Kriminalität in Viersen Das Spezialteam gegen jugendliche Intensivstraftäter

Kreis Viersen · Kann man kriminelle Karrieren verhindern? Seit zwei Jahren versucht das ein Spezialteam aus drei Polizisten und zwei Pädagogen im Kreis Viersen. Wie fällt die Bilanz aus?

 Orhan Gedek, Kerstin Skrzypczak, Madeleine Geraths, Vanessa van Eisden und André Reitzer (von links) ümmern sich um Kinder und Jugendliche, die auf die schiefe Bahn geraten sind.

Orhan Gedek, Kerstin Skrzypczak, Madeleine Geraths, Vanessa van Eisden und André Reitzer (von links) ümmern sich um Kinder und Jugendliche, die auf die schiefe Bahn geraten sind.

Foto: Polizei Viersen

Es ist mittlerweile zwei Jahre her, dass die Kreispolizeibehörde Viersen sich gemeinsam mit Pädagogen in einem Spezialteam begonnen hat, sich kriminalitätsgefährdeten Kindern und Jugendlichen anzunehmen. „Kurve kriegen“ heißt das Projekt. Das Ziel: zu verhindern, dass sich polizeibekannte Kinder und Jugendliche zu Intensivstraftätern entwickeln.

Wie das funktionieren soll? „Wir nehmen Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 15 Jahren in den Fokus, die bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten sind“, erklärt Kriminalhauptkommissarin Vanessa van Eisden. „Es gilt, möglichst frühzeitig zu erkennen, ob es sich hierbei um ein alters- und jugendtypisches Phänomen handelt, oder aber das Potenzial für eine dauerhafte kriminelle Karriere gegeben ist.“

Bereits nach den ersten Strafanzeigen behalte das fünfköpfige „Kurve kriegen“-Team die Entwicklungen der Kinder und Jugendlichen im Blick. Dabei würden neben den strafrechtlichen Auffälligkeiten insbesondere die Lebensumstände der Kinder und Jugendlichen betrachtet. Es gehe darum, Faktoren zu erkennen, die bei ihnen das Risiko von Kriminalität begünstigen. „Nicht nur die Taten und ihre Häufigkeit spielen eine Rolle, sondern ganz erheblich auch die individuellen Lebenssituationen der jungen Täterinnen und Täter“, erklärt Madeleine Geraths, die als pädagogische Fachkraft im Team „Kurve kriegen“ arbeitet. „Kriminelle Freunde, Betäubungsmittelkonsum, Gewalt im familiären Umfeld, Schulprobleme ... all das sind mögliche Risikofaktoren, die strafbares Verhalten begünstigen können.“

Das fünfköpfige „Kurve kriegen“-Team in Viersen besteht aus zwei pädagogischen Fachkräften von Trägern der freien Jugendhilfe, sowie drei erfahrenen Kriminalbeamtinnen und -beamten aus den Bereichen Prävention und Ermittlung. „Wir sind ein multiprofessionelles Team. Polizei und Sozialarbeit ziehen an einem Strang“, erklärt Pädagoge André Reitzer. „Wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist dabei aber nicht nur unsere interne Zusammenarbeit, sondern auch die Kooperation und Vernetzung mit anderen regionalen Akteuren, wie zum Beispiel dem Jugendamt, Schulen oder Vereinen. Wir schauen gemeinschaftlich nach Lösungen und bringen, sofern möglich, individuelle und auf das Lebensumfeld des Teilnehmers exakt zugeschnittene pädagogische Maßnahmen auf den Weg.“

Und was hat das unterm Strich gebracht? Bislang wurden 20 Kinder und Jugendliche im Kreis Viersen in die Initiative aufgenommen. Den noch sehr jungen Menschen soll geholfen werden, eine „Kurskorrektur“ vorzunehmen, hin zu einem straffreien Leben und gesellschaftlicher Teilhabe. Bei 15 von ihnen hätten sich die begangenen Straftaten reduziert, berichtet Polizeisprecher Wolfgang Goertz. „Fünf Teilnehmer sind seitdem gar nicht mehr straffällig geworden.“ Viele der Kinder und Jugendlichen in dem Projekt gingen wieder zur Schule, trieben Sport, hätten wieder Struktur in ihrem Alltag und eine Perspektive. Das seien beste Voraussetzungen für eine weiterhin positive Entwicklung und ein guter Grund, am Ball zu bleiben, so Goertz. „Unser Fazit: ,Kurve kriegen‘ ist in Viersen zu einem wert- und wirkungsvollen Bestandteil unserer polizeilichen Arbeit geworden.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort