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Kreis Viersen: Hausärztliche Versorgung schwankt

Ärztliche Versorgung im Kreis Viersen : Im Kreis Viersen fehlen Hausärzte

Im Kreis ist der hausärztliche Versorgungsgrad unter dem Durchschnitt im Rheinland, berichtet die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein. Zuschüsse und Perspektiven sollen eine Niederlassung im Kreis für Ärzte attraktiv machen.

Die Kommunen im Kreis Viersen zeigen bei der hausärztlichen Versorgung durchwachsene Werte. Zu diesem Schluss kam die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) bei der Bedarfsplanung in diesem Jahr. Mit einem Versorgungsgrad von 101,6 Prozent liegt der Kreis knapp unter dem Durchschnitt der Region Nordrhein (104,9 Prozent). Johannes Martin, Projektleiter bei der KVNO, stellte die Ergebnisse bei der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses für Gesundheit, Soziales und Seniorenarbeit vor.

Während der Versorgungsgrad in Viersen bei 96,8 Prozent unter dem Schnitt, in Grefrath hingegen mit 114,3 Prozent darüber liegt, sieht es in Tönisvorst mit 83,9 Prozent am schlechtesten aus. Hinzu kommt, dass in Tönisvorst 41 Prozent der Ärzte über 60 Jahre alt sind und „in den nächsten Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen werden“, sagt Martin. Auch in Schwalmtal ist dies der Fall – bei der Bedarfsplanung wird die Gemeinde jedoch mit Niederkrüchten zusammengelegt und kommt damit auf einen Wert von 103,6 Prozent.

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Neben den Ergebnissen der Bedarfsplanung berichtete Martin, welche Förderungsmöglichkeiten der KVNO jungen Ärzten bietet. Um Nachwuchs in der Branche der Hausärzte sicherzustellen und in notwendigen Gebiete die Versorgung besser aufzustellen, möchte der KVNO in Zusammenarbeit mit dem Kreis Viersen bereits im Studium für Ärzte attraktive Angebote in der Region schaffen. Dazu gehören unter anderem Stipendien und geförderte Praktika, sowohl für Studenten als auch bereits berufstätige Ärzte.

Mit einer Finanzierung der KVNO sei es Ärzten bei einmaligen, einmonatigen Hospitationen möglich, niedergelassene Praxen und deren Einzugsgebiet kennenzulernen, sagt Martin. „So ist die Möglichkeit höher, dass ein niedergelassener Arzt durch derartige Praktika auch einen Nachfolger findet.“ Zur selben Zeit müssten sie nicht auf Einkommen verzichten, da die Hospitationen mit bis zu 6000 Euro gefördert werden, die an den hospitierenden Arzt gehen. Auch Quereinsteigern wie Allgemein-Internisten oder Fachärzten, die sich beispielsweise eine Tätigkeit im Krankenhaus nicht mehr vorstellen können, soll der Einstieg in eine niedergelassene Tätigkeit erleichtert werden. Unter anderem durch Fortbildungsmöglichkeiten zum Facharzt im Bereich allgemeiner medizinischer Versorgung, beispielsweise HNO-, Augen- oder Kinderärzte, Gynäkologen aber auch Psychiater oder Neurologen.

Die jährliche Fördersumme liege zurzeit bei etwa 3,5 Millionen Euro, Tendenz steigend, sagt Martin. Derzeit gebe es 117 geförderte Stellen. Der KVNO bietet außerdem Zuschüsse in Höhe von 10.000 Euro bei Eröffnungen von hausärztlichen Zweigpraxen und 70.000 Euro bei Neugründung oder Übernahme von hausärztlichen Praxen, ebenso wie bei Anstellung von Hausärzten.

Auf Nachfrage von Mitgliedern des Ausschusses nach bisherigen Erfahrungswerten berichtete der Projektleiter, dass bereits in anderen Regionen mit diesen Mitteln eine Verbesserung des Versorgungsgrades erwirkt werden konnte. Die KVNO habe bei der Bedarfsplanung nicht nur den demographischen Wandel in der Bevölkerung berücksichtigt, sondern auch den der Ärzte. Auch die Anzahl der Behandlungen durch die jeweiligen Ärzte wurde eingerechnet, sagt Martin. Hinzu komme die Zahl der Einwohner, der Niederlassungen (da in einer Praxis mehrere Ärzte tätig sein können) und offene Niederlassungsmöglichkeiten. Aus diesen Werten ergibt sich der Versorgungsgrad.

Die KVNO könne sich außerdem eine Zusammenarbeit mit dem Kreis Viersen vorstellen, um den Kreis als Praxisstandort stärker zu präsentieren, sagt Martin. Kommunen können sich beispielsweise auf der Internetseite der KVNO vorstellen. Die KVNO organisiert unter anderem Veranstaltungen, bei denen sich Stellensuchende und Arbeitgeber kennenlernen können, bietet aber ebenso Beratung rund um IT, Hygiene oder Abrechnung an. Auch zur Standortwahl oder Kooperationsmöglichkeiten, wie zur Eröffnung einer Gemeinschaftspraxis, berät die Vereinigung.