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Künstler aus Viersen verlosen Kunstwerke für guten Zweck

Verlosung in Viersen : Erst Kunst verlosen, dann Haus abreißen

Nach rund zehn Jahren muss die Viersener Künstlergruppe „Gala-isten“ ihren Ausstellungsraum an der Lange Straße 48 in Dülken aufgeben. Das Areal soll neu bebaut werden. Zum Abschied plant die Gruppe aber noch eine Verlosung.

Zum Monatsende müssen Renate Ulber und ihre fünf Künstler-Kollegen der Gruppe „Gala-isten“ ihre Galerie aufgeben. Rund zehn Jahre lang war das „Konzept 48/11“ an der Lange Straße 48 in Dülken ihr Treffpunkt, ihre Basis. „Den kleinen Raum liebe ich heiß und innig. Es ist wirklich schlimm, dass wir da jetzt weg müssen“, sagt Ulber. Der Grund: Die Grundstücks-Marketing-Gesellschaft (GMG), der unter anderem dieses Gebäude im Bereich des ehemaligen Kaiser’s-Kino-Areals an der Lange Straße gehört, möchte dort ein Neubauprojekt auf den Weg bringen. „Es soll jetzt wirklich voran gehen, es sind schon erste Schritte eingeleitet“, sagt deren Geschäftsführer Norbert Jansen. Die Gala-isten planen nun eine Aktion zum Abschied: Sie verlosen sechs Kunstwerke, die Einnahmen bekommt das Viersener Kinder- und Jugendzentrum Blaues Haus.

Die Gala-isten, das sind: Renate Ulber, Beate Buttler, Monika Enders, Bert Krause, Lilli Rieger-Grab und Martin Wirtz. Von 2012 bis 2017 hatten die Künstler eine Galerie im Rathausmarkt, darüber hinaus richteten sie eine Dauerausstellung an der Lange Straße 48 ein, wo sie sich bisher auch regelmäßig trafen. So kamen die Künstler zu ihrem Namen: „Ga“ steht für Galerie, „La“ für Lange Straße. Die Gruppe wusste, dass der Standort nur auf Zeit zur Verfügung steht, nämlich bis die GMG, eine 100-prozentige Tochter der Stadt, für ihr Areal an der Lange Straße die nächsten Planungsschritte einleitet. Und doch fällt der Auszug nun schwer. „Wir möchten aber noch einmal in Erscheinung treten, bevor wir uns von den Räumlichkeiten verabschieden“, sagt Ulber. Die Gala-isten seien eine Gruppe von Künstlern, die durch gemeinsame Werte verbunden sind und zu deren Engagement soziale Projekte gehörten. Also hatten sie die Idee: „Wir möchten Kunst stiften für den guten Zweck.“

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Jeder der sechs Künstler verlost eins seiner  Kunstwerke, dabei handelt es sich jeweils um moderne abstrakte Acryl-Malerei auf Leinwand. „Die Lose sind ab sofort bei uns im Dülken-Büro an der Lange Straße 32 erhältlich, im Salon Andrea an der Lange Straße 47, bei der Volksbank in Dülken und bei Maryann Dessous an der Blauensteinstraße 14“, sagt Andreas Goßen, Leiter des Dülken-Büros. Ein Los kostet fünf Euro. Darauf tragen  die Teilnehmer ihre Kontaktdaten ein, die Verkaufsstellen sammeln die Lose bis zum 6. September. Am 7. September werden im Blauen Haus in Viersen Bild für Bild die Gewinner gezogen. Diese werden per E-Mail oder telefonisch benachrichtigt, die Losbesitzer können aber auch zur Verlosung kommen. Das Blaue Haus sei ein offener Kinder- und Jugendtreff der Diakonie, erläutert Goßen. Mit dem Erlös der Kunstaktion würden die spendenbasierten Projekte „Hausaufgabenbetreuung“ und „Pädagogischer Mittagstisch“ mitfinanziert. Ihrer Aktion haben die Künstler den Titel „Kunstwerke für Lebenswege“ gegeben. Ihren Gruppennamen Gala-isten möchten sie übrigens auch beibehalten, wenn sie ihre Basis nicht mehr im Konzept 48/11 an der Lange Straße haben. Immerhin: Für ihre monatlichen Treffen können die Mitglieder vorerst das Dülken-Büro nutzen – auch das liegt an der Lange Straße, der Gruppenname passt also weiterhin. Eine neue Galerie suchen die Künstler noch.

 Im Haus an der Lange Straße 48 hat die Gruppe Gala-isten ihr Konzept 48/11. Zum Monatsende müssen die Künstler die Galerie räumen.
Im Haus an der Lange Straße 48 hat die Gruppe Gala-isten ihr Konzept 48/11. Zum Monatsende müssen die Künstler die Galerie räumen. Foto: Nadine Fischer

Er werde sich Gedanken dazu machen, ob es möglich ist, die Gala-isten in das neue Bauprojekt an der Lange Straße zu integrieren, kündigt der GMG-Geschäftsführer Jansen an. „Es wird höchste Zeit, dass da was passiert“, sagt er. Ursprünglich sei die Strategie der GMG gewesen, dort selbst zu bauen, „aber es gibt einen Strategiewechsel“: Die GMG sucht einen Investor. Im August/September soll das Projekt EU-weit ausgeschrieben werden, vorher müssen formale und städtebauliche Kriterien ausgearbeitet werden. Diese Neuorientierung hänge unter anderem mit dem Weggang des vorherigen GMG-Geschäftsführers im vergangenen Jahr zusammen, außerdem mit geänderten Rahmenbedingungen im Bausektor, erläutert Jansen. Die alte Planung für das Areal sah vor, dass dort zwei- bis viergeschossige Bauten und kleine Stadthäuser entstehen. „Das könnte immer noch so kommen, ist aber nicht vorbestimmt“, sagt Jansen. Nicht ausgeschlossen sei, dass neben Wohnbebauung Flächen für den Einzelhandel entstehen.

Auch an der Blauensteinstraße gehören der GMG Gebäude – jene mit den Hausnummern 6 bis 10. „Dafür wird es ein städtebauliches Konzept geben“, kündigt Jansen an. Auch für dieses Projekt werde ein Investor gesucht.