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Live-Konzerte in Viersen für ein Ein-Personen-Publikum

Corona in Viersen : Live-Konzerte für ein Ein-Personen-Publikum

Auch in Corona-Zeiten gibt’s Live-Konzerte. Zumindest in der „Fabrik für Genusskultur“ in Viersen-Süchteln. Der Clou: Der Künstler spielt für einen Zuhörer. Die Idee dazu stammt aus New York.

Das Leben ist kein Wunschkonzert – das gilt gerade in Zeiten von Corona. Das Leben ist ein Wunschkonzert – gerade in Zeiten von Corona! Auf diesen klugen Gedanken sind Claudia Holthausen und Matthias Nitsche gekommen, die in Süchteln die „Fabrik für Genusskultur“ betreiben. „Auch in Corona-Zeiten ist ein Live-Konzert-Erlebnis möglich“, sagt Holthausen. „Sogar höchst exklusiv.“

Und so funktioniert die Idee der Beiden: ein Musiker auf dem Podium. Und ein Zuhörer im Publikum. „Eine wunderbare Viertelstunde dreht sich die Musik nur um einen einzigen Gast“, erklärt Holthausen. Unter dem Motto „music for one“ lädt die „Fabrik für Genusskultur“ zu dieser, nun ja: mit Abstand besonderen Konzertreihe ein. „Wir waren betrübt bei der Vorstellung, dass bis auf weiteres kein kulturelles Leben in unseren Räumlichkeiten sein würde“, berichtet Nitsche. „Und dann haben wir überlegt, wie man das mit ,echten’, leibhaftig anwesenden Künstlern und ebenso leibhaftig anwesendem Publikum ändern könnte, ohne die Corona-Regeln zu unterlaufen“, so Holthausen. Dabei half ihr ein Blick in die Vergangenheit: Vor 16 Jahren machte sie Öffentlichkeitsarbeit fürs Schumann-Fest in Düsseldorf. „Und die damalige Kuratorin hatte die Idee zu Konzerten für einen Zuhörer“, berichtet Holthausen. „Ich war fasziniert davon, weil es dem Zuhörer ein ganz anderes, eindringliches, persönliches Konzerterlebnis beschert. Und kein anderer Gast stört, indem er mit dem Bonbonpapier raschelt.“ Später gab’s im Museum of Modern Art in New York eine ähnliche Aktion: Vor zehn Jahren spielten Musiker dort – ebenfalls für nur einen Zuhörer – immer nur eine Minute lang. Titel: „The artist is present“, was man sowohl mit „Der Künstler ist anwesend“ als auch mit „Der Künstler ist ein Geschenk“ übersetzen kann.

In Viersen sind drei Abende mit je einem Künstler geplant, jeweils 15 Minuten lang kann ein Zuhörer ihm lauschen. Am Samstag, 23. Mai, tritt Arturo Castro Nogueras auf. Der aus einer kubanischen, mexikanischen und puertoricanischen Musikerfamilie stammende Gitarrist konzertiert regelmäßig mit Orchestern aus aller Welt. In der „Fabrik für Genusskultur“ starten seine privaten Konzerte um 19 Uhr, 19.15 Uhr, 19.30 Uhr, 20 Uhr, 20.15 Uhr und 20.30 Uhr.

Eine Woche drauf, am Samstag, 30. Mai, ist zu denselben Zeiten Christiane Oxenfort zu hören. Die Intendantin des Düsseldorf-Festivals ist studierte Flötistin. Den Abschluss der Reihe „music for one“ bildet am Samstag, 6. Juni, der Pianist, Keyboarder und Komponist Hans-Peter Faßbender. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit bildet das Spannungsfeld von Improvisation und elektronischen Klängen. Karten kosten jeweils 15 Euro – „das Geld wird direkt an die Künstler durchgereicht“, erklärt Holthausen, die auch schon über weitere Reihen nachdenkt. „,music for two’ wäre eine Option, aber warum nicht auch eine Ausstellung mit nur einem Bild, das der Künstler dann dem einen Besucher erklärt?“

Tickets Ein Ticket für eines dieser Wunschkonzertekann per E-Mail an c@holthausen-kfk.de reserviert werden. Das Zeitfenster wird zugewiesen.