Tierschutz im Kreis Viersen Tiertafel steckt in der Krise

Kreis Viersen · Der Verein „Notfelle Niederrhein“ schlägt Alarm: Die nächste Ausgabe der Tiertafel, die Tierbesitzer aus dem gesamten Kreis Viersen nutzen, ist in Gefahr. Welche Probleme dort zurzeit herrschen.

 Bleibt der Napf leer? Bei der Tiertafel sind die Regale derart leer, dass die nächste Ausgabe in Gefahr ist.

Bleibt der Napf leer? Bei der Tiertafel sind die Regale derart leer, dass die nächste Ausgabe in Gefahr ist.

Foto: tails.com

„So extrem wie jetzt war es selten.“ Das sagt Heike Neuser, Vorsitzende des Tierschutzvereins „Notfelle Niederrhein“, mit Blick auf die Tiertafel. Die Ausgabe findet an jedem dritten Samstag an der Hindeburgstraße 161 in Viersen-Süchteln statt; das nächste Mal am 16. März. Doch die Verteilung ist bedroht. Das hat unterschiedliche Gründe.

Seit acht Jahren unterhalten die ehrenamtlichen Tierschützer eine Tiertafel, die Menschen mit nachgewiesener Bedürftigkeit aus dem gesamten Kreis Viersen nutzen können. Für bis zu vier Tiere pro Haushalt erhalten sie dort Futterspenden. „Die meisten Menschen, die zu uns kommen, haben mehrere Tiere, meist drei bis vier. Oft sind es zwei Katzen und ein Hund“, schildert Neuser.

Der Bedarf steigt weiter: Waren es im Jahr 2021 durchschnittlich noch 80 Menschen, die zur Tiertafel kamen, sind es im vergangenen Jahr deutlich mehr geworden. Auf mehr als 120 Menschen schätzt Neuser inzwischen die Zahl der Tierbesitzer, die auf gespendetes Futter für ihre Vierbeiner angewiesen sind. „Es werden von Woche zu Woche mehr“, schildert sie.

Schon vor dem Beginn der Ausgabe um 12 Uhr würden die Menschen, oft begleitet von ihren Hunden, an der Ausgabestelle warten. Die Gründe für die stetig steigende Nachfrage seien vielfältig: höhere Kosten für Lebensmittel und Energie – und auch der Krieg in der Ukraine sei ein Grund. Viele Menschen aus der Ukraine würden inzwischen regelmäßig zur Tiertafel kommen.

Dass bei immer mehr Menschen auch im Kreis Viersen das Geld knapp ist, zeigt der ständig wachsende Zustrom zu den Tafeln für bedürftige Menschen, etwa in Niederkrüchten und Schwalmtal. Deshalb hat seit 2022 etwa die Tafel in Schwalmtal einen, so Tafelverein-Vorsitzende Petra Spangenberg, „noch immer geltenden Aufnahme-Stopp verhängt“. Ähnlich sieht es bei der Niederkrüchtener Tafel aus: „Wir haben noch einen Aufnahme-Stopp. Zudem gibt es noch einige Menschen auf der Warteliste“, sagt Tafelverein-Vorsitzender Ady Gries.

„Auch wir haben schon überlegt, ob wir einen Aufnahme-Stopp verhängen müssen“, sagt Heike Neusser. Doch davon habe man vorerst Abstand genommen. Denn Futter für Katzen gibt es noch. „99 Prozent der Futterspenden sind Futter für Katzen“, berichtet die Vereinsvorsitzende. Spenden für Katzen hätten bisher in ausreichender Menge zur Verfügung gestanden, jetzt werde es langsam knapp. Bei jeder Ausgabe würden bis zu 800 Kilogramm Futter bewegt.

Jetzt seien die Regale im Lager extrem leer „Uns fehlt insbesondere Trockenfutter, aber auch Nassfutter für Hunde“, sagt die Vereinsvorsitzende. Zwar hänge die abgegebene Futtermenge von der Zahl und Größe der Hunde ab und sei pro Haushalt unterschiedlich. Zudem versuche man auch, Unverträglichkeiten zu berücksichtigen. Doch gerade an Hundefutter herrsche im Moment ein derart großer Mangel, dass der nächste Ausgabe-Termin in Gefahr sei und man unsicher sei, ob man alle Tiere versorgen könne. „Vielleicht werden wir kurz vor der Ausgabe doch noch losfahren und Futter kaufen müssen“, sagt Neuser. Es wäre nicht das erste Mal.

Jetzt hoffen die Tierschützer auf die Unterstützung von Tierfreunden. „Wir haben in einem Aufruf in den sozialen Medien um Spenden gebeten“, sagt Heike Neusser. Auch Futterspenden seien möglich, ideal sei Hunde-Trockenfutter in Drei- bis Vier-Kilo-Säcken. Größere Mengen seien schwierig, da die Säcke für die Verteilung geöffnet werden müssen.

Wer für die Tiertafel im Kreis Viersen spenden will, kann den Vorstand des Vereins „Notfelle Niederrhein“ per E-Mail über die Homepage erreichen oder über eine persönliche Nachricht bei Facebook. „Wir haben bereits erste Nachrichten erhalten“, schildert die Vereinsvorsitzende optimistisch. Sie sagt: „Spender können am 16. März auch direkt zur Ausgabe kommen.“

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