ Auch sie, die Frauen von St. Cornelius und Peter, würden sich dem Protest der Frauen in der Kirche anschließen. „Aber wir wollen nicht draußen bleiben, wir machen keinen Kirchenstreik. Denn wer draußen steht, kann innen nichts verändern.“ Und so betreten die Frauen nur wenige Minuten nach den ersten Orgelklängen im Kirchengewölbe den Raum, stellen die Kerzen vorne am Altar ab. Nehmen, vom Gesang des Frauenchores Miss-Klang begleitet, Platz. Die Bänke in der Kirche sind an diesem Samstagabend gefüllt, wie sonst nur zu besonderen Anlässen wie Weihnachten, Ostern oder zur Erstkommunion.

Doch was genau muss sich ändern, was fordern die Frauen? „Es braucht dringend eine Veränderung, damit es auch wieder um die Berufung von Frauen und Männern zum priesterlichen Volk Gottes geht“, sagt Czurda. „In der Kirchengeschichte ist die Rolle der Frau immer klein gemacht worden und oftmals wurde sie sogar ausradiert“, sagt Liesel Jesse.

Die 68-Jährige ist Theologin aus Kamp-Lintfort. „Aus Leiterinnen der jungen christlichen Gemeinden der ersten zwei Jahrhunderte wurden Helferinnen, die Gemeindeleiterin Junia wurde zu einem Junias gemacht.“ Viele Frauen, die zu Jesus gehörten, hätten in den Überlieferungen nicht mal einen Namen. Jesse: „Das muss sich im Sinne Jesu wieder ändern.“

Wie groß die Kraft und Bedeutung der Frauen in der Kirche ist, sollen bei dieser Messe außerdem Lesungen und Auszüge aus der Bibel darstellen. Im Wechsel führt Pfarrer Nienkerke die Predigt und übergibt das Wort an Frauen aus der Gemeinde. „Ich wünsche uns allen, dass wir bei unterschiedlichen Ansichten weiter gemeinsam und beieinander auf dem Weg des Herrn bleiben“, sagt Nienkerke. „Denn nur, wenn wir gemeinsam nach Antworten auf die Fragen unserer Zeit suchen, haben Glaube und Kirche eine Zukunft.“

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