Krimilesung mit Autorin Jutta Chrisanth in Viersen-Dülken

Lesung in Dülken : Morde an den schönsten Orten Italiens

Jutta Chrisanth las in Dülken aus ihrer Kurzgeschichten-Sammlung „Mordadella Italiana“. In Venedig ließ sie sich inspirieren.

Wer an Italien denkt, denkt an Sonne, blauen Himmel, das Meer, edlen Wein und gutes Essen. Doch die Lesung von Jutta Chrisanth brachte mit dem Land im Süden Europas auch anderes in Zusammenhang: Mord und Totschlag nämlich.

Bei der Vorstellung von Kurzgeschichten aus ihrer Sammlung „Mordadella Italiana“ in Dülken kam beides nicht zu kurz. Dabei erklärte die Autorin, die im Frühjahr für einige Zeit in Venedig war, um Inspiration für ihre Geschichten zu erhalten: „Ich habe mich schwergetan. Ich bin nach Venedig gefahren, um Krimis zu schreiben. Aber: Dort wird so gut wie nie gemordet. Donna Leon hat uns mit ihren zahlreichen Leichen ein völlig falsches Bild vermittelt.“ Doch schließlich gelang es der 62-Jährigen trotz des schönen und auch vielerorts noch vom Massentourismus unberührten Ambiente, einige „mörderische“ Geschichten zu verfassen.

Diese Geschichten finden beispielsweise in einem kleinen Bergdorf statt, wie die dem Abend titelgebende Erzählung um den Metzger, der an der Eingangstür zu seinem Laden sitzt und von dort jeden Stammkunden begrüßt. Besonderes Augenmerk erhalten dabei die Kundinnen, stets beobachtet von seiner Frau, die hinter der Theke arbeitet. Bis, ja bis zu diesem Dienstag, an dem es eine ganz bestimmte Mortadella gab, eine mit ganz besonderen Zutaten. „Seine Frau hat es nie bereut“, sagte Chrisanth abschließend. „Danach hat sie die Metzgerei verkauft und sich einen jüngeren Mann genommen.“ Regelmäßig legte sie ihrem toten Ehemann noch lange danach eine Scheibe Wurst auf sein Grab. Alle Geschichten sorgten für kurzweilige Unterhaltung und einige Überraschungsmomente: Mal wird eine Motte in einer Murano-Dose auf dem Friedhof beerdigt, oder ein Brüderpaar „rächt“ seine kinderlos gebliebene Schwester, indem es den Mann erschießt. Für gute Stimmung sorgt die Episode um den Mann, der den Commissario ruft, um ihn über eine tote Frau auf den Stufen einer Kirchentreppe zu informieren. Nach und nach erklärt er, 10.000 Euro in den Opferstock getan, danach eine dort hinterlegte Telefonnummer angerufen und den Namen der Person genannt zu haben, die er loswerden wollte. Als der Commissario fragt, ob der Mann die tote Frau dann nicht doch kenne, kommt die Antwort: „Ach, wenn ich sie doch nur nicht kennen gelernt hätte.“

Tragisch dagegen ist die Geschichte des Pizzabäckers Lino, der von seiner Frau nach 29 Ehejahren mit Gift umgebracht wird, weil sie sich mehr vom Leben erhofft hat. „Ich habe durchaus Verständnis für meine Mörder“, sagte Chrisanth und lachte. „Ich bin von Natur aus ein lieber Mensch, lebe das Gegenteil davon in meinen Geschichten aus.“

Die Veranstaltung im Rahmen von Dülken Kunterbunt war ausverkauft. Sie sollte ursprünglich im Garten „Achter het muurtje“ stattfinden, wurde aber kurzfristig nach drinnen verlegt, weil es regnete.

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