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Mama-Taschen aus Viersen für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine

Hilfsaktion für Ukraine : Mama-Taschen aus Viersen für Flüchtlinge

Sara-Lena Lechner packte am Wochenende Mama-Taschen für Mütter, die aus der Ukraine flüchten. Was sie nicht erwartet hatte: die große Unterstützung von weiteren Frauen. „Das ist fantastisch!“

Es erinnert ein wenig an ein Packsystem von St.-Martin-Tüten. Auf dem Hof von Eisenwaren Neef in Viersen stehen Kartons und Taschen hinter einem langen Tisch nebeneinander, allesamt säuberlich beschriftet. Nach Art und Größe sortierte Babybekleidung, Windeln, Hygieneartikel, Masken, Schokolade und Traubenzucker sind die Bezeichnungen, die auf den Behältnissen zu lesen sind. „Wenn sich ein Produkt dem Ende zuneigt, einfach auf die anderen Taschen und Kartons zurückgreifen, die dort hinten stehen und auffüllen“, sagt Sara-Lena Lechner und deutet auf die rechte Ecke des Hofes, wo sich weitere, bis zum Rand gefüllte Behältnisse stehen. In die elfköpfige Frauengruppe kommt Bewegung. Jede nimmt sich einen der Zettel, die auf dem Tisch liegen und greift zu einer der vielen  Umhängetaschen. Die aufgebaute Warenstraße wird abgegangen und auf der Liste abgehakt, was in die Tasche gegeben wird. Ist eine Tasche voll, kommt der Zettel hinein, auf dem die Produkte auf Deutsch, Englisch und Ukrainisch aufgelistet sind.

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„Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich auf solch‘ eine Welle der Hilfsbereitschaft stoßen würde und mich so viele Frauen unterstützen. Es ist fantastisch“, sagt Lechner. Die 36-jährige Viersenerin wollte insbesondere den Müttern mit Kleinkindern helfen, die aus der Ukraine fliehen. „Ich habe von den Taschen, die mit einer Notausrüstung für ein Kleinkind und seine Mutter bestückt sind, über die Sozialen Medien erfahren. Ich bin selbst auf Instagram aktiv und habe viele Follower. Also habe ich unter dem Motto ,Mamas helfen Mamas‘ gepostet, dass ich Taschen packen möchte und Hilfe brauche“, sagt Lechner.

Was die Viersenerin, selbst Mutter eines dreijährigen Sohnes, dann erlebte, sei „einmalig und absolut unglaublich“, wie sie sagt. Ihre Freundin Jenny teilte ihr mit, dass ihr Arbeitgeber Lagerraum in Neuss für das Düsseldorfer Einzugsgebiet zur Verfügung stellen würde. Lechner selbst kontaktierte ihren Großvater Paul Neef, der das Eisenwarengeschäft am Viersener Gereonsplatz betreibt. Sie sprach vielleicht von 20 Paketen, die kommen würden. Direkt am ersten Tag nach ihrem Aufruf stapelte Paul Neef die ersten 50 Pakete in seinem Lagerraum. Menschen packten fertige Taschen oder spendeten kartonweise benötigtes Material, das entsprechend sortiert und verpackt werden musste. Die Viersener Firma Agis, wo Lechner einen Bekannten ansprach, gab 5000 Masken. Ein weiterer Bekannter kopierte die mehrsprachigen Materiallisten, die jeder Mama-Tasche beiliegen.

Lechner wurde derweil klar, dass sie es alleine gar nicht schaffen würde, das gespendete Material in entsprechende Taschen zu verteilen. Sie postete erneut, dass sie Packhelfer brauche. Diesmal gab es Hilfe aus der Nachbarstadt. Der FV MG 2020 meldete sich. Die Frauen-Fußballerinnen rückten am Wochenende an und packten auf dem Hofgelände von Neef die Mama-Tüten, wobei Hedi Neef, die Großmutter von Lechner, die Helferinnen mit selbstgebackenem Mandelkuchen versorgte. „Mit dieser Hilfe können wir uns solidarisch mit der Ukraine zeigen. Ein Beitrag, mit dem wir ein stückweit helfen können“, sagt Eva Opdenbusch vom FV MG 2020. Man tue etwas Gutes und das sei ein gutes Gefühl in Anbetracht der Ohnmacht, die dieser Krieg mit sich bringe, fügt Frederike Blawath an, die zwar selber keine Fußballerin ist, aber über Opdenbusch von dem geplanten Einsatz erfuhr. Mehr als 500 Taschen hat Lechner insgesamt dank der vielen Unterstützung zusammenbekommen. Diese Taschen werden nun durch die Hilfsorganisation „Slings for Refugees“ eingesammelt und an den Grenzen zur Ukraine in den Einsatz gebracht. Lechner, die die ganze Organisation zwischen eigener Familie und ihrem Beruf als Flugbegleiterin stemmte, sagt: „Es war eine einmalige Aktion, für die ich bei allen Unterstützern nur Danke sagen kann.“