Kurzzeit-Pflegeplätze werden im Kreis Viersen dringend gebraucht

Kreis Viersen : Kurzzeit-Pflegeplätze werden dringend gebraucht

Im Kreis Viersen fehlen für Senioren Versorgungsstrukturen jenseits der Heimplätze. Das geht aus dem aktuellen Bericht zur Pflegeplanung hervor. Bis 2022 sollen 753 Servicewohnungen und 178 Kurzzeitpflegeplätze neu entstehen.

Es steht nicht zum Besten mit der Versorgung von Senioren im Kreis Viersen. Zumindest wenn man von der Unterbringung in Seniorenheimen absieht. Der aktuelle Bericht zur Pflegeplanung im Kreis Viersen sieht teils gravierende Defizite in der Kurzzeitpflege, beim Servicewohnen und in der Tagespflege. Auch die ambulanten Dienste sind stark ausgelastet, möglicherweise auch überlastet.

Der Bericht zur Kommunalen Pflegeplanung ist die Grundlage für den Ausbau der Versorgungsstruktur für Senioren im Kreis Viersen. In die Planung fließen die ambulanten Angebote und Pflegeplätze aller Einrichtungen der Städte und Gemeinde des Kreises Viersen ein. Sie sollen zur verbindlichen Bedarfsplanung werden.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der drastisch steigenden Zahl älterer Menschen wurde die Kommunale Pflegeplanung 2015 eingeführt. So machen die Über-65-Jährigen bereits jetzt mehr als 21 Prozent der Bevölkerung aus. In Niederkrüchten etwa soll sich die Zahl der Über-80-Jährigen bis 2040 verdreifachen. Seit Jahren gilt bei der Versorgung älterer Menschen der Grundsatz „ambulant vor stationär“. Senioren sollen solange wie möglich in ihrem Umfeld wohnen bleiben. Dies entspricht meist ihrem Wunsch und ist in der Regel auch billiger als ein Pflegeplatz im Heim.

Kurzzeitpflege Im gesamten Kreisgebiet fehlen bis 2022 gut 180 verlässliche Pflegeplätze für kurzzeitige und kurzfristige Heimaufenthalte von Senioren. Derzeit sind nur 87 Plätze speziell für Kurzzeitpflege ausgelegt. Besonders in Kempen, Tönisvorst und Viersen fehlen jeweils rund 30 Plätze. „Der Zielwert von 241 Plätzen für 2022 erscheint nicht realisierbar“, heißt es im Bericht. Eine Erklärung für das Defizit liefern die Experten ebenfalls: „Die Träger schätzen die wirtschaftlichen Risiken höher ein als die wirtschaftlichen Chancen.“ Kreis-Sozialdezernentin Katarina Esser erklärt: „Die Kurzzeitpflege ist geprägt von einem stetigen Wechsel der Kurzzeitpflegegäste.“ Durch die eingeschränkte Planbarkeit entstünden tageweise Belegungslücken, die die Auslastung insgesamt senken. Esser: „Die Einrichtungen müssen aber dennoch Personal vorhalten, um auf kurzfristige Aufnahmen reagieren zu können.“

Nur die Stadt Nettetal wird in dem Bericht positiv hervorgehoben:  Sie sei die einzige Kommune, die inklusive geplanter Maßnahmen ihren Bedarf decken kann.

Tagespflege 246 Plätze in der Tagespflege gab es zum Stichtag 30. Juni 2018 im Kreisgebiet. Allein für dieses Jahr ergibt sich ein zusätzlicher Bedarf von 162 Plätzen. In den kommenden drei Jahren soll der Bedarf auf 465 Plätze steigen, um vor allem Angehörige von demenzerkrankten Senioren durch eine Tagesbetreuung zu entlasten. Die meisten Plätze sollen in Nettetal und Willich (38 Plätze) sowie in Viersen (27) geschaffen werden. In Brüggen empfiehlt der Bericht zehn, in Niederkrüchten zwölf und in Schwalmtal 13 Plätze einzurichten.

Servicewohnen Registriert sind kreisweit 1065 Wohnungen mit Service. Der errechnete Bedarf wird damit laut Bericht deutlich verfehlt. Auf  hundert Einwohner ab 80 Jahren soll es acht Servicewohnungen geben. So die Theorie. Um diesen Zielwert zu erreichen müssen in den kommenden drei Jahren kreisweit rund 750 Wohneinheiten hinzukommen – in Brüggen und Niederkrüchten etwa 65 Wohnungen, in Nettetal und Willich 130 bis 170 Wohneinheiten, in Schwalmtal 24. Viersen und Tönisvorst sollen 170 bis 190 Servicewohnungen planen.

Stationäre Pflege 2487 vollstationäre Pflegeplätze gibt es im Kreis Viersen. Damit wird eine Versorgungsdichte von 12,7 Plätzen je hundert Hochbetagte erreicht. Der Bedarf für dieses Jahr ist damit erfüllt. Für das Jahr 2022 wird allerdings ein Erweiterungsbedarf bestehen. Man rechnet mit 147 Plätzen mehr. Zur besseren Einschätzung des Bedarfs sollen die Wartelisten der Seniorenheime herangezogen werden. In 17 der 27 Einrichtungen gibt es laut Bericht derzeit Wartelisten.

Ambulante Dienste Einige Kommunen haben dem Kreis Viersen gemeldet, dass die ambulanten Dienste ausgelastet seien und „eine latente Unterversorgung von Pflegebedürftigen“ bestehe. Ältere Menschen mit einem hohen Pflegeaufwand könnten bisweilen keinen Anbieter finden. Laut Pflegeplanung fehlen allerdings aussagekräftige Zahlen, um das Versorgungsdefizit zu untermauern. Jetzt soll das Sozialamt des Kreises Viersen die ambulanten Dienste befragen.

Welche Rolle spielt der Personalmangel? Eine große. „Die Versorgung pflegebedürftiger Menschen wird aufgrund des durchaus spürbaren Fachkräftemangels zunehmend schwieriger“, sagt die Kreis-Sozialdezernentin. Wie groß das Problem genau ist, lässt sich derzeit nicht beziffern – dem Kreis Viersen liegen bisher keine gesicherten Zahlen zum Fachkräftebedarf in der Pflege vor. „Die Kommunale Konferenz Alter und Pflege für den Kreis Viersen hat eine Arbeitsgruppe zum Fachkräftemangel in der Pflege gebildet“, erklärt Esser. Diese Arbeitsgruppe besteht aus Vertretern von Pflegeeinrichtungen, Wohlfahrtsverbänden, Krankenhäusern sowie Vertretern aus den Kommunen des Kreises. „Aufgabe ist, festzustellen, welche Einflussmöglichkeiten bestehen, dem Personalmangel in der Pflege innerhalb des Kreises Viersen entgegenzuwirken“, berichtet die Sozialdezernentin. „Ein wichtiger Schritt ist dabei die Feststellung des tatsächlichen Personalbedarfes.“ Um eine möglichst genaue Bestandsaufnahme der Situation rund um das Thema Personalmangel im Kreis Viersen zu erhalten, wurden deshalb alle Pflegeleistungsanbieter – sowohl ambulante Dienste wie auch teil- und vollstationäre Einrichtungen – befragt. Esser: „Aktuell erfolgt die Auswertung der Rückmeldungen.“

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