Kreis Viersen: Hitze setzt den Feldern zu

Kreis Viersen : Bauern leiden unter Hitze und Trockenheit

Das Wetter sorgt dieses Jahr für frühe Ernte von Getreide, Heu und Stroh — wenn auch mit Einbußen, wie bei Heinz-Wilhelm Heitzer. Auf seinen Feldern arbeitet Bernd Drößer auch nachts, damit die Kartoffeln nicht verdorren

In einem meterlangen, hohen Strahl sprüht ein Regner Wasser auf das umliegende Feld. „Zurzeit sind wir den ganzen Tag damit beschäftigt, die Bewässerungsanlagen auf den Feldern umzustellen, ab- und aufzubauen“, sagt Landwirt Bernd Drößer. Seine Felder liegen in Viersen, Brüggen, aber auch an der Grenze zu Mönchengladbach – die Wege zum Transport seien zum Teil sehr aufwendig, und die Umbauzeiten dadurch lang. Mehr als eine Stunde dauere es in der Regel, die gesamte Anlage auf einem Feld zu installieren.

Das heiße und trockene Wetter dörrt nicht nur den Boden in Wäldern und auf Wiesen aus. Auch auf Getreidefeldern und Gemüseackern ist der Boden staubtrocken. „Im Mai und Juni war es sehr warm. Die Bestände in der Region sind deshalb früher reif, als wir es eigentlich gewohnt sind“, sagt Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen.

Die lange Trockenheit und Hitze bekomme Kartoffeln überhaupt nicht, sagt Drößer: „Bei Temperaturen bis zu 25 Grad geht es ihnen gut, aber alles darüber ist zu heiß.“ Wenn die grünen Pflanzenteile einmal vertrocknet sind, wachse die Knolle nicht mehr weiter. Rund 15 Prozent seiner gesamten Anbauflächen streiche er bei der Dürre von der Liste. „Wir schaffen es nicht, alle Felder gleichmäßig zu bewässern. Wir machen dann etwas weniger, aber dafür intensiv.“ Während die Kartoffeln noch reifen, steht auf den Getreidefeldern von Landwirt Heinz-Wilhelm Heitzer die Weizenernte bevor. „Die wäre eigentlich erst Ende Juli dran“, sagt Küskens. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt Heitzer den Windberger Pferdehof in Süchteln und baut Getreide an. Auch Heu schneidet er auf seinen Wiesen. „Die Gerste-Ernte ist bei uns jetzt abgeschlossen“, sagt Heitzer. Der Ertrag liege im Durchschnitt – beim Weizen hingegen rechnet der Landwirt mit bis zu einem Drittel Einbußen.

Bernd Drößer muss seiner Felder zurzeit auch nachts beregnen. Mindestens 15 Prozent der Anbaufläche werden eingebüßt, schätzt der Landwirt. Foto: Julia Zuew (juz)

Mit der Heu- und Strohernte sei er jedoch dieses Jahr zufrieden: „Ich habe zwar etwas weniger, aber dafür gute Qualität.“ Die Schäden in einem zu verregneten und nassen Sommer seien viel größer und teurer. Rund 50 Prozent der Ernte benötigt der Hof selbst – mit dem Rest werden unter anderem zwei weitere Reithöfe in der Umgebung beliefert. Die Hitze mache zurzeit die Verarbeitung von Stroh und Heu schwer: Es sei zu trocken zum Pressen, sagt Heitzer, „das bricht wie Glas“. In der Regel helfe es, das Stroh im Nachttau zu lassen und zu pressen, bevor der heiße Tag anbricht. In der Nacht aufs Feld fahren müsse er manchmal ebenfalls, sagt Drößer. „Es kommt vor, dass wir auch um 3 Uhr in der Nacht rausfahren, um die Anlagen abzubauen.“ Die Anlage besteht aus einer Pumpe, die mit einem Elektro- oder Dieselmotor Wasser in einen Schlauch pumpt, der um eine große Trommel gewickelt ist. Durch die Windungen beschleunigt das Wasser und kommt mit ausreichendem Druck aus dem Regner, um das Wasser weit zu verteilen.