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Tipps vom Mediziner: Musik kann Läufer leistungsfähiger machen

Experte gibt Tipps : Warum ich mit Musik besser laufe — und wieso das nicht für alle gilt

Musik kann Läufer leistungsfähiger machen, erklärt Sportmediziner Michael Fritz. Gelobt seien die Neurotransmitter! Welche Songs geeignet sind und wem Musik gar nicht hilft.

Es gibt da diese sagenhafte Szene in „Rocky“, in der sich Sylvester Stallone erst ein paar rohe Eier in ein Glas haut, dann den ganzen Glibber in seinen Hals kippt und anschließend zu einem frühmorgendlichen Lauf durch die Ecken Philadelphias aufbricht, die es niemals in eine Tourismusbroschüre der Stadt schaffen werden. Dazu läuft „Gonna fly now“, komponiert von Bill Conti. Erhebende Fanfaren zu Beginn, ein Beat, der anpeitscht. Der Chor singt: „It‘s so hard now“, später „Getting strong now“, noch später „Gonna fly now.“ Mal ehrlich: Ohne die Musik wäre „Rocky“ nur halb so gut.

So geht‘s mir auch. Wenn ich laufe, dann läuft das besser mit Musik. Bis der Arzt kommt. Und da ist er auch schon: Michael Fritz, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Viersen, Spezialgebiet Sport, als „Top Mediziner“ des Magazins „Focus“ ausgezeichnet, betreute lange Zeit die Aktion „Fit in den Frühling“ unserer Redaktion. Warum läuft das mit Musik besser? „Weil Sie ein 08/15-Läufer sind“, sagt Fritz. Na schönen Dank, Herr Doktor! Tolle Diagnose.

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Wobei die stimmt. Es kommt ja selten genug, dass ich die Laufschuhe anziehe. Und mich dann eigentlich nur auspowern will. Bis ich fliege. „Musik kann beflügeln und motivieren“, erklärt Fritz. „Gerade, wenn man alleine läuft, kann das eine große Hilfe sein.“ Die meisten Läufer hätten eine Schrittfrequenz von 180 (bei mir hege ich da gewisse Zweifel), deshalb fürs Laufen seien Songs gut geeignet, deren beats per minute durch 30 teilbar sind. Sonst? „Sonst wird der Lauf unruhig und der Schritt schleppend.“

Warum hilft mir die Musik? „Da werden Adrenalin und Dopamin ausgeschüttet, ein ganzer biochemischer Cocktail an Neurotransmittern“, erklärt der Arzt. Und wenn das in meinem Blut zirkuliert, weite das meinen Flow-Kanal. Meinen, bitte, was?

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„Unten im Flow-Kanal ist das, was man gut kann. Oben wird der Kanal begrenzt durch die Leistungsdecke.“ Also das, was man nicht gut kann. Der Bereich, wo‘s weh tut. Wo man beim Laufen Luftnot spürt, die Anstrengung merkt. Weitet sich der Flow-Kanal, wird man tatsächlich leistungsfähiger. Weil man durch die Musik alles andere ausblenden, sich fokussieren kann. „Man bekommt gute Laune, der Rhythmus trägt einen, man kann entspannter laufen und sich mehr erholen“, sagt Fritz. Genial!

Und warum funktioniert das nicht bei allen? „Bei Leistungssportlern funktioniert das nicht, weil sie für den Wettkampferfolg trainieren und kein Lied dieser Welt auf den Bewegungsablauf bei einem 800-Meter-Lauf passt“, sagt Fritz. Kein Wunder, dass Rocky am Ende eben doch gegen Apollo Creed verlor — wegen Contis Filmmusik! Und es gebe noch eine zweite Gruppe, bei der Musik beim Laufen kontraproduktiv sei, sagt Fritz: „Hochmusikalische Menschen.“ Weil Läufer eben doch nie ganz genau den Takt träfen.

Aber auch Laufen ohne Musik habe Vorteile, betont der Sportmediziner. „Laufen hat einen großen therapeutischen Wert, kann gegen Depressionen und Niedergeschlagenheit helfen.“ Gerade, wenn man durchs Grüne laufe. Das funktioniere aber nur, wenn man sich eben gerade nicht abschotte. Fritz: „Denn dann ist man nicht mehr im Einklang mit seiner Umgebung. Wer Musik hört, hört die Vögel nicht mehr zwitschern.“