Lesung in Viersen „Der elfte Mond“ — zurück ins historische Dülken

Viersen · Von einem Privatlehrer, der in den Sog der Dülkener Narrenakademie gezogen wird, und von Napoleons Hand — ein besonderer Abend in der Galerie.

Autor Martin Otto Braun griff bei seiner Lesung zur Gitarre, seine Tochter Mathilde stimmte ein Marmotten-Lied an.

Autor Martin Otto Braun griff bei seiner Lesung zur Gitarre, seine Tochter Mathilde stimmte ein Marmotten-Lied an.

Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Eine runde Sache war das Programm, das die Leiterin der Städtischen Galerie im Park, Jutta Pitzen, für den Freitagabend in der Fabrikantenvilla aus dem 19. Jahrhundert auf die Beine gestellt hatte. Martin Otto Braun stellte seinen Roman „Der elfte Mond“ vor. Die „Hüterin der heimischen Mundart“ und Vorsitzende des Arbeitskreises Mundart, Marieluis Boes, sorgte mit ihren in Dölker Platt vorgetragenen Texten zu Napoleon und der Vorweihnachtszeit für Heiterkeit. Brauns elfjährige Tochter Mathilde sang, von ihrem Vater auf der Gitarre begleitet, ein „Marmottenlied“ und in der Pause gab es Glühwein und SpekEine ulatius: Eine runde Sache, die die Besucherinnen und Besucher auf eine unterhaltsame Reise in die Vergangenheit des 19. Jahrhunderts einlud.

In seinem Roman „Der elfte Mond“ befasst sich der Dülkener Autor Braun mit der historisch belegten Person des Heinrich Weinmann und der Narrenakademie, in deren unmittelbarer Nachbarschaft Braun lebt. Braun las aus dem ersten Kapitel, der Ankunft von Weimann in dem dunklen Dorf Dülken im Jahr 1832. Weimann muss, da er der Bonner Universität verwiesen wurde, als Privatlehrer des Sohnes der Familie Mevissen arbeiten. Eine weder gut angesehene noch besonders gut honorierte Tätigkeit, wie Braun anmerkte. In Dülken gerät er in den Sog der Narrenakademie. Die Zuhörer tauchten in die rätselhafte Welt rund um die Narrenakademie ein. Die Freimaurer, die geheimnisvolle Symbolik rund um den Mond, die Narren, der Lebensbaum aus der Kabbala spielen im Roman eine Rolle. Bilder der Symbole waren auf die Leinwand projiziert, eine hilfreiche Illustration des Gelesenen. Wie Weimann in den Bann der Akademie gezogen wird und darüber seine Arbeit als Privatlehrer vernachlässigt, darüber las Braun in einem weiteren Kapitel.

Marieluis Boes erklärte in ihrem Mundartvortrag, wie Napoleon zu der typischen Haltung seiner Hand gekommen sei, die er unter seiner Jacke auf dem Oberbauch versteckte. Eine ebenso witzige wie unappetitliche Geschichte, in der auch Tien Anton vorkommt. Napoleon und Dülken als ein besonderes Gespann – kein Wunder, war Dülken doch etwa zehn Jahr lang von französischen Truppen besetzt. Auch das „Marmottenlied“ entführte in die Vergangenheit des 19. Jahrhunderts. Von Beethoven komponiert, von Goethe getextet, geht es um die Kinder der Geflüchteten aus Savoyen. Die sogenannten Wanderkinder führten Kunststücke mit ihren Murmeltieren (in Französisch marmotte) auf, um Geld zu bekommen. Am Ende des Abends freute sich Martin Otto Braun über das Interesse an seinem Buch und signierte fleißig die verkauften Exemplare.

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