Viersen: Künstlerin legt Fokus auf Gesichter

Viersen: Künstlerin legt Fokus auf Gesichter

Die Viersenerin Marianne Reiners-Maaz stellt in Korschenbroich aus

Seit Jahren nimmt das Sujet des menschlichen Gesichts einen wichtigen Platz ein im Schaffen der Künstlerin Marianne Reiners-Maaz - bevorzugt im Aquarell, vereinzelt in der Computerzeichnung. Bis zum 3. März zeigt die Viersenerin zum Thema eine Auswahl ihres Schaffens aus verschiedenen Jahren. In diesen Bildern beschränkt sie sich auf einen Ausschnitt, der zurückgenommen ist auf den Bereich zwischen Hals- und Haaransatz.

Das lässt die Gesichter oft maskengleich und zeitlos erscheinen, obwohl Pressefotos zur Vorlage für die Malerei wurden. "Es sind Gesichter, die eher beiläufig aufs Foto gekommen sind und nicht gemeint waren", erzählt die Künstlerin, die fast durchweg die Profilansicht in unterschiedlichen Drehungen bis hin zum verlorenen Profil wählt. Einige Gesichter stehen für sich, andere sind übereinander gelagert, vernetzt und wieder andere beinahe zum Schwarm gesammelt. Das Gros der Arbeiten ist auf unterschiedlichen Papieren aquarelliert, die über ihre Konsistenz Farbdichte und -wirkung mitprägen.

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Als Brücke zwischen Innenraum und Außenbereich hängen an den Fenstern im Foyer zwei transparente Digitaldrucke auf Fahnenstoff mit Darstellungen aus verschiedenen Jahren in vertikaler Reihung. 2001 hatte Reiners-Maaz erstmals mit der Maus am Computer gezeichnet, so dass ein Abstand zwischen Arbeitsfläche und Malgrund bestand. Beherrschend sind jedoch die Aquarelle. Drei Blätter im Foyer zeigen maskengleiche Gesichter mit einer Farbigkeit von oxidierter Bronze. Später aufgetragenes dichtes Schwarz scheint optisch markante Vertiefungen in die Gesichter zu graben. Die Motive der Reihe "Gespinste" muten dank Lasuren durchscheinend an und sind über das Spiel der Formen und Schatten miteinander vernetzt. In der Reihe der "Projektionen" sind Gesichter mit unterschiedlichen Symbolen übermalt, etwa mit verschlungenen Nullen, einem mauerähnlichen Gefüge oder Ziffern. 2015 entdeckte Reiners-Maaz für sich das Steinpapier, das die Aquarellfarben nicht einziehen lässt. Hier hat die Künstlerin noch nasse Farben mit dem Luftzug eines Föhns verschoben, wieder abgenommen, somit Spuren von Verletzbarkeit erreicht und einen liegenden Ausdruck von Leid unterstrichen.

Hoffnungsvoller mutet die siebenteilige Serie "Flying" an, wenngleich sich auch hier in Gesichtern Leid spiegelt. Doch die verhaltene Farbgebung wirkt leicht, während die kompositorisch vorherrschende Richtung an einen hoffnungsvollen Aufbruch denken lässt.

(RP)
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