Kreis Viersen: Kreis Viersen mit drei Abgeordneten in Berlin

Kreis Viersen : Kreis Viersen mit drei Abgeordneten in Berlin

Die CDU ist bei der Bundestagswahl mit weitem Abstand erneut stärkste Kraft im Kreis Viersen geworden, musste aber Verluste hinnehmen.

Erfreulich war für Kreiswahlleiter Andreas Coenen: "Die Wahlbeteiligung hat gegenüber 2013 mit 76,2 Prozent stark zugenommen." Auch wenn im Kreis Viersen die Gewinne der AfD verhaltener ausfielen als im Bund und auch die Verluste der beiden Regierungsfraktionen Union und SPD moderater blieben als auf Bundesebene, war die Stimmung gestern Abend bei der Wahlparty im Kreishaus gedrückt. Jürgen Heinen, Direktkandidat der Grünen, die im Kreis wie im Bund unerwartet leicht zulegten, sagte es am deutlichsten: "Das Ergebnis der AfD ist bestürzend. Wir müssen verstehen, dass wir die Art und Weise, wie wir Politik betreiben, so nicht weiter betreiben können. Wir müssen Menschen mitnehmen in der Politik - und das geschieht nicht in dem Maße, wie es geschehen müsste."

Eindeutig zu den Wahlsiegern zählen die Liberalen. Sie legten im Kreis gegenüber der Bundestagswahl 2013 rund zehn Prozentpunkte zu. Skepsis beim FDP-Direktkandidaten Andreas Bist aus Brüggen, ob es tatsächlich zur Jamaika-Koalition kommt. "Bei der FDP muss es um Inhalte gehen, das haben wir aus der Wahlschlappe vor vier Jahren gelernt." Ob es da mit den Grünen gelinge, einen gemeinsamen Nenner zu finden, sei zumindest fraglich. "Denkbar sind auch Neuwahlen."

Kay Gottschalk (AfD) verbrachte den Wahlabend in Hamburg. Foto: Busch

Vor denen warnte Uwe Schummer (CDU): "Das Schlimmste, was jetzt passieren kann, ist, wenn die demokratische Mitte nicht zusammenkommt und wir in einem halben Jahr wieder neu wählen. Meine Hoffnung ist, dass alle in Berlin die Lage erkennen, damit dieses Völkische, Nationalistische beim nächsten Mal nicht mehr drin ist."

Udo Schiefner (SPD), der gegenüber 2013 nur zweieinhalb Prozentpunkte verlor, war am Abend sichtlich getroffen. "Ein schockierendes Ergebnis! Für mich erschreckend ist das Abschneiden der AfD. Für mich heißt dieses Wahlergebnis, dass es einen klaren Wählerauftrag gibt an die SPD, in die Opposition zu gehen. Diese Rolle darf man nicht einer AfD überlassen."

Kay Gottschalk, Direktkandidat der AfD, blieb der Wahlparty im Kreishaus fern. Er hatte an seinem Erstwohnsitz Hamburg gewählt, sich anschließend bei der Stimmauszählung davon überzeugt, dass alles korrekt ablief. "Noch vor vier Monaten lagen wir im Kreis Viersen bei 4,7 Prozent. Dass wir nun bei 7,5 Prozent gelandet sind, ist ein Riesensprung nach vorn. Wir fangen jetzt an, in Berlin die Republik zu verändern."

(RP)
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