Kreis Viersen lädt zum Diskussionsabend über Nitrat und Gülle ein

Gülle in Viersen : 200 Besucher diskutieren über Nitrat

Vor allem Landwirte aus der Region waren der Einladung der Kreisverwaltung zum Diskussionsabend über Nitratbelastung gefolgt. Gemeinsam mit ihnen wolle er für besseres Grundwasser sorgen, betonte der Landrat.

Landrat Andreas Coenen (CDU) hatte sich eine Requisite mitgebracht. Er zeigte den rund 200 Zuhörern im Sitzungssaal des Forums am Kreishaus in Viersen am Montagabend einen Messbecher aus Glas, gefüllt mit knapp eineinhalb Litern Wasser. „In diesem Zylinder ist klares Brunnenwasser aus dem Kreis Viersen“, sagte er. „Vor 20 Jahren hätte ich es durch einen Filter laufen lassen und dann trinken können – das ist mit diesem Wasser nicht möglich“, ergänzte er und hielt den Messzylinder hoch. Denn es enthalte „430 Milligramm Nitrat pro Liter, fast neun Mal so viel, wie in Deutschland für Trinkwasser erlaubt“. Coenen betonte beim Diskussionsabend mit Vertretern der Landwirtschaft, der Wasserwirtschaft und des Bund-Landesarbeitskreises Wasser: „Wir müssen handeln. Und wir werden handeln.“

Wegen hoher Nitratwerte im Grundwasser hatte der Kreis Viersen in diesem Jahr eine Studie in Auftrag gegeben, die als Hauptverursacher die Landwirtschaft ausmachte. Daraufhin entwickelte die Kreisverwaltung einen an die Landesregierung gerichteten Fünf-Punkte-Plan mit Maßnahmen, die gegensteuern sollen. Dazu zählt zum Beispiel, den Einsatz von Düngemitteln und Gülleimporte intensiv zu überwachen. Im Dezember soll der Kreistag abschließend über den Plan beschließen. Vorher sollten Beteiligte und Bürger die Möglichkeit haben, miteinander zu diskutieren und ihre Positionen deutlich zu machen.

Vor allem Landwirte waren am Montagabend der Einladung der Kreisverwaltung gefolgt, wie eine Abfrage per Handzeichen zeigte. Sie seien es satt, dass immer mit dem Finger auf sie gezeigt werde, sagte einer. Eine Landwirtin betonte: „Wir sind sehr kooperativ, wir wollen auch gesundes Trinkwasser haben.“ Bernd Lüttges vom Rheinischen Landwirtschaftsverband bekräftigte: „Wir wollen Ihnen gesunde Nahrungsmittel liefern.“ Dazu gehöre aber auch die Düngung. Das Ziel sei dabei, möglichst wenig, möglichst bedarfsgerecht und effizient zu düngen.

Nach Vorträgen diskutierten die Redner mit dem Publikum. Wissenschaftsjournalist Lorenz Beckhardt führte durch den Abend. Foto: Nadine Fischer

Franz-Josef Schockemöhle von der Landwirtschaftskammer NRW verwies darauf, dass sich Landwirte an verschiedene Richtlinien wir die Düngeverordnung halten müssen. Das lasse die Kammer prüfen, Betriebe müssten Nährstoffvergleiche liefern, „jeden kann es treffen“. Im Kreis Viersen seien in diesem Jahr bisher 110 Betriebe geprüft worden, dabei habe es 17 Beanstandungen gegeben – die seien aber nicht zwingend „umweltrelevant“ gewesen.

„Das obere Grundwasserstockwerk ist im gesamten Kreisgebiet flächendeckend mit Nitrat belastet – teilweise sogar sehr deutlich“, sagte Coenen. Es gebe rund 170 Messstellen und Brunnen für das obere Grundwasserstockwerk, erklärte später Nils Cremer vom Erftverband: Der gemessene Mittelwert aus den vergangenen sechs Jahren liege bei 87 Milligramm Nitrat pro Liter, ist also 37 Milligramm höher als der Grenzwert. Doch er wolle nicht mit dem Finger auf die Landwirte zeigen, denn vieles sei durch Regeln und Gesetze gedeckt: Die aktuelle Düngeverordnung bringe Wasserwirtschaftler „gar nicht so viel weiter“. Auch Landrat Coenen betonte, dass es nicht um Schuldzuweisungen gehe, der Kreis wolle ja gerade „mit ausgestreckter Hand“ aktiv werden. Ob der Fünf-Punkte-Plan dafür der richtige Weg ist, muss sich noch zeigen. Manfred Dümmer vom Bund zumindest zweifelte dies an, hält die Punkte teils politisch, teils rechtlich für „nicht umsetzbar“.

Mehr von RP ONLINE