Umfrage der IHK Wirtschaft will wieder mehr investieren

Kreis Viersen · Die Industrie- und Handelskammer (IHK) legt ihren aktuellen Konjunkturbericht vor. Die Maßnahmen zur Si­cherung der Gasversorgung, auch un­terschiedliche Rettungsschirme, ha­ben gut funktioniert.

Sie stellten den Konjunkturbericht vor: Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, und Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf (v.l.).

Sie stellten den Konjunkturbericht vor: Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, und Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf (v.l.).

Foto: IHK

Die Konjunktur im Rheinland ist großen Problemen unterworfen, wird aber von den Unternehmen mittler­weile weit besser beurteilt als noch im Herbst. Das ist das Fazit der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK Mittlerer Niederrhein und der IHK Düsseldorf. Zwi­schen dem 15. und 20. Januar hatte die Kammer insgesamt 850 Unterneh­men mit rund 80.000 Beschäftigten zu ihren Erwartungen befragt.

Die Wirtschaft in der Region will wieder mehr investieren.

Die Wirtschaft in der Region will wieder mehr investieren.

Foto: C. Schnettler

Das Ergebnis zeigt eine „Stabile Lage, jedoch mit weiter großen Un­sicherheiten“, wie die Präsentation übertitelt ist. Es sei mit einer rückläufigen Wirtschaftsleistung zu rechnen, die aber deutlich schwä­cher ausfiele, als noch im Herbst erwartet worden war. „Die größten Risikofaktoren bleiben Energieprei­se und -verfügbarkeit, Fachkräfte­mangel und Rohstoffverfügbarkeit beziehungsweise Lieferketten. Sie werden jetzt aber weniger drama­tisch gesehen, als noch im Herbst“, sagt Jürgen Steinmetz, Hauptge­schäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Vor allem das Ausblei­ben der noch vor dem Winter be­fürchteten Gasmangellage habe dazu entscheidend beigetragen. „Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Einerseits hat die Industrie einen großen Anteil daran selbst, denn sie konnte insgesamt rund 20 Pro­zent Gas einsparen. Aber natürlich ist es auch einfach Glück, dass durch das fast durchgehend milde Wetter weniger Gas gebraucht wur­de“, sagt Steinmetz.

Interessant auch, dass die Unter­nehmen auf die gestörten Lieferket­ten durch eine deutliche Verschie­bung ihrer Investitionsausrichtung reagieren. „Vor allem China ver­liert in den Investitionsplanungen deutlich an Bedeutung. Nur noch 9,7 Prozent der Unternehmen planen, dort zu investieren. 2019 waren es noch 24,1 Prozent. Dafür steigt die Investitionsneigung in Europa deutlich an“, sagt der Hauptgeschäftsführer der IHK Düs­seldorf, Gregor Berghausen.

In der Tat sind die Zahlen beein­druckend. 74,8 Prozent der Unter­nehmen planen Investitionen in Eu­roland (2019: 65,5%). Weitere 17,5 Prozent wollen in Resteuropa (ohne UK) investieren (2019: 10,3%). Das zeigt: Die Resilienz gegen Einflüs­se von Außen steht bei den Unter­nehmen sehr hoch auf der Agenda. Umso verwirrender scheint zunächst, dass die Bereitschaft von Industrie und Handel, in Umwelt- und Klima­schutz zu investieren, seit Herbst rückläufig ist (22,2 %, Herbst noch 27,5%). „Das ist aber eine Entwick­lung auf hohem Niveau. Im langjäh­rigen Trend sind das immer noch sehr hohe Zahlen. Viele Unternehmen haben aber auch festgestellt, dass die Anlagen, wie beispielsweise Photovoltaik, schlicht nicht ver­fügbar sind. Außerdem gibt es in der aktuellen Unsicherheit einen generellen Trend, auf Sicht zu fah­ren, wie man so schön sagt“, erläu­tert Berghausen, fügt aber hinzu: „Wir raten den Unternehmen weiter­hin, in diesem Bereich zu investie­ren. Einerseits gibt es viele För­dermittel von Bund, Land und Kommu­nen. Andererseits amortisieren sich diese Investitionen meist sehr gut. Sie erhöhen die Sicherheit und die Resilienz für Krisen.“ Ein Lob für die Entwicklung der vergangenen Monate zollt Steinmetz: „Wir begleiten die Handlungen der Regierung traditio­nell ja durchaus kritisch. Aber ich muss sagen: Die Maßnahmen zur Si­cherung der Gasversorgung, auch un­terschiedliche Rettungsschirme, ha­ben gut funktioniert. Die Politik hat hier wirklich gut und ent­schlossen agiert“, betont der Hauptgeschäftsführer.

Generell sei die Entwicklung, auch aufgrund eines im Vergleich zu den Erwartungen guten Weihnachtsge­schäfts im Einzelhandel, besser als noch im Herbst befürchtet. Grund zur Euphorie bestehe aber nicht. Die meisten Indizes liegen auf oder unter dem zehnjährigen Mittel, das nicht zuletzt durch die Corona-Krise deutlich geprägt ist. Eine nachhaltige Erholung leide auch weiter unter den bekannten Problemen, vor allem dem Fachkräftemangel. Dadurch sei es kaum möglich, auf Chancen auch entsprechend zu reagieren.

Einige Branchen würden in ihrer noch guten Auslastung auch noch von einem soliden Auftragsbestand profitieren. Was geschieht, wenn dieses Polster aufgebraucht ist, wird die Zukunft zeigen.

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