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Kunst und Corona in Viersen: Kunstgenerator-Stipendiat bereitet sich auf Abschlussausstellung vor

Kunst in Viersen : Künstler in der Corona-Isolation

Kunstgenerator-Stipendiat Ole Blank plant jetzt seine Abschlussausstellung. Wie sich die Corona-Pandemie plötzliche auf merkwürdige Weise in seine Arbeit eingefügt hat.

Seit neun Monaten lebt und arbeitet der 13. Kunstgenerator-Stipendiat Ole Blank (29) in der Alten Lateinschule in Viersen. Mit großen Schritten bewegt er sich nun – auch wenn ihm  noch drei Monate in Viersen bleiben – auf die Zielgerade zu: die Abschlussausstellung in der Städtischen Galerie. Sie wird ab dem 6. Dezember zu sehen sein.

An den großen verschiebbaren Wänden seines Ateliers in der ersten Etage der Alten Lateinschule hängt die Städtische Galerie im Kleinen – in zahlreichen Zeichnungen sind die Räume notiert und dazu all die Kunstobjekte, mit denen sie gefüllt werden sollen und können. „Ich schiebe gerade noch hin und her“, erklärt Blank seinen Planungsprozess. „So eine große Einzelausstellung hatte ich noch nie.“ Es gibt mehrere kleinere und größere Räume zu bespielen.

Im Januar bezog der 29-jährige sein Atelier. Sein Plan: den Wert dieser geschenkten Zeit zu überdenken und gut zu nutzen. Immerhin stellt das von der NEW und der Stadt Viersen gemeinsam ausgelobte Stipendium nicht nur Wohnung und Atelier, sondern auch ein monatliches Salär zur Verfügung, sodass der Künstler sich ganz und sorgenfrei ausschließlich der Kunst widmen kann.

Blank war klar: Er werde viel und vor allem für sich allein im Atelier arbeiten. Und dann kam Corona und der Plan passte auf merkwürdige Weise perfekt in die Zeit der Kontaktsperre. „Auch ohne Corona hätte ich mich aus Lust an der Arbeit in eine gewisse Selbstisolation begeben“, sagt Blank. Aber: „Vielleicht hätte ich ohne die Pandemie mehr Menschen in Viersen kennengelernt.“

Doch Blank nutzte nicht nur die Zeit, auch den Raum: Täglich erkundete der Künstler auf seinem Fahrrad die Umgebung: „Ich kenne hier jede Ecke.“ Und alle gefallen ihm. Seit seiner Zeit in Viersen hat Blank sich einer Drohne und dem Drohnenfliegen gewidmet. Eine Möglichkeit, den Raum, in dem er sich bewegt, noch deutlich zu erweitern. Ein mit der Drohne aufgenommenes Video wird Teil der Abschlussausstellung sein.Wie sehr ihn die Stadt geprägt hat? Das lässt sich, so Blank, nicht konkret festmachen. Aber er ist sicher, dass er bewusst und unbewusst Impulse aufgenommen hat, die in seine Arbeiten eingeflossen sind.

Ein Baum aus dem Viersener Wald, eine Buche, ist deutlichstes Zeichen seiner Viersener Zeit. Die vom Grünflächenamt routinemäßig gefällte Buche hat Blank sich ausgesucht. Er zerlegt sie, setzt sie nach dem Prinzip eines Gelenks wieder zusammen und verwandelt den starren Baum in ein bewegliches Objekt, das sich in allen möglichen Positionen auf einem Sofa schlängelt. „Der müde Baum“ wird das sein.

Bäume, Keramik, Farbe auf Leinwand, Erde, Sand, Pflastersteine, Strom, Edelstahl, Gips, Stoff, Teebeutel – kein Material, das nicht die Möglichkeit bekommt, in Blanks Werk einzufließen. Und sich dort zu verwandeln. Der Baum wird zum beweglichen Objekt, das Etikett des etwa zwei Meter hohen Teebeutels aus Gips wird zum Flachbildschirm mit kurzen Videos, die Sandarbeit, mit der Blank die Jury in Viersen überzeugte und die in akkuraten Pflastersteinmustern den Raum füllte, verwandelte sich nach dem Besuch der Gäste in etwas völlig Neues. „Der Besucher wird Teil des Raums und verliert den distanzierten Zuschauerstatus“, erläutert Blank. Und das ist etwas, das ihn interessiert. Für ihn ist ein Ausstellungsort immer auch ein Denkort – reines Konsumieren ist da nicht drin.

Wenn Blank mit Pflastersteinen oder ihrem Format arbeitet, wenn er Bodenabflussrinnen mit keramischem Geäst füllt, dann denkt er nach über Objekte der alltäglichen Infrastruktur. Die sowohl nützlich als auch hemmend sein kann. Und er befasst sich mit dem, was niemand mehr wahrnimmt. Erst wenn eine Abflussrinne verstopft ist, überläuft und sich störend meldet, bemerkt der Nutzer, dass es sie gibt. „Durch Dysfunktion auffallen“, nennt der Künstler dies – Parallelen zu gesellschaftlichen Dysfunktionen sind sicher nicht zufällig. Strom als Material? Damit beschäftigt sich Blank seit einiger Zeit. Gemeint sind elektromagnetische Impulse. Immateriell, unsichtbar haben sie eine große Macht.

Auch Malerei ist ein Teil der Arbeit von Ole Blank. In Viersen entstand eine neue humorvolle Serie, die auf zwei alte Bilder zurückgeht. Die kleine schematisch dargestellte Symbolfigur der Notausgangshinweisschilder ist Protagonist der Reihe. „Das ist immer das letzte Bild, das man sieht, wenn man einen neuen Raum betritt. Ich möchte der Figur eine andere Welt zeigen“, sagt der Künstler. Die bekommt sie, wenn sie auf dem zu einem Snowboard umfunktionierten Pfeil den Berg runtersaust, oder in der Sonne liegt, oder sich den Pfeil als Regenschirm über den Kopf hält.