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Schwalmtal: Lüttelforster wehren sich

Schwalmtal : Lüttelforster wehren sich

Die alte Mülldeponie am Lousberg, die Ausweitung des Kiesabbaus – die Einwohner von Lüttelforst haben die Nase voll. Bei einem Bürgerabend im Café Bolten wurde klar: Klaglos werden sie die Verschandelung der Landschaft nicht weiter hinnehmen.

Die alte Mülldeponie am Lousberg, die Ausweitung des Kiesabbaus — die Einwohner von Lüttelforst haben die Nase voll. Bei einem Bürgerabend im Café Bolten wurde klar: Klaglos werden sie die Verschandelung der Landschaft nicht weiter hinnehmen.

So ganz hatte Dr. Arnd Tulke vom Umweltamt der Stadt Mönchengladbach noch nicht die Folien aufgelegt, da schossen die ersten Zeigefinger hoch. Wann denn am Lousberg endlich was passieren würde? Was man bitte in den 70er Jahren unter Re-Kultivierung verstanden hätte, wo doch die ehemalige Mülldeponie der Stadt Mönchengladbach aussehe wie Brachland?

Tulke hatte seine liebe Mühe, die Anwohner zu beruhigen. Er musste allein den Lüttelforstern Rede und Antwort stehen. Die Bezirksregierung Düsseldorf als Aufsichtsbehörde, die bald über neue Pläne zu den Deponien entscheiden soll, war abgesprungen, das Staatliche Umweltamt habe sich kurzfristig entschuldigt, teilte Ria van de Flierdt-Bonsels als Vorsitzende des Fördervereins für "Kultur und Tradition Lüttelforst" zu Beginn mit.

Gut 50 Anwohner waren ins Café Bolten gekommen, um sich über den Zustand der ehemaligen Deponie und die Perspektiven zu informieren — gerade mit Blick auf den Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft", für den sich Lüttelforst rüstet, wichtige Faktoren.

Die alte Grube II, direkt am Lousberg, wurde 1970 genehmigt, zwei Jahre später begann man mit der Verfüllung. Die Gruben I und III, oben an der Autobahn, wurden bis in die 90er gefüllt. Seitdem muss der Betreiber, die EGN aus Mönchengladbach, Nachsorge betreiben. Das gelingt, wie die Anwesenden zugaben, bei Grube I und III nicht mal schlecht, einzig den Bauzaun empfanden viele als störend.

Doch mit der Brachlandschaft von Grube II am Lousberg sieht es anders aus. "Das ist ein Unland, ein Wildwuchs, hässlich und nutzlos", machten die Lüttelforster ihrem Ärger Luft. Einer stellte fest: "Das ist Murks." Tulke erklärte, die Bestimmungen für Grube II hätten in den 70ern nicht eine solche Re-Kultivierung vorgesehen, wie es später bei Grube I und III festgehalten worden sei. Aus moralischen Gründen werde man wohl nichts verändern.

In den kommenden Wochen wird nun die Stadt Mönchengladbach bei der Bezirksregierung die Pläne für den Abschluss der Gruben I und III einreichen. Und da wiederum sahen die Lüttelforster einen Lichtblick: Da Grube II und die oberen Gruben durch ein Leitungssystem für das Sickerwasser verbunden sind, wäre es doch möglich, dass die Bezirksregierung der Stadt Mönchengladbach bei der Nachsorge die Auflage mache, auch für Grube II eine Re-Kultivierung nach heutigen Maßstäben umzusetzen.

Die Parteien, deren Vertreter zur Diskussion erschienen waren, wollen nun im Planungs- und Umweltausschuss den Antrag stellen, dass sich auch die Gemeinde Schwalmtal in das Verfahren einklinkt.

"Ich würde es für selbstverständlich halten, dass die Kommune, auf deren Gelände die Endabnahme erfolgen soll, beteiligt wird", sagte Jürgen Heinen (Grüne). Auch mit Blick auf die geplante Erweiterung des Kiesabbaus stellte Ria van de Flierdt-Bonsels klar, dass die Lüttelforster der Verschandelung der Landschaft nicht tatenlos zusehen werden: "Wir wollen verhindern, dass unser Dorf weiter zerrissen wird."

(RP)