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Kreis Viersen Reisepläne werden wegen Corona verlegt

Wegen Corona haben viele Menschen im Kreis Viersen auf Reisen verzichtet : Reisepläne werden wegen Corona verlegt

Kurzurlaub in Deutschland statt Kroatien: Viele Menschen im Kreis Viersen haben wegen der Corona-Pandemie ihre Sommerreise storniert oder durch Ausflüge in die Region ersetzt. Warum jetzt viele auf das Jahr 2021 hoffen.

Die Corona-Pandemie hat die Urlaubspläne von Familie Müllenbeck platzen lassen: Sie werden erst 2021 in den Urlaub fahren. Die steigenden Coronafallzahlen in ihrem Ferienziel Kroatien hätten sie verunsichert: „Können wir uns momentan guten Gewissens in einen vollgestopften Flieger setzen, zumal in Kroatien die Infektionszahlen wieder in die Höhe schnellen?“, hat sich Mutter Dani Müllenbeck (43) gefragt. Auch wenn die Familie in diesem Jahr besonders gern den Alltag hinter sich gelassen hätte: Zu verreisen hätte sie verunsichert.

„Ich freue mich jetzt schon auf den Moment, wenn ich meinen Sohn und meine Frau an die Hand nehmen kann und es für uns nächstes Jahr in den Urlaub geht“, sagt Sascha Müllenbeck. Auch Sohn Manuel erlebte diese Sommerferien anders: Eigentlich hätte der 14-Jährige wie jedes Jahr auf die Sommerferien hingefiebert, doch: „Ich hatte bereits vor den Ferien kaum Schule, und jetzt in den Ferien bin ich auch vorsichtiger, was Unternehmungen mit Freunden angeht“, erklärt er.

Wegen der Corona-Pandemie haben viele Menschen im Kreis Viersen ihre geplanten Urlaube storniert oder sind auf das Inland ausgewichen. Das bestätigt das Reisebüro „Wundervollreisen“ in Viersen: 80 Prozent der Kunden hätten ihre Ferienreise abgesagt oder auf das nächste Jahr umbuchen lassen. Wer dennoch fahre, entscheide sich oft für Südeuropa. Vor allem Jüngere hätten sich den Sommerurlaub ins Ausland nicht nehmen lassen wollen. Sie wählten etwa Griechenland, die Balearen oder die Kanarischen Inseln als Reiseziele. Die Über-40-Jährigen blieben lieber zu Hause.

Das kann Peter Gartz (63), Inhaber vom „Aha!“-Reisebüro in Brüggen, bestätigen. „Alle geplanten Reisen wurden bei mir abgesagt und auf das kommende Jahr verschoben. Für das kommende Jahr sei er bereits ausgebucht und hofft jetzt, dass die geplanten Touren auch stattfinden können.

Wer sich für eine Ferienreise in ein Risikogebiet entschieden hat, muss entweder ein negatives Testergebnis vorlegen oder erst mal zum Corona-Test. Diese Tests sind seit dem 1. August kostenfrei, wenn sie 72 Stunden nach der Einreise vorliegen. Tests sind möglich etwa an Flughäfen oder bei niedergelassenen Ärzten.

Seit der Erfassung der Urlaubsrückkehrer am 11. April haben sich 733 Menschen (Stand: 7. August) beim Kreis Viersen gemeldet, erklärte eine Sprecherin. „Von den gemeldeten Reiserückkehrern sind 29 Menschen infiziert; dabei handelt es sich bei einer Person um einen Rückkehrer aus einem Nicht-Risikogebiet.“ Die Fragen, ob das Gesundheitsamt den Corona-Test übernehme, seien nach mehreren Pressemitteilungen zu diesem Thema stark zurückgegangen. Von Kapazitätsproblemen bei niedergelassenen Ärzten wegen der Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer ist dem Kreis nichts bekannt. „Eine Reaktivierung der Corona-Untersuchungszentren ist zurzeit nicht geplant“, so die Sprecherin.

Familie Dogan aus Viersen-Dülken hält besonders die Reisewarnungen für die Türkei im Blick. „Wir möchten im September Urlaub machen in der Provinz Adana“, erzählt Saadet Dogan. Ihr Haus sei sehr abgelegen, rundherum sei wenig Tourismus. Die Familie sei jedes Jahr in der Türkei, wolle auch jetzt nicht auf den Urlaub verzichten.

Rosi und Toni van der Heusen haben dagegen ihren geplanten Kroatien-Urlaub gestrichen: „Aber die Sehnsucht nach der Ferne verschwindet an einem schönen Sommerabend, wenn es auch hier schön ist“, sagt das Ehepaar. Beide genießen sommerliche Momente im Inland.

Auch Schüler Sandro Sole ist noch unsicher, ob er wirklich mit seinen Freunden nach Mallorca fahren soll: „Dass Hunderte Partyurlauber ohne Maske und Abstand am Ballermann feiern, finde ich rücksichtslos, wenn man bedenkt, wie schnell es zu einer zweiten Welle kommen kann“, meint der 17-Jährige. Das sieht auch Jamyro Pierre so: „Ich fahre lieber mit meiner Familie an die Nordsee.“ Gerade jetzt sei Rücksicht wichtig, meint der 17-Jährige.